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    Kronungen

    Von der Großstadt aufs Dorf: Ingenieur baut altes Haus neu auf

    16 Jahre arbeitete Steffen Reuscher als Ingenieur in München und Nürnberg. Dann kehrte er zurück nach Kronungen. Und nahm sich eine Auszeit für ein handwerkliches Projekt.
    Die rechte Hälfte dieses 180 Jahre alten Hauses in der Schlossgasse in Kronungen hat Steffen Reuscher in Eigenregie saniert. Foto: Silvia Eidel

    Von außen verrät das stattliche 180 Jahre alte Haus mit den Rundbogenfenstern und dem Holztor nichts davon, dass sich dahinter modernes Wohnen verbirgt. Dafür gesorgt hat Steffen Reuscher, der aus der Großstadt zurück in sein Heimatdorf Kronungen kam und in dreijähriger Auszeit vom Arbeitsalltag seinen Wohn-Traum kreierte.

    Die letzten Kühe sind längst aus diesem Hof in der Schlossgasse verschwunden. Nach Landwirtschaft sieht das herrschaftliche Haus von der Straße her auch gar nicht aus. "Das hatte ein Steinbruchbesitzer 1838 hier gebaut", weiß Steffen Reuscher, bevor seine Vorfahren das Anwesen erwarben. Nichts deutet darauf hin, dass die rechte Haushälfte neben der Hofdurchfahrt, dem sogenannten Schwibbogen, vor drei Jahren völlig entkernt und innen neu aufgebaut wurde.

    Hausherr Steffen Reuscher öffnet sein Hoftor. Foto: Silvia Eidel

    Das war die Zeit, als Steffen Reuscher zurückkehrte. In München und Nürnberg hatte der Wirtschaftsingenieur 16 Jahre gearbeitet, in Fürth ein Haus besessen. Als seine Firma 2015/2016 Stellen einsparen musste und ihm einen finanziell interessanten Aufhebungsvertrag anbot, griff der damals 44-Jährige zu. Ihn reizte die Idee, eine berufliche Auszeit zu nehmen und die alte Haushälfte seiner verstorbenen Großeltern zu sanieren, wieder Leben hineinzubringen. Eigenhändig wollte er es schaffen, zumal der gelernte Elektroniker handwerklich geschickt ist.

    Seine Eltern bewohnten alleine die linke Haushälfte, seine Brüder lebten weit weg. Reuscher entschloss sich, das Anwesen zu übernehmen, verkaufte sein Haus und sagte dem Schreibtisch "Ade". "Ich hatte richtig Lust darauf, kreativ zu sein und meine Ideen selbst umzusetzen." Er erstellte einen Finanzplan, der am Ende auch eingehalten wurde.

    Anfang 2016 entkernte er mit Hilfe der Eltern das Wohnhaus. "60 Tonnen Lehm, Stroh und Stickhölzer mussten entsorgt werden", erzählt Vater Manfred Reuscher. Fachwerkbalken und Sandsteine hob der Sohn sorgsam auf, zur Wiederverwendung.

    Innen entkernte der Bauherr sein Haus, hier setzt der Zimmermann die Zwischendecke neu ein. Foto: Silvia Eidel

    Als Mitte des Jahres der Zimmermann die neuen Zwischendecken und den Dachstuhl aufstellte, ging Steffen Reuscher in seine kreative Auszeit. Die begann damit, dass er sich im hinteren Teil der Scheune eine Werkstatt einbaute. Denn er wollte die Möbel für sein Haus schreinern und den Innenausbau weitgehend selbst erledigen.

    Von Hof aus gesehen baute Steffen Reuscher die linke Haushälfte innen komplett neu auf. Zwei Wohnungen hat er dort eingerichtet. Foto: Silvia Eidel

    Ziel war, viel Licht und Luft in die beiden neuen Wohneinheiten zu lassen, im Erdgeschoss 44 Quadratmeter, im Ober- mit Dachgeschoss 75 Quadratmeter. Zuvor hatte ein Treppenhaus Richtung Hof einen Großteil der Südseite des Gebäudes beansprucht. Jetzt wurden die Fenster zum Hof auf Raumhöhe erweitert und eine große Dachgaube eingesetzt. Nötig waren auch neue Versorgungsleitungen. Im Gewölbekeller unter dem Haus fand die Heiztechnik Platz.

