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    SCHWEBHEIM

    Unterwegs von Berlin bis Usbekistan

    Edgar Pröschel organisiert seit elf Jahren im Auftrag der Gemeinde die Reisen des Kulturwerks. Seinen Mitreisenden ist er dabei unter anderem durch die neue Technik verbunden. Foto: Ursula Lux

    „Der Oman ist immer noch eine Stück Morgenland wie aus dem Bilderbuch. Anschließend geht's ins Übermorgen-Land, eine Wunderwelt in Sand: Dubai.“ Mit diesen Worten wirbt Edgar Pröschel für die Herbstreise des Kulturwerkes Schwebheim. Dabei muss er längst nicht mehr werben, die Reisen sind immer ausgebucht und längst ein Geheimtipp.

    Pröschel ist ein Weltenbürger. Als Entwickler bei FAG war er schon immer weltweit unterwegs und hat es in manchen Jahren auf bis zu 200 000 Flugkilometer gebracht. Auch privat bereist er gerne die Welt. Als er vor elf Jahren die Reiseorganisationen für das Kulturwerk übernahm, öffnete er dieses für Fernreisen wie nach China, Usbekistan oder Peru und Mexiko. Die Initiatoren, die das Kulturwerk von 50 Jahren ins Leben riefen, „haben sicher nicht geahnt, welch abwechslungsreiche und vielfältige Reiseziele es den Schwebheimern im Laufe der Zeit eröffnen würde“, meint Bürgermeister Volker Karb.

    Erste Kulturreise führte nach Berlin

    Die Geschichte des Kulturwerks begann eher bescheiden. In den Nachkriegsjahren war die Bevölkerung kulturell ausgehungert. Die Reiselust wurde zunächst mit Filmen und Lichtbildervorträgen gestillt, dies aber hielt nicht lange an. 1968 ergriff deshalb Gemeinderat Harry Dannewald die Initiative und organisierte eine erste Kulturreise, damals nach Berlin. Fortan sollte die Gemeinde im Rahmen ihres Kulturprogramms regelmäßig solche Reisen anbieten. Bis 1997 organisierte Friedrich Schneider die Reisen, ihm folgte Peter Götz der die Organisation bis 2008 innehatte. Die Ziele lagen bis dahin ausschließlich in Europa, reichten von Sizilien bis zum Nordkap, von Frankreich bis Moskau.

    Der Fokus der Reisen liegt auf dem Kennenlernen von Land und Leuten, Kunst und Kultur. Heute gibt es die Kurzreisen und die zwölf bis 14 Tage dauernden Fernreisen, die Pröschel gemeinsam mit einem Reisebüro vorbereitet. Zunächst stellt Pröschel die geplanten Reiseziele bei einem Informationsabend vor, alle zwei Jahre lässt er dabei auch über das Reiseziel des drauf folgenden Jahres abstimmen. Zu diesen Infoveranstaltungen kommen in der Regel 70 bis 80 Interessenten.

    Maximal 32 Teilnehmer bei Fernreisen

    Dann geht es an die Feinplanung, bei der auf vieles geachtet werden muss: Wie ist das Wetter zur Reisezeit, „keiner will in den Monsunregen kommen oder in die Zeit der Wirbelstürme“, erklärt der Organisator. Maximal 32 Reisende nimmt Pröschel mit, und auch das hat seinen Grund. „In Usbekistan ist es uns schon passiert, dass die heimischen Busse nur für das Gepäck von 32 Leuten Platz hatten, wir waren aber 34“, erzählt er. Seine Vorstellung schickt Pröschel dann an verschiedene Reisebüros und lässt sich Angebote machen. Die Fernreisen sollen bezahlbar bleiben, die absolute Höchstgrenze liegt dabei bei 3000 Euro.

    Pröschel muss sich immer gut vorbereiten, denn im Notfall muss er auch für den Reiseführer vor Ort einspringen. So beispielsweise in Peru, als einer der Mitreisenden die Höhe nicht verkraftete und vom peruanischen Reiseleiter mit Atemmaske versorgt werden musste. Auch in Kroatien fiel der örtliche Reiseführer überraschend aus. Dann kommt Pröschel seine Welterfahrung zugute.

    Gemeinschaftserlebnis ist wichtig

    Eine weitere Herausforderung fast jeder Reise: Was passiert, wenn wir jemanden verlieren? So geschehen beispielsweise in St. Petersburg, als vier Teilnehmer den falschen Ausgang des Museums genommen hatten. Auch hier hat sich der Organisator etwas einfallen lassen. Vor etwa sechs Jahren kaufte er drei Sender und 36 Empfänger, die die Reiseteilnehmer bekommen. Das hat auch noch den Vorteil, dass in Städten, wo die Nebengeräusche oft recht laut sind, jeder hört, was der Reiseleiter erzählt.

    Wichtig ist Pröschel auch die Gemeinschaft. „Der Urlaub beginnt, wenn die Gruppe in den Bus einsteigt“, und so ist die gemeinsame Frühstückspause auf dem Weg zum Flughafen ein erstes Gemeinschaftserlebnis. Gemeinsame Essenszeiten und auch einmal eine Weinprobe verstärken das Zusammengehörigkeitsgefühl, das nach dem Urlaub bei einem Erinnerungsabend aufgefrischt wird.

    Die Bilanz nach 50 Jahren Kulturwerkreisen sind 72 Fahrten mit insgesamt 2600 Teilnehmern in 49 Länder. Bei den Kurzreisen stammen immer noch die meisten Teilnehmer aus Schwebheim. Bei den Fernreisen gibt es auch Teilnehmer aus Schweinfurt, die meisten sind Stammgäste des Kulturwerks.

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