• aktualisiert:

    Werneck

    Wernecker Rathaus: Innere und äußere Werte verliehen

    Der Stil der 1980er-Jahre ist gewichen, das Rathaus Werneck präsentiert sich nach der Sanierung mit zeitgemäßer, ruhiger Fassade. Foto: Anand Anders

    Es wird eine Punktlandung werden. Bis kurz vor dem Festwochenende zur Einweihung des energetisch sanierten und umgebauten Rathauses vom 26. bis 28. Juli werden die letzten Handwerker dort ein- und ausgehen. Was sie in mehr als zweijähriger Bauzeit geschafft haben, kann sich sehen lassen: Das Gebäude der 1980er-Jahre hat sich in ein lichtes und freundliches Verwaltungszentrum für den Markt Werneck verwandelt.

    Ein helles und großzügiges Foyer öffnet sich im Erdgeschoss, in dem die besucherstarken Arbeitsbereiche untergebracht sind. Foto: Anand Anders

    Wer allein den dunklen Eingangsbereich noch in Erinnerung hat, wird von der eklatanten Veränderung überrascht: Dem Besucher öffnet sich vom Haupteingang aus ein lichtdurchflutetes Foyer mit viel Platz, indem lediglich die Stützen des alten Stahlskelettbaus von 1982/83 erhalten sind. Geschuldet ist die neue Helligkeit einer Deckenöffnung im Foyer am neuen südlichen Eingang: Hier erstreckt sich eine Glasfassade über zwei Stockwerke, wodurch Tageslicht von außen, vom neuen "Strassers-Hof" her, in das Foyer mit den neuen, innenliegenden Treppen dringt.

    Am neuen südlichen Eingang mit seiner Glasfassade ist das Kunstwerk „Erdenmutter“ des verstorbenen Vasbühler Künstlers Julian Walter platziert. Foto: Anand Anders

    Ein drei Meter hohes, rotes Kunstwerk zieht die Blicke auf sich: "Erdenmutter" nennt sich das Werk des verstorbenen Vasbühler Künstlers Julian Walter. Es ist eine Schenkung seiner Witwe an die Gemeinde und verdeutlicht "die oft nicht mehr erkannte Fülle und Schönheit der Mutter Erde, die ohne ihr Zutun in zerstörerische Gefahr verstrickt wird", so die Beschreibung.

    Abgerissen wurde das alte Betontreppenhaus am Rathaus, ersetzt ist es durch lichte Treppen im geöffneten Foyer, die alle drei Stockwerke verbinden. Foto: Anand Anders
    Das Büro von Bürgermeisterin Edeltraud Baumgartl besticht durch seine helle Ausstrahlung. Foto: Anand Anders

    Über die gewonnene Schönheit des Rathauses freut sich Bürgermeisterin Edeltraud Baumgartl: "Es ist ein modernes, freundliches und ansprechendes Gebäude geworden, innen und außen", lobt sie. Denn auch die Fassade, an der die altbackene Beton- und Holzbrüstung entfernt wurde, präsentiert sich in zeitgemäßer Optik, mit dunklen Akzenten. "Es passt sich toll in das Bild des Platzes ein". Sie sei stolz darauf, was die Architekten aus dem Gebäude gemacht hätten.

    Der Sitzungssaal wurde vergrößert, durch Fenster Richtung Süden erhellt und mit moderner Medientechnik ausgestattet. Foto: Anand Anders

    Wie für die Bürgermeisterin so war auch für die Planerin Silvia Full vom Mühlhäuser Architekturbüro Gerber das Besondere – und das Schwierige – des Umbaus, dass er bei laufendem Verwaltungsbetrieb erledigt werden musste. Was für die Beschäftigen auch mehrmalige Umzüge im Haus bedeutete.

    "Das muss man sich vorstellen: Wir haben zuerst das Dach heruntergenommen und drunter haben die Leute gearbeitet", denkt Full an den Beginn der energetischen Sanierung im Frühjahr 2017. Wasser sei da hineingelaufen, der Strom ausgefallen, mal seien die Beschäftigten in Jacken am Schreibtisch gesessen. "Es war eine enorme Belastung für die Mitarbeiter".

    Wochenlangen Bohr- und Sägelärm mussten sie ertragen, zumal das Haus von oben her Stockwerk für Stockwerk entkernt wurde, die komplette südliche Fassade aufgerissen und die Decken teilweise herausgenommen wurden. "Und ich bin nie aus dem Haus geworfen worden", schmunzelt die Architektin.

