• aktualisiert:

    SCHWEINFURT

    Werkzeug aus Baumärkten geklaut

    Akku-Bohrer, -Schrauber und -Sägen, die zugehörigen Ladegeräte, Bohrhämmer, aber auch ein paar Zangen, Seitenschneider, Ratschen, eine Universalaxt und ein Freizeitbeil – all dies hat ein 56-jähriger sehr geübter Dieb in großer Zahl Anfang 2018 innerhalb von zwei Wochen in Baumärkten der Region gestohlen, um es in seiner polnischen Heimat zu verkaufen. Am 9. Februar wurde er entdeckt und festgenommen. Seither sitzt er in Untersuchungshaft.

    Akkubohrer, Ratschen, Sägen, Zangen

    Obi in Bad Neustadt, Müller-Landtechnik in Hammelburg, die beiden Hagebau-Märkte in Frammersbach und Gemünden suchte der 56-Jährige heim. Dabei ging er mit viel Planung vor. Um größere Mengen an den offensichtlich begehrten und gut verkaufbaren Werkzeugen herausschaffen zu können, besuchte er das Objekt mehrmals hintereinander – aber in jeweils anderer Kleidung. Sogar ein Perücke und eine präparierte Neopren-Unterhose dienten ihm zu Tarnung und unerkanntem Abtransport des Diebesgutes.

    Im Baumarkt holte er Akkubohrer, Ladegeräte, Ratschen, Sägen und Zangen zunächst aus der Verpackung und verbarg die Waren dann unter seiner präparierten Kleidung, was wohl nicht einfach war. Ein Bohrhammer sei nicht klein und wiege schon mal sechs Kilo, sagt ein Polizeizeuge am Freitag vor dem Schweinfurter Schöffengericht, wo gegen den Polen wegen gewerbsmäßigen Diebstahls verhandelt wurde.

    Waschmaschine als Versteck

    In seinem Auto führte er eine fast völlig entkernte alte Waschmaschine (Motor ausgebaut, Trommel verkleinert) mit, in der er die Beute verstauen konnte. Und eine werksseitige, abgedeckte Vertiefung hinter den Sitzung nutzte er offenbar ebenfalls, um darin Diebesgut zu verstecken.

    Die Diebstähle und sein raffiniertes Vorgehen beim Klauen räumte der Mann schon bei seiner Festnahme im Januar ein – und auch jetzt vor Gericht. Die Beute aus dem ersten Diebstahl im Januar in Bad Neustadt im Wert von 1582 Euro hatte er bereits auf einem offenen Markt in Breslau versetzt. Das geklaute Werkzeuge aus drei Diebstählen am 8. und 9. Februar fand die Polizei, als er angehalten wurde, in seinem Auto. Es wurde den drei Baumärkten zurückgegeben.

    14 Vorstrafen – meist wegen Dienstahl

    Insgesamt belief sich der Beutewert auf 6770 Euro, wie der Staatsanwalt bei seinem Plädoyer vorrechnet. 14 Einträge hat der Mann im Bundeszentralregister, fast alle wegen Diebstahls, aber auch einen wegen Hehlerei und einen wegen Steuerhinterziehung. Der Staatsanwalt fordert eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und Zehn Monaten. Der Verteidiger plädiert dafür, ihm „ein allerletztes Mal“ eine Bewährungsstrafe zu gewähren – also maximal zwei Jahre.

    Zwei Jahre und vier Monate Haft lautet das Urteil des Schöffengerichts. An Bewährung sei angesichts der Diebstahlkarriere nicht zu denken, so der Vorsitzende: „Sie hatten viele Chancen bekommen. Einmal muss Schluss sein. Das ist heute.“ Dabei war dem Mann sein umfassendes Geständnis zugute gehalten worden – sonst wäre die Strafe höher ausgefallen. Das Gericht ordnete bei ihm außerdem die Einziehung von 1582 Euro an, entsprechend dem Wert der Beute, die er im Obi-Markt geklaut und in Polen versetzt hatte.

    Fotos

      Kommentare (0)

        Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!