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    Region Gerolzhofen

    Weinlese-Bilanz: geringe Menge, aber top Qualität

    In voller Pracht standen die Reben heuer kurz vor der Weinlese. Trotz relativ geringer Niederschläge waren vor allem die älteren Anlagen ertragreich. Der Sonnenschein, hier eingefangen an der "Wengertshütte" auf dem Zeilitzheimer Heiligenberg, tat sein Übriges für aromatische und volle Weine des Jahrgangs 2019. Foto: Dominik Dorsch

    Zufrieden steht Winzer Martin Mößlein im familiengeführten Weingut in Zeilitzheim vor der großen Presse. Diese hat er gerade mit den letzten am frühen Morgen noch gelesenen Riesling-Trauben befüllt. Im Übrigen hatte er mit seinem Team die Ernte des Weinjahrgangs 2019 schon vollständig einfahren können.  

    Wie viele andere Weinerzeuger blickt Mößlein auf eine relativ unproblematische, aber sehr zügige Ernte zurück. Jedoch war über das Jahr hinweg die Versorgung der Reben mit Wasser ein wichtiges Thema, das die Winzerinnen und Winzer stets im Fokus hatten. Weil auch heuer der Sommer wie der letztjährige wieder trocken und heiß ausfiel, fällt die Menge des Jahrgang 2019 im Vergleich zum langjährigen Durchschnitt geringer aus. 

    Gesunde schöne Trauben

    Die fehlenden Niederschläge hatten aber auch ihre gute Seite: Sehr gesunde und schöne Trauben konnte Winzer Johannes Dereser aus Stammheim am Main bei der schnellsten Weinlese, die er bisher mitgemacht hat, ernten. Diejenigen Weinberge, die die Trockenheit gut überstanden hatten, hätten im Familienweingut Dereser sehr gute Qualität und hervorragendes Aroma hervorgebracht, sagt er.

    Das Thema Bewässerung wird immer wichtiger, ist sich die Weinwirtschaft einig. Es bleibe daher ein "Hauptaugenmerk" des Fränkischen Weinbauverbandes, teilte dessen Präsident Artur Steinmann auf Anfrage dieser Redaktion mit. Frankenweit hätten die Winzer aufgrund der "vermehrt stehenden Wetterlagen", die für manche Gebiete lange Trockenphasen, für andere extrem viele Niederschläge gebracht hätten, flexibel reagieren müssen, erklärt Steinmann weiter. "Die ersten Eindrücke unserer Winzer deuten aber auf einen vorzüglichen Jahrgang mit hohem Potenzial hin", konstatiert auch Weinbaupräsident Steinmann.

    Winzer Reiner Mößlein erinnert sich, dass Ende August in Zeilitzheim im Vergleich zu benachbarten Lagen besonders viel Niederschlag zu verzeichnen war. Dies hätte sich auch im Hinblick auf den Reifezeitpunkt deutlich bemerkbar gemacht.

    Im Weingut Mößlein wurden mit dem Riesling die letzten Trauben geerntet und gepresst. Hierbei wurde Winzer Martin Mößlein (im Bild von rechts) von Winzer Christian Seger aus Lindach sowie von Winzer-Azubi Benedikt Littmann aus Rottendorf tatkräftig unterstützt.  Foto: Dominik Dorsch

    Auch Winfried Ernst, der in Rügshofen ökologischen Weinbau betreibt, bestätigt, dass auch bei ihm die Trauben unterschiedlich früh reif wurden, was zur Folge hatte, dass teilweise spätere Sorten wie der Silvaner vor dem traditionell frühreifen Müller-Thurgau gelesen wurden. In  Dingolshausen bei Familie Loos kamen heuer interessanterweise die eher späten Rotweintrauben vor den weißen Sorten in den Keller. Allerdings zeichnet sich die Qualität der Ernte als sehr gut ab, betonen die Befragten unisono.

    Probleme mit Sonnenbrand

    Einen teils "extremen Ernteausfall" speziell beim Bacchus beobachtete Johannes Dereser in Stammheim, was in erster Linie auf den Sonnenbrand zurückzuführen war. Ähnlich ist die Situation in Zeilitzheim. Winfried Ernst, der auch erster Vorsitzender des Weinbauvereins Gerolzhofen und Umgebung ist, konnte ebenso von einigen Fällen berichten. Dies ist wohl, verursacht durch Temperaturen über 35 Grad und hohe Sonnenintensität, auf die dünnere Beerenhaut des Bacchus im Vergleich zu anderen Rebsorten zurückzuführen. Hagel und Spätfröste um die Eisheiligen bewirkten zusätzliche Mengenverluste in verschiedenen Teilen Weinfrankens.