    Durch den Abriss des Nachbaranwesens steht das Rathaus Werneck nun frei da und empfängt den Besucher auch über einen zweiten Eingang vom neugeschaffenen Parkplatz im „Strassers-Hof“. Foto: Anand Anders

    Zunächst hatte die Gemeinde nur eine energetische Sanierung des Rathauses geplant: mit neuem Dach, neuen Fenstern, einer Außendämmung, einer Photovoltaikanlage zur Stromerzeugung. Als sich nach Beginn der Bauarbeiten 2017 die Gelegenheit ergab, das Nachbaranwesen zu kaufen und abzureißen, entschloss sich die Gemeinde dazu, auch die innere Struktur des Hauses, die Arbeitsbereiche und Räume zu verbessern. Dass bei einem Umbau dieser Größenordnung – das Rathaus hat fast 1900 Quadratmeter Fläche, inklusive Keller und Verkehrswege – immer Unerwartetes zum Vorschein kommt und neue Probleme auftauchen, war für die Verantwortlichen eine weitere Schwierigkeit. "Den Mehrzweckraum im Keller hatten wir anfangs nicht auf dem Schirm", nennt die Architektin ein Beispiel. Aber nicht nur der Boden, sondern auch der Estrich war durchnässt, so dass der Raum erneuert werden musste. Der Gemeinderat trug die Mehrkosten stets mit, "mal mit mehr, mal mit weniger Diskussion".

    Aktuell wird das Fraktionszimmer noch für Trauungen verwendet. Foto: Anand Anders

    Nicht verändert wurden im Rathaus lediglich der Keller sowie die zwei alten Treppenhäuser, rechts vom Eingang und auf der Seite zur VR-Bank. Mit diesem neuen Nachbarn unterhält das Rathaus jetzt ein Nahwärmenetz mittels eines Blockheizkraftwerks im Bankgebäude.

    Dass sich die Fertigstellung des Rathauses verzögerte und zuletzt doch die Nerven aller Beteiligten strapazierte, hat zum einen mit der guten Auslastung der Firmen zu tun, erklärt Silvia Full. Zum anderen war das abschnittsweise Fertigstellen der Stockwerke schwierig, erforderte auch "viel Bastelarbeit": War eine Etage fertig, begann in der anderen der Abriss, musste wieder ein Rohbau erstellt und der Ausbau erledigt werden.

    Im Foyer ist ein digitales Leit- und Informationssystem für die Besucher eingebaut worden. Foto: Anand Anders

    Für die energetische Sanierung des Rathauses mit Kosten von 2,6 Millionen Euro erhält die Gemeinde Förderung aus dem bayerischen Kommunalinvestitionsprogramm (KIP) von 1,1 Millionen Euro, nennt Bürgermeisterin Baumgartl die Zahlen. Der Umbau und die Erweiterung des Hauses belaufen sich auf weitere 2,45 Millionen Euro.

    Bis zur offiziellen Übergabe am Freitag, 26. Juli, werden noch die letzten Feinheiten erledigt und das Haus gereinigt. "Die Elektriker sind wohl bis zur letzten Minute da – und danach auch noch", lächelt die Architektin.

    Festwochenende zur Rathauseinweihung vom 26. bis 28. Juli
    Freitag, 26. Juli: Offizieller Festakt im Rathaus
    Samstag, 27. Juli: 14 bis 23 Uhr: Festbetrieb am Balthasar-Neumann-Platz, Kinderunterhaltung und Musik mit den Dorfmusikanten Schraudenbach, "Wirtshaussingen", Bateristas Loucos und um 19.30 Uhr der Band "Brass Brachial".
    Sonntag, 28. Juli: 10 Uhr: Ökumenischer Festgottesdienst am Platz, ab 11 Uhr: Mittagessen, danach Festbetrieb, Spielestationen, Bühnenprogramm mit Klangtastisch, Kinkerlitzchen, Tanzgruppen, Waigolshäuser Zwiggerli und dem Musikverein Essleben.
    13 bis 17 Uhr: "Tag der offenen Tür" im Rathaus, um 14 und 16 Uhr Architektenführung, Ausstellungen, Mitmachangebote, Autorenlesungen, Spiele für Groß und Klein.
    13 bis 18.30 Uhr: Verkaufsoffener Sonntag (nicht in den Gewerbegebieten)

    Weitere Artikel
    Fotos

      Kommentare (1)

        Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!