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    ALITZHEIM

    Von Geisterfahrern und verirrten Sattelzügen

    Lärmbelästigungen, akute Gefahren für Fußgänger, verirrte 40-Tonner und Geisterfahrer – die Palette der Probleme, die durch den derzeitigen Umleitungsverkehr von der gesperrten B 286 in Alitzheim und Sulzheim aufschlägt, ist umfangreich. Der Gemeinderat beschäftigte sich Anfang der Woche bereits mit dem Thema. Man hofft jetzt auf kurzfristige Hilfe und Nachbesserungen von den Behörden. Am kommenden Dienstagnachmittag findet ein Ortstermin der Experten statt.

    Problemschwerpunkt 1: Insbesondere um den Schwerlastverkehr von der B 286 auf der Umleitungsstrecke in Nord-Süd-Richtung möglichst unfallfrei aufnehmen zu können, wurde die Straße von Herlheim nach Alitzheim als Einbahnstraße ausgewiesen. Denn im Bereich der Allee bei Herlheim ist es sehr schwierig, dass zwei 40-Tonner im Gegenverkehr aneinander vorbei kommen. In Richtung Herlheim ist gesperrt, die Absperrung steht in Alitzheim kurz nach dem Friedhof direkt vor der Schnellstraßenbrücke. Die Einbahnstraßenregelung bedeutet aber auch: Wer derzeit von Alitzheim in Richtung Herlheim und Umgebung will, muss große Umwege in Kauf nehmen. Oder er ist in der Einbahnstraße als Geisterfahrer unterwegs.

    Bauern wurden nicht gefragt

    In der Sulzheimer Gemeinderatssitzung meldete sich der Alitzheimer Gebhard Büttner als Zuhörer zu Wort und kritisierte diese Einbahnregelung. Er sei der örtliche Obmann des Bauernverbands. Die Landwirte seien im Vorfeld der Umleitung überhaupt nicht gefragt worden, monierte Büttner. Einige Bauern hätten aber ihre Äcker westlich der Schnellstraßen-Trasse. Doch nun sei die Unterführung gesperrt. „Soll ich jetzt über Gerolzhofen zu meinem Acker fahren?“, fragte er.

    Dass das Durchfahrtsverbot an der Schnellstraßenbrücke einige Zeitgenossen herzlich wenig interessiert, wird derzeit auch im Internet in Facebook thematisiert. „Da kommen einem ständig Geisterfahrer entgegen“, berichtet beispielsweise ein junger Mann. Es gebe mindestens 20 bis 30 Fälle am Tag, wird kolportiert. Die Gerolzhöfer Polizei sei zwar informiert, könne sich aber auch nicht den ganzen Tag hinstellen, um die Regelung zu überwachen.

    Zu den „Geisterfahrern“ gehören, wie am Mittwochnachmittag vor Ort zu beobachten war, auch Landwirte, die die gesperrte Brücke zwar meiden und dafür den Feldweg an der Eisenbahn-Unterführung Richtung Hörnau benutzen, dann aber über Flurwege auf die Kreisstraße zurückkehren und dort bis zum nächsten abzweigenden Feldweg in Richtung Herlheim fahren.

    Navi statt Beschilderung

    Problemschwerpunkt 2: Es gibt immer wieder (ausländische) Lkw-Fahrer, die bei Alitzheim von der B 286 abgeleitet wurden, dann aber nicht der ausgeschilderten Umleitungsstrecke nach Sulzheim und Grettstadt folgen, sondern versuchen, gleich durch Alitzheim nach Herlheim zu fahren – und dies, obwohl die Beschilderung eindeutig ist und hier ausdrücklich auch geschrieben steht, dass die Durchfahrt nach Herlheim gesperrt ist. Aber: Die Navigationssysteme zeigen diese Strecke nach Herlheim als schnellste Verbindung zur nächsten B 286-Auffahrt bei Unterspiesheim an. Und wen interessiert schon eine Beschilderung, wenn man ein Navi hat . . .

    Parkplatz beschädigt

    Die Folge: Regelmäßig stehen die 40-Tonner auf der Straße Richtung Herlheim an der Brücke vor der Straßensperrung – und suchen an der schmalen Straße nach einer Wendemöglichkeit. Da ist es naheliegend, dass sie sich für den benachbarten Parkplatz der DJK-Halle entscheiden. Die Zufahrt zum Parkplatz und die dortigen Schotterwege sind dadurch bereits stark geschädigt, wie Fotos beweisen, die der Alitzheimer Feuerwehrkommandant Gerald Mikus als Beweissicherung gemacht hat. In der jüngsten Sitzung des Gemeinderates wurde bereits die Frage aufgeworfen, wer die Kosten für die Reparatur der Flächen übernehmen wird.

    Problemschwerpunkt 3: Zu Beginn der Umleitung gab es skurrile Szenen auch direkt in der Dorfmitte von Alitzheim. Von Herlheim kommende Lkw-Fahrer bogen vor dem ehemaligen Gasthof Grob richtigerweise nach rechts in Richtung Gerolzhofen ab, verpassten es dann aber, nach wenigen Metern wieder nach links abzubiegen. Sie fuhren geradeaus. Die Folge: Plötzlich standen Sattelzüge auf dem Dorfplatz vor der Kirche und unternahmen den untauglichen Versuch, über die Kirchgasse das Dorf zu verlassen. Die Kirchgasse ist aber eine Sackgasse und geht nur in den Radweg nach Gerolzhofen über.