    Freigelegte Sandsteinwände erzählen die Hausgeschichte

    In der kleinen, vermieteten Erdgeschosswohnung, wurde die Hausgeschichte durch freigelegte Teile der Sandsteinwände präsent. Als Clou baute Reuscher eine Kücheninsel, in der ein Esstisch bei Bedarf platzsparend verschwinden kann. Hinter einem Raumteilerschrank hat der Hobbyschreiner eine Schlafnische platziert. Ein begehbarer Kleiderschrank ist unter der Treppe entstanden, die außerhalb der Wohnung ins Obergeschoss führt.

    Möbel, Treppen oder Wandverkleidungen baute Steffen Reuscher in seiner Werkstatt selbst. Foto: Silvia Eidel
    Alte Geweihe kommen in dieser Nische zur Geltung. Foto: Silvia Eidel

    Jede Stufe hat der Kronunger dort aus alten, aufgesägten Eichenbalken gefertigt. Im weiß verputzten Aufgang hat er ein Stück Sandsteinwand sichtbar gelassen. Er verhalf auch einer alten bemalten Zimmerwand zu neuem Charme: Er baute einen Rahmen darum und brachte in der Nische alte Geweihe seines Großvaters originell zur Geltung.

    Die Wohnung im ersten Stock, die Reuscher jetzt bewohnt, besticht schon beim Öffnen durch Weite. Über die ganze Haustiefe erstreckt sich der weiße Raum für Kochen und Essen. Eine Wand aus alten Holzbalken, vor der eine Designer-Garderobe Jacken und Schuhe beherbergt, kontrastiert dazu. "Alles selbst gebaut", sagt der 47-Jährige stolz.

    Modern gestaltet ist der Raum für Essen und Kochen in der Wohnung im Obergeschoss. Foto: Silvia Eidel

    Natürlich ist auch die Kücheninsel von seinen Händen entstanden. Originell: Für die Arbeitsplatte baute er eine Form und goss sie mit der gleichen grauen Zementspachtelmasse aus, die auch als pflegeleichter Fußbodenbelag auf den Estrich aufgebracht worden war. Freigelegte Sandsteine an den ansonsten weißen Wänden verhelfen dem modernen Stil zu Aufmerksamkeit. Dazu passt auch die alte Holztreppe ins Dachgeschoss, die Reuscher versetzte, nachdem er sie von Lackschichten befreit und aufbereitet hatte.

    Eine Wand verkleidete der Hobbyschreiner mit alten aufgesägten Eichenbalken. Foto: Silvia Eidel
    Eigenhändig fertigte Steffen Reuscher die Treppenstufen ins Obergeschoss aus alten Eichenbalken. Foto: Silvia Eidel

    Oben wartet ein heller Wohnraum, der sich durch die bodentiefen Fenster der Dachgaube über die Dächer von Kronungen weitet. Selbst gebaute Einbauschränke und -regale an beiden Seiten des Raumes bieten Stauraum. Mit einer fahrbaren Treppe sind die Wandschränke unterhalb der Dachspitze erreichbar.

    Ein Medienschrank und ein Couchtisch aus Zedernholz sind im Wohnzimmer echte Hingucker. Auch sein Bett im Schlafzimmer hat der Hobbywerker selbst gebaut, ohne Schrauben, nur mit Schnurbändern gehalten. "Ich probiere halt gerne mal was Neues aus."

    Das gilt auch für seine aktuelle Suche einer neuen Arbeitsstelle. "Ideal wäre eine Mischung aus geistiger und praktischer Tätigkeit", meint Reuscher. Sein handwerkliches Geschick will er jedenfalls weiter nutzen: im Dorfgemeinschaftsverein, der die Sanierung des alten Kronunger Backhauses angeht.

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