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    Schweinfurt

    Volksfest: Brutale Attacke gegen 19-Jährigen

    Ein Faustschlag in den Bauch, dann ein Kopfstoß und weitere Schläge gegen das Opfer, wenn es schon blutend am Boden liegt. Zwei Brüder bekommen vom Richter die Quittung.
    Faustschlag und Kopfstoß: Zwei Brüder bekommen vom Gericht die Quittung für brutale Schläge gegen einen Schüler auf dem Volksfest. Foto: Ivana Biscan

    Wie war das jetzt? Hat der 19-jährige Gymnasiast im Beisein seiner Freundin letztes Jahr Anfang Juni beim Volksfest den gleichaltrigen Verkäufer-Azubi beleidigt, mit "töten" und "abstechen" bedroht, weil dieser ein paar Tage davor seinen kleinen Bruder geschlagen hat? Hat er dann den per Handy zu Hilfe gerufenen 22-jährigen großen Bruder des Azubis, einen Lageristen,  nach einer "Schelle" von hinten mehrmals auf den Kopf geschlagen? Waren also der Azubi und der Lagerist die bedauernswerten Opfer des 19-Jährigen, der mit seiner Freundin das Volksfest besuchte?

    Brutaler Kopfstoß

    Dann müsste sich die Staatsanwaltschaft sehr irren. Die beiden sind nämlich die Angeklagten vor dem Jugendrichter. Ihnen wird zur Last gelegt, den Gymnasiasten zusammen mit weiteren, allerdings unbekannten Kumpels aus ihrer Clique grundlos krankenhausreif geschlagen zu haben. Das Opfer der Attacke räumt zwar ein, den Verkäufer-Azubi gefragt zu haben, warum er einige Tage davor seinen drei Jahre jüngeren Bruder geschlagen habe, worauf dieser erwidert habe: "Mein Bruder kommt jetzt, der fickt dich." Der 19-jährige Schüler hat aber – wie vier unabhängige Zeugen des Geschehens vor Gericht bestätigen - keine Schlägerei begonnen.

    Der Aggressor war demnach eindeutig der herbeitelefonierte 22-jährige Bruder des Azubis. Nach kurzen Worten habe dieser dem Schüler mit voller Wucht einen Schlag in den Magen versetzt und einen brutalen Kopfstoß hinterher geschickt. Das Opfer habe sofort stark geblutet. Der Azubi habe den erheblich Verletzten dann noch mit einer Kette, um die Hand gewickelt, geschlagen. Als Umstehende dazwischen gingen, habe sich die mindestens fünf- bis siebenköpfige Gruppe um die beiden aggressiven Brüder entfernt, sagen die unabhängigen Zeugen. 

    Drei Tage im Krankenhaus

    Das Opfer wurde zu den Sanitätern und dann umgehend ins Krankenhaus gebracht. Sein Nasenbein war gebrochen, der junge Mann hatte eine Kopf- und Fingerprellung, ein Brillenhämatom und erhebliche Schmerzen. Drei Tage lang wurde er stationär behandelt. Dass der schwer verletzte Gymnasiast der aggressive Täter gewesen sein soll, wie die beiden Angeklagten behaupten, glaubt ihnen demnach weder der Staatsanwalt, noch das Gericht.

    Der Anklagevertreter fordert für den 19-Jährigen, der schon zweimal auffällig war, darunter mit zwei Körperverletzungsdelikten, nach Jugendstrafrecht drei Wochen Arrest und eine Geldauflage 500 Euro, ein Monats-Azubi-Gehalt. Der 22-Jährige, bisher strafrechtlich nicht vorbelastet, soll eine zehnmonatige Freiheitsstrafe auf Bewährung erhalten und eine Geldauflage von einem Monatsgehalt, 1700 Euro.

    "Eine ganz saufeige Aktion"

    Das Urteil: Wegen gefährlicher Körperverletzung hat der 19-Jährige nach Jugendstrafrecht zwei Wochen Dauerarrest abzusitzen und 60 Stunden gemeinnützige Arbeit zu leisten. "Sich zurückzuhalten, den großen Bruder zu holen und erst, wenn das Opfer schon schwer verletzt ist, noch mit einer Kette zuzuschlagen, ist eine saufeige Aktion", sagt der Jugendrichter. Und: Sollte er die Arbeitsstunden, wie schon einmal geschehen, nicht leisten, "kommen vier Wochen Ungehorsamsarrest obendrauf."

    Neun Monate Haft auf Bewährung kassiert der 22-Jährige. Ein "Kopfstoß ist die mieseste Masche, wie man einen anderen Menschen schwer verletzen kann", sagt der Vorsitzende. Er habe "nicht den leisesten Zweifel," dass der Lagerist derart zugeschlagen hat. An den Geschädigten muss dieser ferner 500 Euro Schmerzensgeld zahlen, und eine Geldauflage über 2500 Euro kommt noch hinzu. Darüber darf sich der Kreisjugendring freuen. Einen wichtigen Hinweis gibt der Richter beiden Angeklagten: "Sollte noch irgendeine Körperverletzung dazu kommen, sitzen Sie im Knast." Gegen das Urteil sind Rechtsmittel möglich.

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