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    WERNECK

    Von der Schlacht zur Versöhnung

    Wechselnde Beleuchtung unterstrich die Musik der Wernecker Bläserphilharmonie zum Thema Krieg und Frieden bei den beiden Dreikönigskonzerten. Foto: Silvia Eidel

    Zum Zeugen von Krieg und Frieden geriet das Publikum der beiden Dreikönigsfestkonzerte der Bläserphilharmonie Werneck. Es erlebte Kampf und Versöhnung, Hoffnung und Verzweiflung, Ordnung und Chaos. Ein eindrückliches, emotionales Musikerlebnis, das die Zuhörer berührte.

    Kein leichtes Motto hatten sich die 70 Laienmusiker des Blasorchesters unter der souveränen Leitung von Tanja Berthold für die zwei Traditionskonzerte in der Turnhalle der Mittelschule Werneck ausgewählt. Trotz des soeben erlebten Weihnachtsfriedens gehörten doch auch die täglichen Bilder in den Medien von Krieg, Zerstörung und Flucht zu unserem Leben, argumentierte Moderatorin Carolin Wech für das Rahmenthema „Krieg und Frieden“.

    Beide Gegenpole bestimmten das Programm, das selten gespielte, anspruchsvolle Stücke der Höchststufe beinhaltete. Dass die Wernecker Bläserphilharmoniker diese beherrschen, hatten sie im vergangenen Jahr wieder einmal bei erfolgreichen Wertungsspielen der höchsten Kategorie bewiesen, informierte eingangs die Vorsitzende des Musikvereins, Christina Engelmaier.

    Einmarsch mit Kerzen

    Mit dem Einmarsch der Musiker in die verdunkelte Halle, im militärischen Gleichschritt und mit Kerzen in den Händen, befanden sich die Zuhörer sofort mitten im Thema Krieg. Der Instrumentation mit Trommel, Flöten und Fanfaren war das nahende Unheil dabei schon anzuhören. Es war das französische Soldatenlied aus dem 15. Jahrhundert, „L‘ homme armé“, auf deutsch: der bewaffnete Mann, das das Anti-Kriegs-Opus „The Armed Man – A Mass for Peace“ eröffnete.

    Diese Messe für den Frieden hatte der walisische Komponist Karl Jenkins im Rahmen einer katholischen Messliturgie 1998/99 für die Opfer des Kosovo-Kriegs geschrieben. Fünf der 13 Sätze umrahmten das gesamte Dreikönigskonzert, reflektierten das Eintreten in den Krieg, seine Schlachten und die verheerenden Folgen. Trommelschläge und Trompetensignale spornten zu Kampf und Chaos an, Pauken und mächtiges Blech kündeten von Bomben und Zerstörung.

    Begleitet wurde die Klanggewalt von Bildern, die per Beamer über dem Orchester standen. Sie verdeutlichten Not und Elend, Flucht und Ohnmacht. Getragene, ruhige Klänge des „Benedictus“ und die Einsicht „Better is Peace“ – Frieden ist besser“ beendeten versöhnlich das besondere und eindringliche Anti-Kriegs-Stück. Durch alle Emotionen führte die musikalische Leiterin Tanja Berthold ihre Musiker mit sicherem Dirigat.

    Das verlangte auch Bert Appermonts Komposition „Rubicon“, ein dreiteiliges Werk über den gleichnamigen norditalienischen Fluss, den Julius Cäsar mit seiner Armee überquerte, gegen den Willen der Führer Roms und mit der Folge eines Bürgerkriegs gegen seinen Rivalen Pompeius.

    Wehmütiges „Dona tibi pacem“

    Vor den schmetternden Posaunen und Trompeten der „Schlacht von Pharsallus“ aber trug Solo-Sängerin Julia Leser in beeindruckender Weise Cäsars Bitte an die Götter vor. Ihr wehmütiges „Dona tibi pacem“ (Schenke dir Frieden) wiederholte sich nach dem Ende der Schlacht und fungierte als Versöhnung der beiden Soldatenheere. Eine besondere Herausforderung war es für die Bläserphilharmoniker, die musikalischen Themen beider Parteien bei der Schlacht sowohl abwechselnd als auch durcheinander zu spielen. Sie meisterten die Aufgabe mit Bravour.

    Dass Planeten als Überbringer von Gedanken und Gefühlen fungieren können, hat Gustav Holst in seinem gleichnamigen Werk realisiert. Wie großorchestrale Filmmusik erklang diese spätromantische Programmmusik. Sein „Mars“ als Kriegsbringer tobte mit gewaltigen, teilweise rhythmisierenden Blechklängen. So wie die Kriegsfarbe Rot dabei das Orchester in unheilvolles Licht tauchte, so grün kam danach „Jupiter“ als Bringer der Fröhlichkeit daher: als gelassener Hymnus und mit harmonischen, leichten Flöten.

    Die Ausgewogenheit des schweren Themas kam auch beim „Colonel Bogey March“, besser bekannt als „River Kwai Marsch“, zum Ausdruck, bei dem das Publikum zum Mitpfeifen aufgefordert war. Selbst die „Remembrance Hymn“ im Gedenken an die Millionen Toten des Ersten Weltkriegs bot neben martialischen Partien ruhige und ehrfurchtsvolle Klänge.

    „Imgagine“ als Zugabe

    Wirklich ergreifend war die von Otto Schwarz komponierte „Geschichte von Anne Frank“, dem deutschen Mädchen jüdischen Glaubens, das sich mit seiner Familie vor den Nazis in ein Amsterdamer Hinterhaus geflüchtet hatte. Stationen ihres Lebens, von der unbeschwerten Kindheit in Frankfurt, über den Wahlsieg der NSDAP, Hitlers Einmarsch in den Niederlanden, das Versteck, den Verrat, den Abtransport ins Konzentrationslager bis hin zum Grab der 15-Jährigen berührte über die Musik.

    Mit John Lennons „Imagine“ als Zugabe hatte das begeisterte Publikum noch nicht genug. Es erfüllte der Dirigentin Tanja Berthold den Wunsch, beim abschließenden „Dona nobis pacem“ gefühlvoll mitzusingen.

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