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    Grettstadt

    Vom Wirtschaftswald zum reinen Ökoforst?

    "Das Klima macht das eine, das Ungeziefer das andere", formulierte Bürgermeister Ewald Vögler im Gemeinderat beim Tagesordnungspunkt "Holzpreise". Die bleiben in der Saison 2019/20 unverändert. Etwas verringert werden soll der Einschlag, von 1800 auf 1500 Festmeter.

    Nicht nur in New York, auch in Grettstadt sorgt der Klimawandel für Verunsicherung, ebenso die rasante Vermehrung wärmeliebender Schadinsekten (Stichwort: Schwammspinner). "Jetzt wird schon die Buche in Frage gestellt", stellte Ewald Vögler fest. "Wir müssen davon weg, dass wir im Wald Zahlen schreiben, die wir die letzten 20 Jahre geschrieben haben", meinte der Rathauschef, der die Entwicklung letztlich als unberechenbar ansieht. Es würden hierzulande schon libanesische Zedern gepflanzt. In 20 Jahren könnten Bäume wachsen, von denen man heute noch gar nicht wisse, dass es sie gibt. Letztlich habe man in Grettstadt schon frühzeitig reagiert und unter anderem den besonders gefährdeten Nadelbaum-Anteil zurückgefahren.

    Günter Birkner gehen die Maßnahmen nicht weit genug. In Abwesenheit ließ er von Gemeinderats-Kollegin Ruth Volz einen Brief verlesen, in dem er forderte, den Wald künftig nicht mehr als Wirtschaftswald, sondern als ökologischen Faktor zu sehen. Die Rolle als Sauerstoffspender und CO2-Reduzierer müsse künftig im Vordergrund stehen, mittels Naturverjüngung. Die Einnahmequelle sei für die Gemeinde minimal. Entsprechend solle der Einschlag alter, gesunder Bäume auf ein Minimum zurückgefahren und ansonsten nur noch kranker Baumbestand entfernt werden. Untermauert wurde diese Forderung mit Zahlen, die nun erst einmal den Gemeinderäten zugemailt werden.

    Ewald Vögler hörte die Botschaft wohl, wollte das Thema aber komplexer fassen: "Unser Wald war nie ein Wirtschaftswald." Man habe schon jetzt vier Festmeter Baum-Nachwuchs pro Hektar, während man zwei Festmeter ernte. Und wenn man nicht die hohen, oben "dichtmachenden" Bäume fälle, komme unten nichts mehr nach. Die Birkner-Forderung soll im Gremium noch diskutiert werden.  

    Um das Thema Ökologie und Klimaschutz versus Realpolitik ging es auch bei der Steigerwald-Bahn. Vögler präsentierte vorab einen Artikel, der in dieser Zeitung erschien. Demnach fordert der Freistaat als Bedingung für eine Unterstützung den Konsens vor Ort, mindestens tausend Mitreisende pro Werktag sowie eine Kostenübernahme allein durch einen Betreiber. "Die Bahn ist mittlerweile vollpolitisch", warnte Vögler vor unberechenbaren Entwicklungen. Er möchte mit den Bürgermeister-Kollegen, die das Projekt ebenfalls ablehnen, auf eine Entscheidung drängen. Welcher Privateigner wolle allein die enormen Kosten stemmen, ohne Beteiligung des Freistaats: "Zum Schluss sind wir im Boot und der Landkreis."

    Wenn eine Gemeinde das Projekt nicht wolle, dürften andere nicht für sie entscheiden, fand auch Bernhard Wolf. Für Andre Müller wäre die Bahn im Betrieb nicht wirklich ökologisch. Wolfgang Eller warnte davor, in solchen Fällen allein auf Anlieger zu hören: "Dann würde in Deutschland nichts mehr passieren."

    Am Montag, 19 Uhr, wird es im Gasthaus Straub eine CSU-Infoveranstaltung geben mit Innenstaatssekretär Gerhard Eck sowie einem Vertreter des bayerischen Verkehrsministeriums. Eine Anmeldung ist erforderlich.

    Als "Riesen-Umweltsauerei" sieht die Gemeinde die wilde Ablagerung einer großen Menge Asbest-Platten an der Autobahnbrücke bei Untereuerheim. Der öffentlichen Hand sind Kosten von bis zu 1500 Euro entstanden. "Wir sind dankbar für jeden Hinweis", so Vögler.

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