• aktualisiert:

    Schwanfeld

    Warum will niemand in Schwanfeld Bürgermeister werden?

    Wer will hier Bürgermeister werden? Noch sind die Lichter im Schwanfelder Rathaus nicht ausgegangen. Viel Zeit bleibt aber nicht mehr, um einen Kandidaten zu finden. Foto: Anand Anders

    Schon vor geraumer Zeit hat Bürgermeister Richard Köth seinen Gemeinderat informiert, dass er bei den Kommunalwahlen 2020 nicht mehr kandidieren wird. Aus Altersgründen. Am Ende der nächsten Wahlperiode wäre er 70 Jahre alt, deshalb will er Platz machen für einen Nachfolger. "Damit begann unser Problem", sagt Gemeinderat Thomas Lintl. Denn während sich in anderen Landkreisgemeinden die Kandidaten – teils auch mehrere – schon aus der Deckung gewagt haben, ist in Schwanfeld kein potenzieller Bürgermeister in Sicht. Bislang will niemand im 2000-Einwohner-Dorf Bürgermeister werden.  

    Jeder mögliche Kandidat wurde angesprochen, jeder hat abgelehnt. Auch der Aufruf im gemeindlichen Nachrichtenblatt, dem Kembachkurier, blieb wirkungslos. Kein einziger  Bewerber meldete sich. Inzwischen wird sogar per Facebook nach einem "Bürgermeisterkandidat(in)" gesucht. Bis heute keine Resonanz. 

    "Uns läuft die Zeit davon", sagt Gemeinderat Thomas Lintl, der mit Jutta Strobel, Kurt Eichelbrönner und Sebastian Endres die Kandidatensuche in die Hand genommen hat. Die Vier gehören zu den acht amtierenden Gemeinderäten, die mit anderen motivierten Bürgern auf der neuen "Schwanfelder Liste", ein Zusammenschluss der ehemaligen Listen CSU/BLS (Bürgerliste Schwanfeld) und FBS (Freie Bürger Schwanfeld), kandidieren. Und keiner von ihnen wünscht sich, ohne Bürgermeisterkandidaten in die Kommunalwahlen 2020 gehen zu müssen.

    "Casting" für die Bürgermeisterkandidaten

    Bis 23. Januar müssen die Wahlvorschläge bei der Gemeindeverwaltung eingereicht werden. Findet sich bis dahin kein Kandidat, bekommt Schwanfeld noch einmal einen Aufschub bis zum 30. Januar, informiert das Landratsamt als Rechtsaufsichtsbehörde. Gibt es dann immer noch niemanden, der Bürgermeister werden will, bekommen die Bürger am Tag der Wahl einen weißen Stimmzettel, auf dem sie selbst eine Person schreiben können. Wer mehr als die Hälfte der abgegebenen Stimmen erhält, ist Bürgermeister, sofern er die Wahl innerhalb von zwei Wochen annimmt. Tut er das nicht, gilt die Wahl als abgelehnt. Dann findet eine Neuwahl statt. Da Neuwahlen eine Fristvorlauf von mindestens 66 Tagen benötigen, so das Landratsamt, hätte Schwanfeld in diesem Fall am 1. Mai zwar einen Gemeinderat, aber keinen ersten Bürgermeister. Dann bleibt in allerletzter Konsequenz nur die Anwendung von Artikel 114 der Gemeindeordnung: Das Landratsamt bestellt einen Beauftragten, der die konstituierende Sitzung des Gemeinderates leitet, in der dann ein zweiter und gegebenenfalls ein dritter Bürgermeister gewählt werden, die bis zur Neuwahl die Amtsgeschäfte übernehmen. Würden sich auch diese nicht finden, so handelt im absoluten Notfall die Rechtsaufsichtsbehörde für die Gemeinde.

    Ein Albtraum für die Kandidaten der "Schwanfelder Liste". Soweit wollen sie es nicht kommen lassen, weshalb sie nun auch außerhalb der Gemeinde auf Kandidatensuche gehen. Als nächster Schritt ist eine Anzeige in überregionalen Printmedien geplant. In anderen Bundesländern seien solche "Stellenanzeigen" durchaus üblich, weiß Thomas Lintl. Je nachdem, wieviele Bewerber sich melden, wird es ein "Casting" geben. "Wir kaufen schließlich nicht die Katze im Sack." Welche Voraussetzungen soll denn der Wunschkandidat mitbringen? "Wir brauchen jemanden, der sich gerne für Schwanfeld engagiert", formuliert Jutta Strobl das Anforderungsprofil. Am besten wäre "eine Person, die das Geschäft kennt". Vielleicht ein Verwaltungsangestellter. "Wichtig ist, dass die Chemie stimmt", betont Sebastian Endres.

    Große Projekte warten auf den neuen Rathauschef

    Die Schwanfelder Bürgermeisterstelle könnte durchaus lukrativ sein. Derzeit ist der Bürgermeister zwar ein Ehrenbeamter, der eine monatliche Aufwandsentschädigung bekommt. Aber der Gemeinderat könnte auch bestimmen, dass der Bürgermeister ein Beamter auf Zeit sein soll. In der Facebook-Annonce hatte man schon darauf hingewiesen, dass dies möglich sei. Allerdings muss der Gemeinderat diese Entscheidung spätestens bis 90 Tage vor der Wahl getroffen haben. Sollte ein Auswärtiger anbeißen, geht es sowieso nur auf hauptamtlicher Basis, "da sind wir realistisch genug".

    In Schwanfeld stehen nämlich große Projekte an. Der Ort steckt mitten in der Dorferneuerung. Kindergarten, Feuerwehrhaus und Bauhof sollen neu gebaut werden. Auch die Staatsstraße durchs Dorf muss erneuert werden. Aktuell wird ein Mehrgenerationenplatz am Sportplatz gebaut.Schwanfeld hat 18 Vereine, die haben Versammlungen und Feste, auf denen der Bürgermeister gesehen werden soll. "Das ist ein 100-Prozent-Job." Möglicherweise schreckt das potenzielle Kandidaten ab. Auch die vier Listensprecher. Jeder von ihnen hätte das Potenzial zum Bürgermeister, doch jeder hat Gründe es nicht zu tun - vor allem aus Sorge um die Vereinbarkeit von Familie, Beruf und Ehrenamt.

    Andererseits: Schwanfeld hat eine intakte Dorfgemeinschaft und bietet alle Einrichtungen der Grundversorgung, von Schule und Kindergarten über Ärzte und Apotheker bis hin zu Einkaufsläden und Handwerksdienste. "Wir haben schon noch Hoffnung, dass sich jemand findet." Doch allzu lange darf sich die Kandidatensuche nicht mehr hinziehen. "Wir möchten uns endlich auf Sachthemen konzentrieren", sagt Sebastian Endres mit Blick auf die bevorstehenden Wahlveranstaltungen. Einig sind sich alle auf der Schwanfelder Liste: "Wir wollen die Gemeinde weiter nach vorne bringen." Und deshalb "suchen wir Sie", heißt es in der Facebook-Anzeige. Wer sich angesprochen fühlt, kann seine Bewerbung an info@schwanfelderliste.de richten. 

    Weitere Artikel
    Fotos

      Kommentare (2)

        Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!