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    Gerolzhofen

    Viel vom Bahnstreit läuft hinter den Kulissen

    Der letzte Gütertransport auf der Steigerwaldbahn. Beim Abzug der Amerikaner 2006 war die jetzt stillgelegte Strecke noch einmal richtig gefragt, um schweres Gerät zu transportieren. Foto: Marcel Gsänger

    Ein Teil dessen, was zurzeit zum Thema Reaktivierung der Steigerwaldbahn hinter den Kulissen läuft, wurde jetzt bekannt. Wie berichtet, hat der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) die Steigerwaldbahn nicht auf einer im Mai veröffentlichten Liste von reaktivierungswürdigen Bahnlinien genannt. Das hatten Bahngegner dazu genutzt, die Steigerwaldbahn zum wiederholten Mal für tot zu erklären.

    Nun kommt die umstrittene Trasse wohl doch in die Neuauflage der Liste. "Unser Fachmann sagt: Die Strecke gehört in die zweite Auflage rein. Also grünes Licht von der Schienenallianz!", schreibt Dirk Flege, Geschäftsführer der "Allianz pro Schiene" via Twitter an Bahn-Aktivist Andreas Witte. In der "Allianz pro Schiene", einem gemeinnützigen Verein, arbeiten 24 Non-Profit Organisationen und über 150 Wirtschaftsunternehmen zusammen. Zivilgesellschaft und Bahnbranche sitzen an einem Tisch. Die Allianz kooperiert eng mit dem VDV.

    "Nicht zur Verfügung stehend"

    Warum nun stand die Steigerwaldbahn aber nicht auf der Liste des VDV? Ganz einfach, weil sie die DB Netz AG als „nicht zur Verfügung stehend" dem Verband gemeldet hatte, wohl, weil sie sie möglichst schnell verkaufen wollte. Der VDV hatte also gar keine Chance, die Steigerwaldbahn zur Reaktivierung vorzuschlagen. Dabei sind andere vom VDV zur Reaktivierung ins Auge gefasste Trassen in viel schlechterem Zustand als die Steigerwaldbahn, haben sogar teilweise nicht einmal mehr Schienen.

    Nicht mehr genutzte Bahnstrecken wieder in Betrieb zu nehmen, könnte ein Schritt zur Umsetzung des Projekts „Deutschlandtakt” sein, mit dem das Bundesverkehrsministerium die Schiene stärken will. Das Zugfahren soll so pünktlicher und schneller werden, das Erreichen der Anschlüsse direkter und verlässlicher. Steigende Fahrgastzahlen und immer neue Passagierrekorde bringen das bestehende Schienensystem an seine Grenzen. 3000 neue Kilometer würden das gesamte deutsche Schienennetz um rund acht Prozent aufstocken, wie der VDV berechnet hat.

    Das Vorgehen der DB Netz AG, die Steigerwaldbahn als nicht verfügbar abzuqualifizieren, kritisiert auch Gerhard Curth, Geschäftsführer der Bayerischen Regionaleisenbahn (BRE), die die Strecke bis Anfang 2016 gepachtet hatte. Er gehört mit seiner BRE zu den Verkehrsverbünden, die Linien mit Reaktivierungspotenzial für den VDV auswählen sollten. Über den Geschäftsführer erfuhren auch die Bahnbefürworter in Person von Ricky  Haubenreich vom Vorgehen der Bahn, das an einen erneuten Torpedierungsversuch aller Wiederbelebungsbemühungen glauben lässt.

    Zachmann geht auf Distanz

    Nicht mehr zu den uneingeschränkten Bahnbefürwortern gehört inzwischen Lothar Zachmann, Noch-Bürgermeister von Dingolshausen und Landratskandidat der CSU. Ihm gefällt die Polarisierung von Bahngegnern und Bahnbefürwortern nicht, wie er auf Anfrage sagt. Wenn die Reaktivierung eine Chance haben soll, dann müssten auch die Anrainergemeinden dafür sein. Die Bahnbefürworter hätten bei den Anliegergemeinden viel Porzellan zerschlagen und sie viel früher in die Reaktivierungspläne einbinden müssen. "Deswegen habe ich mich etwas von den Befürwortern distanziert." Vor allem die Anwohner der Strecke sollten die Bahn ja nutzen, meint Zachmann. Deswegen sei es wichtig, sie nicht als Gegner zu haben.

    "Ich halte es für gut, wenn die Bahn kommt, aber nicht um jeden Preis", relativiert Zachmann seine früher eindeutige Pro-Bahn-Haltung. Eine echte Meinungsbildung könnte erst nach nach einer Potenzialanalyse der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG) beginnen. Zachmann will allerdings nicht bestätigen, dass er sich mit seiner Distanzierung eher dem großen Bahngegner und Parteifreund Gerhard Eck annähert. Für ihn sind Bahnbefürworter keine Verblendete, wie das Innenstaatssekretär  Eck sagt, und Bahngegner keine Umweltsünder, wie ihnen das von Befürwortern vorgeworfen wird. "Keines von beidem stimmt." 

    Keiner spricht mehr von neuer Trasse

    Leider drehe sich die ganze Diskussion nur um die alte Bahntrasse, sagt Zachmann. Mit keinem Wort sei mehr die Rede von seiner gemeinsam mit dem Grünen Thomas Vizl vor etwa zehn Jahren entwickelten Idee, eine neue Trasse längs der B 286 zu bauen und die Steigerwaldbahn nach Wiesentheid nicht mehr nach Kitzingen, sondern hinüber nach Iphofen auf die Hauptstrecke Nürnberg-Würzburg fahren zu lassen. Was die Region brauche, sei keine Lokalbahn mit Tempo 50, sondern eine schnelle Verbindung zwischen den Hauptstrecken Nürnberg-Würzburg und Würzburg-Bamberg. Zachmann schließlich zu seinem zukünftigen Verhalten: "Erst wenn das BEG-Gutachten da ist, werde ich mich wieder positionieren. Alles andere hat keinen Sinn." Nur mit einem Gutachten in der Hand sei auch eine vernünftige Aussage über die Kosten einer Reaktivierung möglich.

    Diskussion im Pfarrer-Hersam-Haus

    Die Befürworter der Bahn setzen indessen weiter auf Information und Aufklärung. Zu der Informationsveranstaltung "Steigerwaldbahn: Schiene hat Zukunft" lädt der Kreisverband Schweinfurt von Bündnis 90/Die Grünen am Freitag, 19. Juli, um 19 Uhr ins Pfarrer-Hersam-Haus in Gerolzhofen ein. Auf dem Podium sitzen die grüne Bundestagsabgeordnete Manuela Rottmann, der grüne Landtagsabgeordneter Paul Knoblach, Konrad Schliephake, der Verkehrsgutachter, der eine Studie zur Steigerwaldbahn erstellt hat, und der Verkehrsplaner Robert Wittek-Brix. Die Moderation hat Holger Laschka, grüner Bürgermeisterkandidat für Schweinfurt. Die Veranstaltung wird unterstützt von Geo-net, dem Förderverein Steigerwaldexpress und dem Verkehrsclub Deutschland (VCD). Alle interessierten Personen sind eingeladen

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