• aktualisiert:

    SCHWANFELD

    Unterwegs nicht nur mit dem Werkzeug des Glaubens

    Der große Traum von Afrika: Siegfried Hertlein feierte in Schwanfeld 60 Jahre Priesterweihe. Foto: Uwe Eichler

    „Ihr Europäer habt die Uhren, wir haben die Zeit“, lautet ein afrikanisches Sprichwort. Entsprechend dauerte der Festgottesdienst zu Ehren von Abt, Ehrenbürger und Entwicklungshelfer Siegfried Hertlein am Sonntag ein klein wenig länger: Gewürdigt wurde in und um St. Michael kein Schwanfelder wie jeder andere.

    „Hereinspaziert“: Mit diesen Worten lud Bürgermeister Richard Köth danach ins Bürgerzentrum ein, wo Abt Siegfried zum 60. Jubiläum der Priesterweihe beglückwünscht werden durfte. Zuvor war vor der Kirche „Großer Bahnhof“ angesagt, inklusive Festbeflaggung der Kirchgasse. Da dem beliebten Kirchenmann mit 87 das Laufen schon etwas schwer fällt, wurde er im Opel zur großen Schar der Gratulanten gefahren.

    Der Musikverein spielte Ständchen und Frankenlied, während Hertlein vom „Abtstuhl“ aus zuhörte. Auch die stolze Familie war vertreten, der elterliche Hof steht nur wenige Meter entfernt. Beim Sektempfang würdigte Köth den Jubilar, der seit Jahrzehnten in Ndanda, im Südosten Tansanias lebt und wirkt: „Du bleibst unser Abt, auch wenn du dein Amt 2001, nach 25 Jahren, zurück gegeben hast.“

    Es gelte nach wie vor, was er zum 50. Jubiläum gesagt habe: „Ein Baumeister des Friedens, ein Abt und Ehrenhäuptling, ein Seelsorger mit Leib und Seele“. Der Lebenslauf findet sich mittlerweile auf orden-online. Hertlein wurde am 10. März 1931 als sechstes von acht Kindern geboren. Schon in jungen Jahren hatte er den Wunsch, nach Afrika zu gehen. Nach dem Besuch der Volksschule trat er in höhere Schulen der Benediktiner in Münsterschwarzach und Würzburg ein. 1953 folgte das Ordensgelübde in der Abtei Münsterschwarzach, fünf Jahre später die Priesterweihe.

    1962 brach der promovierte Missionswissenschaftler nach Tansania auf. Hertlein lernte die Weiten Ostfrikas, die Sitten und Gebräuche der Menschen kennen, die er respektierte, was ihn unter anderem den Titel „Ehrenhäuptling“ einbrachte. Eine Typhuserkrankung zwang den Buschmissionar zum längeren Heimataufenthalt.

    Eigentlich wollte Hertlein eine Professur an der Universität Würzburg antreten. Allerdings verunglückte 1975 der Schweizer Viktor Hälg, Abt-Bischof von Ndanda, bei einem Verkehrsunfall in den Alpen. Die Benediktinerbrüder wählten Hertlein zum Nachfolger, am 7. Februar 1976 wurde er im Bistum Mtwara zum Abt geweiht.

    Sein Leitspruch „Einer trage des anderen Last“ blieb kein frommer Wunsch. 1996 sorgte Hertlein dafür, dass die Einheimischen in Eigenleistung eine Wasserleitung bauten, mit Unterstützung vom Kloster. Die Kosten des Großpojekts, im Umfang von 240 000 D-Mark, wurden durch Spenden aufgebracht. Seither verfügen 12 000 Menschen über sauberes Trinkwasser. „Wir sind stolz, dass du einer von uns geblieben bist”, sagte Köth.

    Nach der Emeritierung 2001 arbeitet der Altabt im Missionshospital, vor allem aber im Archiv, und schreibt die mehrbändige Geschichte von Ndanda fort: „The Abbey of Our Lady Help of Christians” geht auf eine Missionsstation der Benediktiner von St. Ottilien zurück, die 1906 in „Deutsch-Ostafrika” (Tansania) entstanden ist. Heute leistet sie neben erfolgreicher Missionsarbeit vor allem Hilfe zur Selbsthilfe, kümmert sich um Hygiene und Ausbildung.

    „Ich bin schon überrascht, wer alles gekommen ist”, sagt Siegfried Hertlein, der zusammen mit einem Studiengefährten, Bruder Deocar, sein Heimatdorf besucht. Als Sechstklässler, in der Volksschule, habe er bei Afrika noch an Löwen, Elefanten, schöne Mädchen gedacht – und zusammen mit einem Freund beschlossen, sich das mal anzuschauen. Vorsorglich wurde Werkzeug vom Vater geborgt und im Wald versteckt. „Außerdem haben wir gedacht, wir müssen erst mal schießen lernen”: Also wurde ein Zimmerstutzen organisiert und geübt. Auf der Karte sah die Reiseroute einfach aus: „Österreich, Türkei, Arabien, und dann kommt irgendwann Afrika.“

    Allerdings wurde das Werkzeug vom Vater vermisst und der geständige Sohn übers Knie gelegt: „Ich habe alles in einem Sack wieder zurück gebracht”, schmunzelt Abt Siegfried. „Das war das Ende meiner ersten Afrikafahrt.“ In der Schule von Münsterschwarzach sah Hertlein dann das Missionsmuseum: Da war sie dann, die Welt der Löwen und Elefanten, der er bis heute treu geblieben ist.

    Spenden für Ndanda sind zu seinen Händen über das Spendenkonto der Abtei Münsterschwarzach möglich, bei der Liga Bank Regensburg, IBAN Nummer: DE51 7509 0300 0003 0150 33, BIC: GENODEF1M05.

    Weitere Artikel
    Fotos

      Kommentare (0)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!