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    WERNECK

    Werneck ist 600 Jahre älter

    Diese Scherben belegen eine Besiedlung des Zentrums von Werneck bereits in der Zeit vom 6. bis 9. Jahrhundert. Die kleine schwarze Scherbe (rechts) ist die älteste, sie stammt von einem Knickwandtopf aus der Merowingerzeit, dem 6. bis 7. Jahrhundert.
    Diese Scherben belegen eine Besiedlung des Zentrums von Werneck bereits in der Zeit vom 6. bis 9. Jahrhundert. Die kleine schwarze Scherbe (rechts) ist die älteste, sie stammt von einem Knickwandtopf aus der Merowingerzeit, dem 6. bis 7. Jahrhundert. Foto: Manfred fuchs

    Kleine Scherben können mit einer großen Aussage verbunden sein. Etwa wenn es um die Siedlungsgeschichte Wernecks geht, die durch einen überraschenden Scherbenfund jetzt vervollständigt werden kann. Keramikteile belegen, dass der Kernort schon 600 Jahre früher besiedelt war, als es die erste urkundliche Erwähnung von 1223 bisher bestätigte.

    Frisch ausgegraben wurden die besagten Scherben allerdings nicht. Die über 200 Fragmente lagern bereits seit 2013 in drei großen Kisten in einem Depot des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege (BLfD) in Bamberg. Dorthin gelangten sie als Funde von Ausgrabungen, die im September und Oktober 2013 im Auftrag des Bezirks Unterfranken an der Ostseite des Wernecker Schlosses durchgeführt worden waren. Ein Parkplatz war dort zu richten gewesen.

    Knapp einen Meter tief war gegraben worden, erzählt Manfred Fuchs, Vorstandsmitglied im Historischen Verein Werneck. Der Grabungsbericht erwähnte hochmittelalterliche Siedlungsbefunde und Keramikfunde aus dem 12. und 13. Jahrhundert. Sie lassen, so heißt es da, auf eine intensive Siedlungstätigkeit im Bereich der alten Burganlage schließen, offenbar einer befestigten mittelalterliche Wasserburg.

    Älteste Stück stammt aus der Merowingerzeit

    Weil sich Hobbyhistoriker Fuchs mit dem späteren Schloss näher beschäftigte, fiel ihm bei den Recherchen dazu der Grabungsfund ein, den er noch nicht gesehen hatte. Gemeinsam mit dem Vorsitzenden des Historischen Vereins, Bernd Göbel, und Vorstandsmitglied Karin Stühler fuhr er nach Bamberg. Ralf Obst, beim Landesamt für Denkmalpflege zuständig für die Betreuung Ehrenamtlicher, zeigte ihnen die Kisten und war selbst überrascht, was er beim Wühlen da sah: Unter den Scherben aus dem Hochmittelalter entdeckte er noch weitaus ältere Keramik.

    Beispielsweise Wandungsscherben eines Topfes aus dem 9. bis 10. Jahrhundert, ebensolche von Gefäßen aus der Karolingerzeit, dem 8. und 9. Jahrhundert, und als älteste Stücke Randscherben eines Wölbwandtopfes sowie Wandungsscherben eines Knickwandtopfes aus der Merowingerzeit, dem 6. und 7. Jahrhundert.

    Hügelgräber im Wernecker Wald

    Damit lässt sich die Besiedlung des Kernorts Wernecks schon in dieser Zeit belegen, freut sich Fuchs. Zwar wisse man aus anderen archäologischen Funden, dass rund um den Werneck schon viel früher Menschen siedelten. Etwa durch die hallstattzeitlichen Hügelgräber im Wernecker Wald aus der Zeit von 750 bis 450 vor Christus. Oder durch eine jungsteinzeitliche Siedlung, circa 5000 bis 2000 vor Christus, und durch das keltische Gräberfeld von 450 bis 15 vor Christus, beide an der Gemarkungsgrenze zu Zeuzleben gelegen. Aber eben für das Zentrum Werneck habe es noch keinen Beleg gegeben.

    Fuchs ist der Überzeugung, dass eine tiefer gehende und intensivere Grabung an dieser Stelle weitere Zeugnisse der Wernecker Siedlungsgeschichte zum Vorschein bringen könnte.

    Hinweis: Im Echter-Jubiläumsjahr lädt der Historische Verein Markt Werneck am Mittwoch, 29. November, zu einem Vortrag über „Werneck Anno 1617“ ein, mit dem Untertitel: „Zwischen Julius Echter und Dreißigjährigem Krieg“. Beginn ist um 19.30 Uhr in der Leber-Scheune.

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