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    Schweinfurt

    Von Stadtentwicklung und dunklen Wäldern

    So voll wie bei der dritten und letzten Podiumsdiskussion zum Bürgerentscheid am 20. Januar, bei dem die Schweinfurter entscheiden, ob sie einenStadtwaldoder einenBürgerpark mit Landesgartenschauauf dem Konversionsgelände in den Ledward-Kasernen und auf dem Kessler Field wollen, ist die Rathausdiele bei Bürgerversammlungen nie: Rund 150 Gäste waren da, gleichwohl ein Großteil aus dem Stadtrat und viele Bürger, die schon bei der Infoveranstaltung der Linken am Mittwoch anwesend waren und die selben Beiträge brachten.

    Nichts desto trotz konnte man sich durch zwei Präsentationen von Baureferent Ralf Brettin über die städtischen Pläne für einen Bürgerpark mit Landesgartenschau und Ulrike Schneider über die Pläne für einen Stadtwald ein gutes Bild machen. Die Stadtverwaltung, Initiator dieser Veranstaltung und von der Bürgerinitiative pro Stadtwald in den vergangenen Wochen mehrfach scharf kritisiert, sie würde nicht neutral informieren, bemühte sich, beiden Seiten ausreichend Gehör zu verschaffen. Dennoch wurde klar, dass das persönliche Verhältnis zwischen Stadträtin Ulrike Schneider (Freie Wähler/Schweinfurter Liste) und Oberbürgermeister Sebastian Remelé (CSU) den winterlichen Temperaturen entsprechend mit frostig noch höflich umschrieben ist.

    In ihren gleichlangen Präsentationen hoben Ralf Brettin und Ulrike Schneider jeweils die eigenen Schwerpunkte heraus. Brettin und später auch der OB betonten den Aspekt der Stadtentwicklung und der Nachhaltigkeit. "Ein Wald ist nichts, was verbindet, da kann man zu sich finden", so Remelé, der im Gegensatz dazu den Bürgerpark als Generationen verbindend für das neue Stadtquartier sieht und die Landesgartenschau als Hebel, um mehr Zuschüsse zu bekommen auch für andere korrespondierende Projekte. "Es geht um uns, um unsere Stadt und wie wir sie im 21. Jahrhundert entwickeln wollen", betonte der OB und verwies darauf, dass man sich in starkem Wettbewerb mit anderen Regionen um Arbeitnehmer befände, denen es wichtig sei, wie das Umfeld ist, in dem sie leben. Eine Landesgartenschau, so der OB, "ist eine Chance, Schweinfurt weiterzuentwickeln als einen Ort, in dem man gerne lebt".

    Klimaschutz als Herzensangelegenheit 

    Das ist genauso das Ziel von Ulrike Schneider und ihren Mitstreitern in der Bürgerinitiative, von denen ödp-Mitglied Stefan Bretscher mit auf dem Podium saß. Allerdings verfolgen sie einen völlig anderen Ansatz: #wir sind vernünftig, das war der Slogan von Schneider als Widerspruch zu der Werbebroschüre der Stadt, auf der #wir sind landesgartenschau zu lesen ist. Schneider kämpfte argumentativ für ihre Idee eines Stadtwaldes, der für Jung und Alt da sei als Ort der Begegnung mit Wegen, Lichtungen, Hecken und Sitzbänken.

    Vor allem die Finanzplanung für die Landesgartenschau kritisieren die Stadtwald-Befürworter. Sie befürchten, dass wie in Würzburg ein Millionen-Minus droht, weil die Zahl der Besuche mit 750 000 viel zu hoch geschätzt sei. Ein Herzensanliegen ist der Klimaschutz: "Wir brauchen nachhaltiges Handeln auch auf lokaler Ebene", zitierte Schneider Ernst Ulrich von Weizsäcker. Ein Stadtwald sei perfekt, um das städtische Klima zu verbessern und im Vergleich zu einer Landesgartenschau mit 100 000 Euro nach Abzug der Förderung viel billiger. Mit dem gesparten Geld könne man nachhaltige Klimaschutz-Konzepte in der Stadt angehen, zum Beispiel eine Solar-Anlagen-Offensive.

    Zu viele Diskussionsteilnehmer

    Das Podium war von Seiten der Stadtverwaltung bunt gemischt besetzt worden, um möglichst viele Aspekte beleuchten zu können. Gut gemeint, doch leider schweifte die Diskussion allzu oft zu Problemen bei der Landesgartenschau 2018 in Würzburg oder der in Deggendorf 2014 ab - wenig zielführend, da die Verhältnisse nicht vergleichbar sind mit denen Schweinfurts. Der Unmut mancher Besucher darüber war zu spüren.

    Bei den Bürgerfragen ging es um altbekannte Themen wie die Frage, wie schnell nun der Stadtwald wachsen und zum Wald werden würde - leider brachte auch der städtische Förster Andreas Hummel kein Licht ins Dunkel, da es zu viele verschiedene Rahmenbedingungen gibt, die eine pauschal gültige Aussage verhindern. Ein Thema, das auch bei der Diskussion der Linken von Bürgerinnen angesprochen worden war, ist der Sicherheitsaspekt. Ein Mann stellte sich den geplanten Wald als "dunkel und grausam vor", befürchtete, dass man dort sich nachts lieber nicht aufhalten sollte.

    Der OB erklärte, er sei mehrfach auf das Thema Sicherheit im Wald angesprochen worden, auch von der Gewerkschaft der Polizei - in einem weitläufig angelegten Bürgerpark sei das anders. Dafür erntete er heftigen Widerspruch. Stefan Bretscher erklärte, der Stadtwald sei mitnichten dunkel, dafür sorge schon der zehn Meter breite Weg über der Fernwärmeleitung, der eine weitläufige Sichtachse schaffe. Über die Frage, wie breit nun wirklich der Weg über der Fernwärmeleitung - zehn Meter laut Bürgerinitiative, 20 laut Stadtverwaltung - sein muss, wurde ebenfalls gestritten.

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