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    Schwebheim

    Von der Briefmarke bis zur Grenzanlage

    Grenzer aus der Bundesrepublik und der ehemaligen DDR stehen sich am Erntedankfest in den Schlossscheunen gegenüber. Foto: Ursula Lux

    Wieder einmal ziehen beim Ortsgeschichtlichen Arbeitskreis alle an einem Strang, um die Sonderausstellung für das Erntedankfest vorzubereiten. Das Team der Ortsgeschichtlichen Sammlung hat schon Übung darin mit dem eigenen Engagement möglichst viele anzustecken und wenigstens punktuell zum Mittun zu bewegen.

    Das ganze Jahr schon beschäftigt sich der Ortsgeschichtliche Arbeitskreis mit den Ereignissen um Grenzöffnung und Mauerfall und so ist es nur folgerichtig, dass der Bauhof fürs Erntedankfest einen Schlagbaum vor den Eingang der Ortsscheunen baut, die Volkhochschule ihre Infotafeln "Der Weg zur deutschen Einheit" ausleiht oder Kathleen Fritz unter anderem ihr Halstuch vom achten Pioniertreffen in Karl-Marx-Stadt zur Verfügung stellt. In Ostheim in der Rhön erstand der Verein eine echte Uniform eines DDR-Grenzsoldaten. Das bundesdeutsche Pendant zur DDR Grenzstation steht gegenüber. Uniform und Exponate stammen aus dem Bundespolizeiaus- und -fortbildungszentrum Oerlenbach, wo ehedem der Bundesgrenzschutz untergebracht war.

    Gerald Knaup hat eine ganze Modellbaustrecke entworfen, sie führt von Mellrichstadt über die innerdeutsche Grenze ins Niemandsland wo DDR-Grenzer und russische Panzer patrouillierten. Münzen und Ersttagsbriefe aus der Zeit der Wiedervereinigung trägt die Vorsitzende Britta Ritter bei. Sogar Gerichtsakten über einen Bernd Geis, der wegen "gewaltsamen Grenzdurchbruchs" verurteilt wurde, sind ausgestellt. Briefmarken aus der DDR sind ebenso vertreten wie Ostprodukte, die noch heute im Handel sind. Das Tüpfelchen auf dem I soll ein echter Trabi werden, den Frank Böhm besorgen will.

    Anlässlich des Erntedankfestes macht das Team von Ortsgeschichtlichen Arbeitskreis so ein Stück Geschichte erlebbar, eine Geschichte, an die sich Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene schon gar nicht mehr erinnern können. Viele Ältere aber werden die Ereignisse von 1989 und 1990 wieder leibhaftig vor Augen geführt. Von der friedlichen Revolution in der DDR, dem Mauerfall, der Grenzöffnung bis zur Wiedervereinigung, gibt viel zu entdecken in der 14. Sonderausstellung  "Auf dem Weg zur Deutschen Einheit". So zeigen Schautafeln beispielsweise auch, was sich die DDR die Grenzsicherung kosten ließ.

    Ein Kilometer Sperranlage kostete beispielsweise 335 000 MD (Mark der DDR), eine solche Sperranlage hat das Team nachgebaut. Ein Kilometer Grenzmauer aus Stahlbeton schlug mit 613 700 MD zu Buche.

    Noch während das Scheunenteam kräftig Hand anlagt um die Exponate, Modelle Collagen Schautafeln und Originaldokumente anschaulich zu präsentieren, denken Ritter und der Ehrenvorsitzende Günther Birkle schon weiter. Am 18. November laden sie im Rahmen der Veranstaltung "In Erinnerungen schwelgen" Zeitzeugen ein, darunter Besucher aus Parchim, der Partnergemeinde, einen Republikflüchtling, der in der DDR im Gefängnis saß und heute in der Gemeinde lebt und viele mehr. Zunächst aber wird die deutsch deutsche Geschichte am Erntedankfest, 29. September von 14 bis 18 Uhr in den Schlossscheunen sichtbar gemacht.

    Der Ehrenvorsitzende des Ortsgeschichtlichen Arbeitskreises, Günther Birkle, schlüpft in der Rolle des DDR Grenzsoldaten. Foto: Ursula Lux

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