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    THEATER

    Vom Wert des Lebens und des Todes

    Iordanka Derilova besticht einmal mehr mit ihrer souverän beherrschten Stimme im Dialog mit Kostadin Argirov.
    Iordanka Derilova besticht einmal mehr mit ihrer souverän beherrschten Stimme im Dialog mit Kostadin Argirov. Foto: Claudia Heysel

    Die außergewöhnliche Oper „Die Sache Makropulos“ beginnt als Krimi im Anwaltsmilieu und nimmt schrittweise Züge eines Mystery-Thrillers an. Die gefeierte Opernsängerin Emilia Marty zeigt ein seltsames Interesse an einem 100 Jahre währenden Erbschaftsstreit. Die Diva kann dem skeptischen Anwalt und seinem Mandanten immer neue, unglaubliche Details über den Anfang des 19. Jahrhunderts verstorbenen Ferdinand Prus erzählen.

    Sie behauptet sogar, dass ein bisher unbekanntes Testament dieses Mannes existieren würde, welches eindeutig zu Gunsten des Mandanten ausfalle. Dieser, Albert Gregor, ist so fasziniert von der Anziehungskraft der Sängerin, dass er ihr Avancen macht. Die geheimnisvolle Frau scheint die Männer, oder besser: das Leben zu verspotten. Das Ende geht weit über die Lösung eines Kriminalfalls hinaus.

    Das Anhaltische Theater Dessau mit der Anhaltischen Philharmonie hat mit der noch jungen Inszenierung „Die Sache Makropulos“ („Vec Makropulos“, Januar 2020) – Oper von Leos Janácek nach der gleichnamigen Komödie von Karel Capek – wahren Mut bewiesen und einen großen Wurf gelandet, der das Publikum nach Dessau zieht und auch die überregionale Presse zu höchstem Lob gebracht hat.

    Diese gefeierte Produktion wird jeweils um 19.30 Uhr am Mittwoch, 29. April, (Gemischtes Abo A und freier Verkauf) und am Donnerstag, 30. April, (Gemischtes Abo C und freier Verkauf) gezeigt und damit die exemplarische Zusammenarbeit zwischen beiden Häusern auch 2020 fortgesetzt. In der Inszenierung von Jakob Peters-Messer und unter der musikalischen Leitung von GMD Markus L. Frank sind zu erleben: mit KS Iordanka Derilova (Emilia Marty), Tilmann Unger (Albert Gregor), David Ameln (Vitek, Kanzleimitarbeiter), Cornelia Marschall (Christa, seine Tochter), KS Ulf Paulsen (Jaroslav Prus), Christian Sturm (Janek, sein Sohn), Kostadin Argirov (Dr. Kolenaty, Rechtsanwalt), Don Lee (Maschinist), Ines Peter/Constanze Wilhelm (Aufräumfrau), Alexander Nikolic (Hauk-Schendorf), Gerit Ada Hammer/Jagna Rotkiewicz (Kammerzofe) sowie der Herrenchor des Anhaltischen Theaters und die Anhaltische Philharmonie.

    In Dessau wird „Die Sache Makropulos“ zu einer Sache Iordanka Derilova. Die Bulgarin ist in den 17 Jahren ihres festen Engagements zum hochdramatischen Fels in der Brandung des Anhaltischen Theaters geworden. Eine Künstlerin, die immer besser wird. (...) Zur charismatischen Erscheinung kommt eine durchschlagende Eloquenz und die traumwandlerische Sicherheit bei der Dosierung ihrer souverän beherrschten Stimme. Aber auch sonst verblüfft das vokale Niveau dieser Produktion. Ob Ulf Paulsen (Prus), Tilman Unger (Albert Gregor) oder Cornelia Marschall (Krista) – hier schwächelt niemand. Hier werfen sich alle mit Vehemenz in ihre Rollen und ergänzen die Glanzleistung der Titelheldin zu einem funkelnden vokalen Diadem.

    Hinzu kommt die ebenso moderne wie packende Musik des großen Tschechen, deren suggestive Wirkung Markus L. Frank am Pult elegant, manchmal sogar übervorsichtig dosiert. Jakob Peters-Messer (Regie), Markus Meyer (Bühne) und Sven Bindseil (Kostüme) treffen die Melange aus spannendem Thriller, Kammerspiel und Gleichnis mit einer angedeuteten Bühne auf der Bühne. Zur ambitionierten Stückwahl kommt die in jeder Hinsicht überzeugende Umsetzung. (Joachim Lange, Mitteldeutsche Zeitung, 28.01.2020)

    Mit dieser, seiner vorletzten, 1926 in Brünn uraufgeführten Oper feiert der große Komponist den Wert des Lebens und den des Todes. Aus der zynischen Komödie Karel Capeks schuf Janácek ein ernstes, ja philosophisches Drama mit kantigen, scharfen Tönen und einem feierlichen Finale. Und mit großer Empathie für die Hauptfigur: „Ich mache sie wärmer, damit die Leute mit ihr Mitleid haben. Ich werde mich noch in sie verlieben.“

    Vorverkauf ab Samstag, 7. März, Tel. (0 97 21) 51 49 55 oder 5 10 – oder Internet: www.theater-schweinfurt.de

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    Bearbeitet von Kirsten Mittelsteiner

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