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    Gerolzhofen

    Von der Formensprache der Frühgotik

    Museumsleiter Klaus Vogt konnte am Donnerstagabend in der Johanniskapelle die Leiterin der Kunsthalle Schweinfurt, Andrea Brandl, begrüßen, die den "Eisenschädel" von Norbert Kleinlein momentan als Leihgabe zur Verfügung stellt. Foto: Beate Glotzmann

    In diesem Jahr beteiligt sich das Museum "Kunst und Geist der Gotik" in der Johanniskapelle erstmals am Tauschprojekt "Kunst geht fremd". 15 unterfränkische Museen nehmen daran teil. Die Kunsthalle aus Schweinfurt hat für Gerolzhofen einen "Eisenschädel" des renommierten zeitgenössischen Künstlers Norbert Kleinlein zur Verfügung gestellt. Am Donnerstagabend stellte Andreas Brandl, die Leiterin der Kunsthalle, das Kunstwerk vor und verortete es in die umgebenden gotischen Kunstwerke.

    Die Johanniskapelle sei eines der schönsten Museen in ganz Franken, sagte Brandl, weil es hier in beeindruckender Art und Weise gelungen sei, die herausragenden Kunstwerke der Gotik mit gotischer Architektur verschmelzen zu lassen. Die Resonanz auf museale Präsentationen gehe weltweit zurück, es werde für Museen immer schwieriger, die Bevölkerung anzusprechen. Auch aus diesem Grund sei "Kunst geht fremd" ins Leben gerufen worden als letztlich erfolgreicher Versuch, gemeinsam und gegenseitig Werbung für die Häuser zu machen.

    Formschaffen der Antike

    In ihrem interessanten Powerpoint-Vortrag sah Andrea Brandl eine offenkundige Verbindung zwischen den Kunstwerken der Gotik und moderner Plastik. "Die zeitgenössische Plastik greift auf die Formensprache der Frühgotik zurück." Zentraler Ausgangspunkt der frühgotischen Plastik ist die Kathedrale im französischen Reims. Die dort aus der Römerzeit überkommenen zahlreich vorhandenen Grabplastiken hätten die gotischen Künstler inspiriert. "Das Formschaffen der Antike wurde damals wiederentdeckt." 

    Der Stil der um 1220 in Reims entstandenen Großplastiken habe sich dann überraschend schnell - wohl unter dem Einfluss der Zisterzienser - über Straßburg bis nach Bamberg verbreitet, wo etwa ab dem Jahr 1230 am Dom Figuren entstanden, die auffallende Ähnlichkeiten mit Werken an der Kathedrale in Frankreich haben. Die Gestaltung der Figuren mit Spielbein/Standbein, das Herausstreben der Körper aus dem schweren Tuch, das Loslösen der lockigen Haarpracht vom Kopf und der Effekt des nassen Gewands, der mit den Formen des weiblichen Körpers spielt, seien römische Zitate, die in Reims und dann auch in Bamberg zur Vollendung gebracht wurden.

    Verblüffende Ähnlichkeit

    Die Figur des überirdischen Königs Philippe Auguste in Reims hat eine wirklich verblüffende Ähnlichkeit mit dem so genannten "Bamberger Reiter". Und die Eva aus Reims ist das Vorbild für die allegorischen Darstellungen der Ecclesia und der Synagoga im Bamberger Dom. Auch die Tumba des Papstgrabes von Clemens II. im Westchor des Doms zeigt mit ihren Darstellungen der vier Kardinalstugenden unstrittig römische Anklänge.

    Ein weiteres herausragendes Beispiel der engen Verbindung zwischen Frankreich und Franken und der damals neuen Stilelemente der Bildhauerei stellt das Mitte des 13. Jahrhunderts entstandene Hochgrab der Stifter des Zisterzienserinnenklosters Frauenroth (Lkr. Bad Kissingen), Otto von Botenlauben und seiner Frau Beatrix von Burgund, dar. Mutmaßlich hat die aus Frankreich stammende Beatrix kurz nach dem Tod ihres Gatten 1245 einen Bildhauer ihrer Heimat mit hohen handwerklichen Fertigkeiten und herausragender künstlerischer Qualität mit dem Werk beauftragt.

    Spannender Abschluss des Vortrags von Andrea Brandl war dann die gemeinsame Suche nach Anklängen und Stilelementen des frühgotischen Stils an den, meist aus der Spätgotik stammenden, Plastiken der Dauerausstellung in der Johanniskapelle. Man fand sie reichlich.

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