    Man habe ständig das Piepen der Rückfahrwarner gehört, als die bedauernswerten ortsunkundigen Fernfahrer versuchten, ihre großen Gefährte rückwärts aus der Kirchgasse zu manövrieren, berichtet Feuerwehrkommandant Gerald Mikus. Die schwarzen Reifenspuren der Sattelauflieger und zerdrückte Grünanlagen am Dorfplatz erinnern noch daran.

    Dorfplatz gesperrt

    Inzwischen hat das Staatliche Bauamt Schweinfurt nach entsprechenden Beschwerden reagiert. Die enge Rechts-Links-Kombination am alten Gasthaus Grob ist jetzt in beide Richtungen gesperrt. Nur Anlieger und die Linienbusse dürfen noch rein in die Dorfmitte. Seit dem ist kein Lkw-Fahrer mehr in die Mausefalle am Dorfplatz geraten.

    Problemschwerpunkt 4 ist der Lärm. Die Anwohner an den Umleitungsstrecken in Alitzheim und Sulzheim leiden insbesondere nachts stark unter dem Verkehrslärm, machte in der Sitzung der als Zuhörer gekommene Gebhard Büttner deutlich. Die Situation wird in der Sulzheimer Ortsmitte noch verstärkt, weil hier der Straßenbelag in einem recht schlechten Zustand ist. Jede Unebenheit, jede Rille und jedes Schlagloch führt gerade bei den nicht beladenen Lastwagen dann zu lauten Schlägen.

    Hindernisse sind kontraproduktiv

    Eine Abhilfe, abgesehen von einem Tempolimit von 30 km/h, ist hier nicht in Sicht. Auch das Abstellen von landwirtschaftlichen Anhängern am Straßenrand bringt nichts. Diese Art eines gleichsam „passiven Widerstands“ wurde in der Vergangenheit von Anliegern zum Beispiel in Mutzenroth schon einmal erprobt, als die dritte Spur an der B 286 auf Höhe von Schallfeld gebaut und der Umleitungsverkehr deshalb durch die Gemeindeteile von Oberschwarzach geführt wurde. Das Bremsen und erneute Anfahren der Sattelzüge an den Verkehrshindernissen war letztlich lauter, als wenn die Lkw ohne Behinderung durch die Dörfer gerollt wären.

    Problemschwerpunkt 5: Wenn nächste Woche die Schule wieder beginnt, dann ist die derzeit sehr stark befahrene Wilhelm-Behr-Straße, die Ortsdurchfahrt von Sulzheim, ein erheblicher Gefahrenpunkt. Denn viele Schulkinder müssen mitten im Ort die Straße überqueren, um zur Grundschule zu kommen. Bislang gibt es dort für die Kleinen noch keine Querungshilfe. Gleiches gilt natürlich aber auch für ältere oder gehbehinderte Menschen.

    Gefahren für Schulkinder

    Mehrere Gemeinderäte forderten in der jüngsten Sitzung Bürgermeister Jürgen Schwab auf, hier schnellstmöglich tätig zu werden, um mit dem Staatlichen Bauamt Schweinfurt eine Lösung zu finden. Mehrere Lösungsmöglichkeiten sind denkbar: Da wäre zunächst eine Tempo 30-Regelung innerorts. Ins Gespräch gebracht wurde auch der kurzfristige Aufbau einer mobilen Querungshilfe mit einer kleinen Insel inmitten der Fahrbahn. Denkbar wäre auch das Aufstellen einer mobilen Fußgängerampel mit Drückfunktion. Und vielleicht sollte man auf die Schnelle einen Schülerlotsendienst durch Eltern organisieren, um die Kinder sicher über die Straße zu bringen.

    Für kommenden Dienstag, 11. September, hat Bürgermeister Jürgen Schwab nun einen Ortstermin organisiert. Um 13.30 Uhr werden sich am Sulzheimer Rathaus Vertreter des Staatlichen Bauamtes, des Landratsamtes Schweinfurt, der Verwaltungsgemeinschaft Gerolzhofen und der Polizeiinspektion Gerolzhofen treffen, um nach Lösungsmöglichkeiten für einen möglichst sicheren Übergang der Schulkinder zu suchen.

    Die Umleitungsstrecken

    Für den Anbau eines Überholfahrstreifens auf der Bundesstraße B 286 zwischen der Anschlussstellen Unterspiesheim und Alitzheim wurde es notwendig, die Bundesstraße für den Verkehr komplett zu sperren. Diese Vollsperrung endet laut Staatlichem Bauamt Schweinfurt voraussichtlich am Freitag, 7. Dezember 2018, um 13 Uhr.

    Der aus Richtung Schweinfurt kommende Verkehr wird an der Anschlussstelle Unterspiesheim von der Bundesstraße abgeleitet und muss über die Staatsstraße 2271 auf die Kreisstraße SW 42 fahren. Er folgt der Umleitung durch Unter- und Oberspiesheim, fährt in Herlheim nach links auf die SW 40 als Einbahnstraße weiter nach Alitzheim, wo er über die Staatsstraße 2272 wieder auf die B 286 auffahren kann.

    Der Verkehr aus Richtung Gerolzhofen muss bei der Anschlussstelle Alitzheim von der Bundesstraße abfahren und wird auf der Staatsstraße 2272 über Sulzheim und Grettstadt geführt, von wo es über Schwebheim wieder zurück auf die B 286 geht.

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