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    SCHWEINFURT

    Vom Feinstaub zum Fadenbakterium

    Zeug gibt‘s: Kein Herz für Hunde
    _ Foto: Thomas End) aussehen werden, sollte die Baumschutzverordnung tatsächlich abgeschafft werden.

    Wahnsinn, wie die Zeit vergeht: Kaum ist der Silvesterdampf verraucht und die Statistik verdaut, wonach in Schweinfurt am Obertor zum Jahreswechsel die mit Abstand höchste Feinstaubkonzentration in ganz Bayern gemessen wurde, da ist auch die Hälfte des Jahres schon wieder rum. Wo ist die geblieben? Und was haben wir in den fünfeinhalb Monaten, die seit dem bayerischen Feinstaubrekord vergangen sind, noch alles erlebt? Naja, da war ja erst das Landesturnfest. Mords was los in Schweinfurt, und das bei Superwetter. Der so genannte traditionelle „Hamburger Fischmarkt“ war auch schon auf dem Marktplatz – mit viel und billig Wurst und Obst und Käs' von den Herren Marktschreiern Wattwurm, Bananen-Fred und Käse-Dickel.

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    So weit, so schön bisher. Weiter geht's im Schnüdel-Festkalender in einer Woche mit dem Schweinfurter Volksfest und allerlei alten und neuen Attraktionen bei den Fahrgeschäften – wie etwa der Wildwasserbahn „Poseidon“. Dazu kommt eine Neuheit, an die sich der Schweinfurter und sein Umland noch wird gewöhnen müssen: das Bier im Festzelt. Es ist erstmals kein heimisches mehr, sondern ein oberfränkisches – aus Kulmbach. Da schluckt der mainfränkische Freund des Gerstensaftes, ohne den Maßkrug angesetzt zu haben: kein Roth-Bier mehr im Zelt, sondern Mönchshof!? Es ist auch nicht mehr bernsteinfarben wie sonst, sondern „gelbgolden“ und verfügt über ein ein „rundes Karamellaroma“.

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    Es ist aber leider – anders als das Festbier, das die Verwaltungsspitze und nicht wenige Stadträte vorab schon getestet haben – nicht alles gelbgolden im Leben. Gerade erst mussten sich die Stadträte mit Widrigkeiten der Abwasserklärung befassen, mit Blähschlamm und Fadenbakterien in Kläranlagen mit „Belebtschlammverfahren“. Schuld sei, dass im Winter zu viel Streusalz über die Kanäle ins Klärbecken gelangt, was die Zusammensetzung der Brühe verändere, worauf Bakterien im „Belebungs- und Nachklärbecken“ Bläh- und Schwimmschlamm und Schaum herstellten, was wiederum die Abwasserklärung „massiv“ behindere. So hieß es kürzlich im Hauptausschuss.

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    Bevor jetzt aber jemand vorschnell skandalisiert, der Herr Oberbürgermeister Remelé habe seine Schweinfurter Fadenbakterien und den Blähschlamm nicht im Griff, muss an dieser Stelle ganz klar erklärt werden, dass ein Granulat im Belebungsbecken die Schlammstruktur schon recht positiv verändern würde, worauf der Stadtrat Maßnahmen im hohen sechsstelligen Bereich genehmigte, so dass dem unbotmäßigen Treiben der Fadenbakterien wirksam begegnet werden kann. Da müssen halt mal ein paar Hunderttausender ins Klo beziehungsweise die Klärbecken gesteckt werden. Schließlich haben die, spätestens zum Volksfest, zu 100 Prozent leistungsfähig zu sein.

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    Für Klärschlämme ist übrigens auch der Herr von Lackum zuständig, wie für fast alles. Außer Baujurist und Sicherheits- und Umweltreferent ist er nebenbei auch noch der Werkleiter der Stadtentwässerung. Von Fadenbakterien der Kläranlage lenkt ihn vielleicht auf dem Volksfest die Wildwasserbahn „Poseidon“ ein wenig ab. Da geht's zwar wie im Stadtrat hin und her und rauf und runter, aber immerhin stilvoll zwischen antiken Säulen und griechischen Götterstatuen.

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