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    SCHWEINFURT

    Weniger Kinder in Heimen

    Zwei Kleinkinder hatte die Familie schon. Dann kam Max zur Welt. Die Geschwister lebten bei Großeltern. Auch Max, der im richtigen Leben anders heißt, konnte nicht bei seinen heroinabhängigen Eltern bleiben. Das Jugendamt der Stadt vermittelte den Buben zunächst an eine Bereitschaftspflegefamilie, dann an eine feste Pflegefamilie in Schweinfurt.

    Max lebt noch immer in der Pflegefamilie. Wahrscheinlich bleibt er noch sehr lange. Denn: Der Kontakt zu den leiblichen Eltern beschränkt sich auf zwei Treffen im Jahr. Als der Bub zwei Jahre alt war, zeigten sich Auffälligkeiten Richtung Hyperaktivität. Max ist heute vier Jahre alt und „nach wie vor sehr anstrengend“, sagen Jessica Eichhorn und Bettina Berwind.

    Beide sind im Jugendamt der Stadt zuständig für Adoptionen und den Pflegekinderdienst. Das Schicksal von Max schilderten sie dem Jugendhilfeausschuss des Stadtrates. Der Bericht verdeutlichte die Wichtigkeit von Pflegeeltern auf der einen und deren Belastung auf der anderen Seite. Ein Tagesordnungspunkt war nämlich die Bezahlung der Pflegefamilien bei der Vollzeitpflege.

    300 Euro Erziehungsbeitrag

    Pflegeeltern erhalten bisher ein Pflegegeld für den Unterhalt des Kindes und einen Erziehungsbeitrag. Der lag bisher bei 251 Euro monatlich als „Anerkennung der pädagogischen Leistung“, wie es Jugendamtsleiterin Maria Albert-Wirsching formulierte. Sie schlug nun eine Erhöhung auf 300 Euro vor. Das Gremium folgte einstimmig.

    Vorausgegangen war die Information über die in Schweinfurt gewollte Trendwende bei der Unterbringung. Im Jahr 2008 lebten noch 43 Kinder und Jugendliche in Pflegefamilien und über 70 in Heimen. Ende 2013 war das genau umgekehrt. In Pflegefamilien leben jetzt 74 Kinder und Jugendliche, rund 40 in Heimen. Maßgeblich war dafür die personelle Aufstockung von einer 0,7-Stelle im Jahr 2008 auf nun 2,2 Planstellen, besetzt von drei Fachkräften.

    Ihre Kernaufgabe ist neben der Akquise von Pflegeeltern und Vermittlung der Kinder und Jugendlichen an die „passende Familie“ die Vorbereitung der Pflegefamilien auf ihre Tätigkeit. Und vor allem die Betreuung der Pflegeeltern. Die Entwicklung hin zu mehr Kindern in Pflegefamilien hat für die Stadt zu erheblichen Einsparungen bei den Pflichtaufgaben und Hilfen zur Erziehung geführt: immerhin 870 000 Euro.

    Mit der Anhebung des Erziehungsbeitrags von 251 auf 300 sei der Rund-um-die-Uhr-Einsatz der Pflegeeltern längst nicht abgegolten, sagte Albert-Wirsching und meinte den hohen Anteil unbezahlten Engagements aller Pflegeeltern. Die nun logischen Mehrkosten von rund 30 000 Euro für die „normalen“ Fälle sind in der Gesamtbetrachtung überschaubar.

    Besonders schwere Fälle

    Für besonders in ihrer Entwicklung beeinträchtigte Kinder und Jugendliche ist es nun möglich, diesen Erziehungsbeitrag (jetzt also 300 Euro) für den größeren Betreuungsaufwand – zeitlich begrenzt – zu erhöhen. Eine vom Jugendamt dafür anerkannte „Besondere Pflegefamilie“ kann in besonders schweren Fällen einen zwei- bis vierfachen Erziehungsbeitrag erhalten.

    Festgelegt sind die Regeln dazu, wie etwa die Einstufung und regelmäßige Prüfung der Fälle, in den „Richtlinien der Stadt für die Vollzeitpflege“. Mit den entsprechenden Änderungen war der Ausschuss einverstanden. Aktuell befinden sich 14 Kinder und Jugendliche mit Beeinträchtigungen in Vollzeitpflege, auf die das Konzept der „Besonderen Pflegestellen“ angewendet werden soll und wird. Die für 2015 erwarteten Mehrkosten bezifferte das Jugendamt auf 95 000 Euro. Man hofft, sie durch Einsparungen bei der Heimerziehung kompensieren zu können.

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