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    SCHWEINFURT

    Vor der Disco zwei gegen einen

    Der Alkohol und seine Folgen: In einer Schweinfurter Disco auf der Tanzfläche, Ende Januar dieses Jahres kurz nach 2 Uhr: Eine Schubserei ist im Gange. Warum überhaupt, wer angefangen hat – wie so oft lässt sich das nicht klären. Ein 19-Jähriger soll von hinten einen Faustschlag abbekommen haben, es kommt zu einer Schubserei zwischen zwei Brüderpaaren – und die Security-Leute schmeißen sie raus.

    Fußtritt – „wie bei einem Freistoß“

    Draußen geht's gleich weiter. Der 19-Jährige schlägt den 25-Jährigen Kontrahenten zu Boden und dann mit Fäusten auf ihn ein, während sein 26-jähriger Bruder dem am Boden liegenden ein- oder zweimal gegen den Kopf tritt. „Wie bei einem Freistoß“, gibt der Türsteher zu Protokoll.

    So war es wohl gewesen, lautet das Ergebnis nach zweistündiger Verhandlung vor dem Jugendrichter in Schweinfurt. Während der 26-Jährige über seinen Verteidiger ein paar Schläge und vielleicht auch ein oder zwei Tritte gegen den 25-Jährigen einräumt, streitet sein jüngerer Bruder schlicht ab, überhaupt schlägernd beteiligt gewesen zu sein. Genau das aber bezeugt der Türsteher, der das Geschehen vor der Disco im Blick hatte und eingriff.

    „Und draußen wird nachgekartet“

    Damit steht für Staatsanwalt und Gericht fest, dass die Brüder gemeinsam gegen den Kontrahenten vorgegangen sind – eine gefährliche Körperverletzung, die für Erwachsene mit Freiheitsstrafe geahndet wird. „Eine klassische Entstehungsgeschichte“, stellt der Jugendrichter am Ende fest: „Streit in der Disco, warum auch immer, und draußen wird nachgekartet. Da kriegt er noch eine eingeschenkt.“ Dass auf den am Boden Liegenden dann noch eingetreten wird, „dafür habe ich Null Verständnis“, sagt der Richter.

    Für den 26-Jährigen bedeutet das eine Freiheitsstrafe von neun Monaten auf Bewährung, die Auflage 1000 Euro an das Opfer quasi als Schadensersatz zu zahlen und 30 Stunden gemeinnützige Arbeit. So lautet das Urteil. Der Staatsanwalt hatte für den nicht Vorbestraften elf Monate auf Bewährung und 100 Arbeitsstunden gefordert. Der Verteidiger sah in der Aktion nur einen „minderschweren Fall“ und hielt fünf Monate auf Bewährung für ausreichend.

    Verwarnung und Geldauflage

    Weil der jüngere Bruder zur Tatzeit 19 war, wird Jugendstrafrecht angewendet. Gegen ihn spricht das Gericht eine Verwarnung aus plus eine Gelzahlung von 1200 Euro an das Opfer. Der Staatsanwalt hatte einen Freizeitarrest plus 1000 Euro Geldauflage als Anrechnung auf das Schmerzensgeld des 25-Jährigen gefordert. Dieser hatte bei der Attacke der beiden Brüder vor der Disco Prellungen am Sprunggelenk, der rechten Hand, am Unterkiefer und am Kopf erlitten.

    Gegen das Urteil sind die Rechtsmittel Berufung oder Revision möglich.

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