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    Gerolzhofen

    Vogts Glosse: Gut und Böse auf dem Tisch

    Klaus Vogt. Foto: Anne Bauerfeld

    Liebe Interessierte, das Leben ist kompliziert. Und es wird von Tag zu Tag noch komplizierter – insbesondere wenn man sich auf die Tipps irgendwelcher Experten verlässt, statt seinem eigenen Bauchgefühl zu folgen. Apropos Bauchgefühl: Heute soll es mal um die Ernährung gehen.

    Da behauptete bislang die Internationale Agentur für Krebsforschung, immerhin eine Einrichtung der Weltgesundheitsorganisation, dass der Verzehr von Schinken und Wurst die Entwicklung von Darmkrebs und bösartigen Tumoren fördert. Also soll man solches Zeug überhaupt nicht mehr essen. Und Vorsicht! Selbst das reine Muskelfleisch sei gefährlich, zwar nicht ganz so extrem wie Wurst, aber immer noch gefährlich.

    Jetzt aber vermeldet ein internationales Netzwerk von Forschern, das die gleichen Studien nochmals neu ausgewertet hat, dass ein mäßiger Konsum von Wurst und Fleisch nun doch nicht die Sterblichkeit erhöht und auch weder Infarkt und Diabetes noch eine Krebserkrankung auslöst. Aha. Dies erklärt zumindest, warum ich überraschenderweise noch gesund bin.

    Für den Laien kaum noch nachvollziehbar ist es auch, was Ernährungsexperten in Sachen Cholesterin von sich geben. Je nachdem, von wem sie bezahlt werden, gibt es unterschiedliche Tipps. Zu viel Käse, oder echte Butter oder gar Eier auf dem Tisch – das war bislang schlecht. Denn das schlechte Cholesterin (es gibt auch ein gutes oder zumindest weniger schlechtes) führt zu Gefäßverkalkung und erhöht deshalb die Gefahr eines Schlaganfalls oder Infarkts. Die Lebensmittelindustrie macht mit der Angst tolle Umsätze mit einem riesigen Angebot an cholesterin-freien oder cholesterin-reduzierten Speisen.

    Jetzt heißt es, dass für einen hohen Cholesterinspiegel im Blut nicht das Cholesterin selbst im täglichen Essen verantwortlich ist, sondern eher die gesättigten Fettsäuren. Mageres Fleisch und auch die bislang verpönten Eier enthalten zwar viel Cholesterin, aber wenige gesättigte Fettsäuren - sind also neuerdings erlaubt. Und ganz neu: Der regelmäßige Verzehr von cholesterin-haltigen Milchprodukten kann das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sogar verringern.

    Neuerdings wird das Kaffee-Trinken auch nicht mehr so schädlich gesehen wie noch vor wenigen Jahren. Kaffee scheint wohl gegen Diabetes und Parkinson zu helfen. Mittlerweile ist man auch zur Erkenntnis gelangt, dass Kaffee zwar bestehenden Zahnbelag unschön dunkel einfärbt, eigentlich aber grundsätzlich gegen die Bildung von Zahnbelag wirkt.

    Das wird meinen Zahnarzt freuen. Der übrigens darf jetzt seine freundliche Einladung, für die jährliche Kontrolluntersuchung und Zahnreinigung mal bei ihm vorbeizuschauen und das Bonusheftchen mitzubringen, nicht mehr per Postkarte versenden. Nun muss es ein verschlossener Brief sein. Wegen Datenschutz und so.

    Das Leben ist so kompliziert...

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