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    WIPFELD

    Was den Weinort neben seiner „heimlichen Dorfhymne“ ausmacht

    Ein „Neubürger“ ist sogar vom fernen Itzehoe an die Mainschleife gezogen, von der Waterkant in Schleswig-Holstein, vor vielen Jahren, der Liebe wegen. „Wenn vor der Schleuse die Schiffe warten, haben wir in Wipfeld sogar ein bisschen Hafenatmosphäre“, schmunzelt der Gast beim offiziellen Festakt „1100 Jahre Ersterwähnung Wipfelds“ – mit Sauerkraut, Kartoffelsalat, Bratwürstchen und manch gutem Schoppen „Wipfelder Zehntgraf“. Nach dem Festgottesdienst hatte der Festzug der Vereine, Honoratioren und Fahnenträger in Richtung Sportheim geführt.

    Die Geschichte von Wipfeld ist stetig am Fließen, wie Wein und Main. Der runde Geburtstag soll da eher ein symbolisches Datum sein, trotz des Logos „1100“: Werner Oechsner, Klaus Rumpel, Michael Halbig und Siegfried Beck haben die Riesenzahlen aus Holz und Stahl gebaut, die nun an der Bühne stehen.

    „Zahlen sind das eine, die Menschen sind das Wichtige“, greift Bürgermeister Tobias Blesch die Worte von Pfarrer Volker Benkert auf, der bereits in St. Johannes die druckfrische, bunte Chronik vorgestellt hat. Das von Herbert Erk gestaltete 62-Seiten-Werk befasst sich nicht nur mit einer reichhaltigen Vergangenheit. Sondern auch mit dem Vereins- und Dorfleben der Gegenwart, mit Mainfähre und Literaturhaus.

    Urkunden und ein „chronologischer Zufall“

    Die Namens-Urkunde selbst ist nur in Abschriften überliefert. Am 21. April im Jahr des Herrn 918 beurkundete König Konrad seinem treuen Bischof Dracholf von Freising, dass der Kirchenmann einige Besitzungen ans Kloster (Münster-)Schwarzach übereignet habe, „um das Heil seiner Seele willen“. Dazu zählten Weinberge bei Nordheim, Seligenstadt, die Hälfte an Stockheim, und eben Wipfeld. Ein „chronologischer Zufall“ seien solche Urkunden, betont Blesch, Belege nur dafür, dass die erwähnten Dörfer schon länger existiert haben müssen.

    Belegt ist, dass es schon in der Jungsteinzeit eine befestigte Ansiedlung gab. Das eigentliche Wipfeld entstand vermutlich schon im frühen Frankenreich. Dass sich im Namen ein „im Kampf glänzender“ Krieger Wippo verewigt hat, ist nur eine Möglichkeit. Zumindest wurde nun eine glanzvolle Vergangenheit gefeiert. Unter zahlreichen Ehrengästen befanden sich Ordensschwestern von Wipfeld sowie des Klosters St. Ludwig, Kreisheimatpfleger Guido Spahn, Jochen Lange als Regierungsvizepräsident, Weinprinzessin Marie Schneider, Bürgermeister Richard Köth aus Schwanfeld, als Partner in der Verwaltungsgemeinschaft, sowie der Wipfeld treu verbundene Prälat Karl Mühleck aus Passau. Per Overhead-Projektor gab es die Jubiläumsmedaille der Sparkasse zu sehen, für den musikalischen Rahmen sorgten Gesangverein (in der Kirche) und Musikverein.

    Außerdem gab es einiges zu schmökern in der Chronik: Weinbau ist bei Wipfeld seit 1244 verbrieft, Fürstbischof Konrad von Bibra ließ 1543 das heutige Schloss Klingenberg errichten, mit dem Ludwigsbad gab es ein Heilbad. Dazu kommen markante Persönlichkeiten wie Renaissance-Humanist Conrad Celtis oder der revolutionäre Geistliche Eulogius Schneider, Verfasser des „Sei gelobt und hochgepriesen“: für Pfarrer Benkert die heimliche Dorfhymne.

    Landrat: „Die Vielfalt macht Wipfeld aus“

    „Die Vielfalt macht Wipfeld aus, und der Bürgersinn“, lobte Landrat Florian Töpper. Nicht nur die Mainfähre, auch ein Teil der Jubiläumsveranstaltungen würde vom Kreis gefördert. Eine Würdigung Wipfelds als „Tor zur Mainschleife“ gab es von Innenstaatssekretär Gerhard Eck: „Der Herrgott hat sein Meisterstück abgeliefert“, meinte Eck zur Landschaft am „Tor zur Mainschleife“. In den Weinbergen hoch über dem Main komme ihm die Marlboro-Werbung in den Sinn: „Der Geschmack von Freiheit und Abenteuer“.

    Ein Theaterstück als Mitmach-Projekt

    Die junge Generation vertrat Max Sauer, der zusammen mir Ralf Schramm und Corinna Huber ein ungewöhnliches Kunstexperiment organisiert: „(M)ein Stück Dorf“ nennt sich die Inszenierung der Bürgerbühne, die am 9. Juni ab 20 Uhr auf dem Marktplatz stattfindet, beim zentralen Festwochenende: „Wir lassen einen Farbklecks platzen“. Es soll kein klassisches Dorfstück sein, sondern ein Mitmach-Projekt der Bürger, über Themen, die das Dorf bewegen. Weitere Veranstaltungen werden folgen, darunter der Landkreis-Kulturempfang am 8. September, im Kloster St. Ludwig.

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