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    Schweinfurt

    Vorwurf der dreifachen Vergewaltigung: Freispruch wegen Zweifeln

    Vom Vorwurf der dreifachen Vergewaltigung gegen einen Sozialhilfeempfänger aus Bad Neustadt blieb nach zehn Verhandlungstagen nichts übrig. Das Landgericht Schweinfurt sprach ihn frei. Foto: Patty Varasano

    Zehn Tage hat die Große Strafkammer des Landgerichts verhandelt, viele Zeugen und zwei Sachverständige gehört. Am Montag wurden die Plädoyers gehalten und das Urteil gefällt. Das Gericht sprach den 39-jährigen Sozialhilfeempfänger aus Bad Neustadt vom Vorwurf der dreifachen Vergewaltigung einer 35-jährigen Mitbewohnerin frei, ebenso vom Vorwurf der Freiheitsberaubung und Nötigung. Schuldig sei er nur wegen einer Sachbeschädigung. Er hatte Ende Januar in seiner Wohnung ein Unterhemd angezündet und auf den PVC-Boden geworfen. Dafür verhängte die Kammer eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen à zehn Euro.

    Die Gerichtsvorsitzende sagte, bei der Kammer seien Zweifel geblieben, ob sie stattgefunden hätten. Körperverletzungen bei der 35-Jährigen wie ein Nasenbeinbruch oder Trommelfelleinriss seien zwar nachweisbar, nicht aber, ob der Angeklagte sie ihr zugefügt habe. Insbesondere seien die Angaben des mutmaßlichen Opfers "nicht konstant" und teils widersprüchlich gewesen.

    Unterhemd in Brand gesetzt

    Die Anklage ging von drei Vergewaltigungen aus. Einmal habe der Angeklagte der Mitbewohnerin dabei die scharfe Kante eines Beiles an den Hals gedrückt. Mehrfach habe er sie zudem geschlagen, sie gewürgt, ihr einmal dabei das Trommelfell verletzt sowie das Nasenbein gebrochen. Ferner habe er die Frau im Badezimmer eingesperrt und ihr Ende Januar per Handynachricht gedroht, er werde sie erstechen. Am gleichen Tag habe er sein Unterhemd in Brand gesetzt und den PVC-Boden ruiniert. 

    Die Staatsanwältin meinte, zwischen dem Angeklagten und der 35-Jährigen habe keine persönliche und keine sexuelle Partnerschaft bestanden. Sie habe nur bei ihm wohnen wollen. Er habe sie, die psychisch belastet und alkoholabhängig sei, in Abhängigkeit halten wollen. Dass sie trotz der Gewalt, die ihr angetan wurde, immer wieder zu ihm zurückgekommen sei, sei für viele unplausibel.  Sie komme aber aus einem "sozialen Randmilieu": psychisch beeinträchtigt, alkoholabhängig, ohne festen Wohnsitz.

    Staatsanwältin fordert über sieben Jahre Haft

    Der Psychologischen Sachverständigen zufolge sei die 35-Jährige bei ihren Aussagen zum Kerngeschehen glaubwürdig, eine der drei angeklagten Vergewaltigungen sei aber nicht beweisbar. Die Staatsanwältin forderte einen Schuldspruch wegen Vergewaltigung in zwei Fällen, Körperverletzung Freiheitsberaubung, Nötigung und Sachbeschädigung, Strafmaß: sieben Jahre und zwei Monate - plus Haftbefehl. Die U-Haft war ja während des Prozesses ausgesetzt worden.

    Offen monierte die Anklagevertreterin die Verhandlungsführung: "Der Vernehmungsdruck", der permanent auf die 35-Jährige ausgeübt worden sei, "ging über das erforderliche Maß deutlich hinaus." Von der ersten Minute an sei ihr "klar gemacht worden, dass man ihr nicht glaubt". Mit manchen Dingen müsse sich vielleicht "die nächste Instanz befassen". Ein Hinweis auf eine mögliche Revision, sollte der Angeklagte bezüglich des Vergewaltigungsvorwurfs freigesprochen werden. Die Nebenklagevertreterin schloss sich beim Strafmaß der Staatsanwältin an, forderte für ihre Mandantin Schadenersatz und ein fünfjähriges Kontaktverbot für den Angeklagten. 

    Verteidiger beantragen Freispruch

    Die beiden Verteidiger bestritten, dass es zwischen der Mitbewohnerin und dem Angeklagten keine Beziehung gegeben habe. Einvernehmliche sexuelle Kontakte habe es "unbestreitbar" gegeben. Die Frau habe massive Alkoholprobleme und viele Kontakte auch zu anderen Männern gehabt, die sie geschlagen hätten. Verletzungen könnten auch von anderen stammen.

    Vor allem: "Warum geht sie nicht weg von ihm, nachdem er sie mehrfach geschlagen und vergewaltigt hat?" Das sei nicht nachzuvollziehen, "unter keinem Gesichtspunkt". Die Verteidiger forderten Freispruch von den Vergewaltigungsvorwürfen. Zu verurteilen sei der Angeklagte lediglich wegen Freiheitsberaubung und Sachbeschädigung – zu einer Geldstrafe. Das Gericht sah am Ende nur die Sachbeschädigung als erwiesen an. Gegen das Urteil ist Revision möglich.

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