    Ein Blick ins Innere der Presse, worin sich gerade die Trauben der Sorte Riesling befinden. Der Ertrag in diesem Jahr fiel vor allem aufgrund von Sonnenbrand und Trockenstress insgesamt geringer aus als in den Vorjahren. Foto: Dominik Dorsch

    Das Deutsche Weininstitut (DWI) erwartet in allen Anbaugebieten der Republik einen vielversprechenden Weinjahrgang. Die Reifegrade der Trauben lägen zum Teil deutlich vor dem langjährigen Mittel, heißt es dazu aus Bodenheim. Nach aktuellen Ertragsschätzungen wird der 2019er Jahrgang bundesweit gesehen voraussichtlich nicht ganz das Niveau einer durchschnittlichen Erntemenge von rund neun Millionen Hektolitern erreichen, teilt das Institut mit.

    Die Weinkönigin schwärmt

    In Franken ist die amtierende Weinkönigin Carolin Meyer, alles in allem "super zufrieden" mit der diesjährigen Weinlese. Das könne sie auch für alle Winzerinnen und Winzer hier so bestätigen, sagt sie stolz. "Ich glaube, dass der 2019er das Potential hat, den 2018er, der ja auch schon ein super Jahrgang war, noch einmal qualitativ toppen zu können." Das machte sie vor allem daran fest, dass Ende August und Anfang September zwar warme Tage, aber auch kühle Nächte zu verzeichnen waren, was zur Folge hatte, dass die Säure erhalten blieb und die Aromabildung gleichzeitig begünstigt wurde. Aufgrund der quantitativen Einbußen vielerorts bezeichnete die Weinkönigin den Jahrgang  als "zwar klein, aber sehr fein".  

    Die Weinlese ist vielerorts in der Region bereits abgeschlossen. Egal ob die Trauben maschinell (wie hier im Bild) oder per Hand gelesen wurden, die Winzerinnen und Winzer der Region stellten fest, dass die Trauben unterschiedlich früh reif wurden, was zu Folge hatte, dass teilweise spätere Sorten wie Rotweine oder der Silvaner vor dem traditionell frühreifen Müller-Thurgau gelesen wurden. Foto: Dominik Dorsch

    So erwartet die ausgebildete Winzermeisterin tolle Weine, die Spaß machen, nämlich mit hohen Mostgewichten, aber mit stabiler, frischer Säure. Dieses Zusammenspiel sorge für Harmonie im Wein, betonte sie. "Das ist, was einen wirklich guten Wein ausmacht", sagte Carolin Meyer, die im familieneigenen Weingut in Greuth auch fleißig mit anpackt, wenn sie einmal nicht gerade in offizieller Mission für den Frankenwein unterwegs ist.  

    "Mit großem Spaßfaktor"

    "Schön ausbalancierte Weine mit großem Spaßfaktor" sollen nach dem Ausbau im Keller in Zeilitzheim wieder entstehen, sind sich Martin Mößlein und sein Mitarbeiter Christian Seger aus Lindach, der nach erfolgreich abgeschlossener Ausbildung zum Winzer im Weingut übernommen wurde, einig. Leicht und fruchtbetont, maximal zwölf Volumenprozent Alkohol, diese Weine sind für den Genuss im Sommer am beliebtesten, weiß Mößlein, kräftige Meisterwerke seien dagegen in den kühleren Monaten gefragt.

    Auf eine entspannte Weinlese blickt Florian Loos, Bachelor of Science der Internationalen Weinwirtschaft aus Dingolshausen, in einem Gespräch zurück. Die Trauben waren dort gesund, so konnte die Familie Loos es sich einteilen, was und wann gelesen wurde. "Die Oechsle- Werte sind überdurchschnittlich hoch, die Säure im erwarteten Bereich:  das sind somit optimale Bedingungen für reine, saubere und fruchtige Weine", freut sich Loos.

    Sehr sonnige Tage im Spätsommer gepaart mit kühlen Nächten beschwerten den Weinerzeugern in der Region zwischen Main und Steigerwald heuer perfekte äußere Bedingungen zum Abschluss der Vegetation, sodass die Trauben in diesem Stadium noch einmal einen enormen Entwicklungsschub erfuhren. Foto: Dominik Dorsch

    Der Jahrgang 2019 ist für das Weingut Loos noch aus einem anderen Grund ein ganz besonderer: Nach drei Jahren seit der Umstellung zum biologischen Weinbau wird der 2019er Jahrgang der erste Bio-Wein, der auch als solcher auf dem Etikett gekennzeichnet werden darf.

    Konsumenten und Gäste in Franken könnten sich in jedem Fall darauf freuen, die neuen Weine zu probieren, so die Fränkische Weinkönigin Carolin Meyer. Das wird dann gewöhnlich ab dem kommenden Frühjahr möglich sein. Einen Vorgeschmack auf den neuen Jahrgang gibt’s traditionell im Weingut Mößlein schon in Kürze. Der so genannte "Sprössling" wird hier schon Anfang November trinkreif in die Flaschen gefüllt.

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