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    SCHWEINFURT

    Widerstand gegen AfD-Positionen zu Flüchtlingen

    Willkommen oder nicht? Für die große Mehrheit des Schweinfurter Stadtrates ist es keine Frage, dass die Flüchtlinge und ... Foto: Josef Lamber

    Schweinfurt wächst – nicht flächenmäßig, aber in Sachen Bevölkerung. Bis 2014 ging die Zahl der Einwohner zurück, seit 2015 steigt sie deutlich an. Zum 31. Dezember 2017 lebten 54 566 Menschen in der Stadt, das waren rund 2000 mehr als vor gut vier Jahren. Der Grund: der verstärkte Zuzug von Flüchtlingen und die wachsende Zahl ausländischer Studenten an der Fachhochschule.

    Bereits im Sozialausschuss im Mai und im Juni im Hauptausschuss hatten Ordnungsreferent Jan von Lackum und der Leiter der Stabsstelle „Gerne daheim in Schweinfurt“, Matthias Kreß, die Zahlen detailliert präsentiert und berichtet, was die Stadt alles unternimmt, um die Integration von Flüchtlingen zu fördern und generell Bürger mit Migrationshintergrund zu unterstützen. Nun wurde das Zahlenwerk im Stadtrat präsentiert, bei weitem nicht so ausführlich wie in den Ausschüssen. Es entspann sich aber eine politische Diskussion, in der klare Kante gegen die AfD gezeigt wurde.

    Von den jetzt 54 566 Menschen in der Stadt sind 9981 Ausländer, also gut 18,3 Prozent, deutlich über dem Bundesdurchschnitt von rund elf Prozent. Seit 2014, so Jan von Lackum, ist die deutsche Bevölkerung in Schweinfurt um 1150 Personen gesunken, die ausländische um 3049 gestiegen. Bei Deutschen wie Ausländern wächst die Zahl der männlichen Einwohner, die der Frauen sinkt. Die Türken sind in Schweinfurt immer noch die stärkste Gruppe, allerdings ist ihre Zahl abnehmend, während die der Syrer, die fast schon gleichauf liegen, weiter zunimmt.

    Kritik an AfD-Positionen

    Richard Graupner, einziger AfD-Stadtrat im Gremium, meldete sich als Erster zu Wort. Aus seiner Sicht handele es sich um eine „äußerst nachteilige Bevölkerungsentwicklung für die Stadt“. Er zitierte CSU-Ministerpräsident Markus Söder, der erklärt habe, die Integrationskraft der Kommunen beim Thema Zuwanderung und Asyl sei beschränkt. Aus Graupners Sicht geht das Bevölkerungswachstum durch Flüchtlinge dauerhaft zu Lasten der Sozialsysteme. Die Zuwanderer seien zu gering qualifiziert, um den Facharbeitermangel zu beheben und würden mit der einheimischen Bevölkerung in Konkurrenz um Niedriglohnjobs stehen. Er forderte, „den Trend zu stoppen und umzukehren“.

    Mit seinen Ausführungen stieß Graupner auf Widerstand seiner Kollegen. Ulrike Schneider (Freie Wähler/Schweinfurter Liste) fand klare Worte: „Wenn es Ihnen um Heimat ginge, hätten Sie doch nicht die letzten 20 Jahre im Gremium geschwiegen“, so Schneider. Den von Graupner befürchteten Verlust von Heimatgefühl der einheimischen Bevölkerung wegen des Ausländeranteils in der Stadt sah Schneider nicht, im Gegenteil: „Heimat ist Vereinsleben, ist Kultur, ist Natur, ist Stadtentwicklung, aber zu all diesen Themen haben Sie immer geschwiegen.“

    Einigkeit und Solidarität gefordert

    Frank Firsching (Die Linke) unterstützte Schneider. „Nicht Hass und Hetze, sondern Einigkeit und Solidarität sind gefragt“, betonte Firsching, der auch Vorsitzender des Bündnisses „Schweinfurt ist bunt“ ist. Verwaltung und Stadtrat arbeiteten seit Jahren an einem friedlichen Miteinander der Bürger aus verschiedenen Kulturen, mit großem Erfolg. Er sehe keine Angriffe auf Asylbewerber und umgekehrt auch keine aus dieser Gruppe auf Einheimische. Geschuldet sei das auch „all jenen, die sich für ein friedliches Miteinander einsetzen“.

    Oberbürgermeister Sebastian Remelé (CSU) ergriff selbst das Wort. Er betonte, man sei sich „der integrativen Verantwortung seit Jahren bewusst.“ Er sei positiv überrascht, wie gut der gesellschaftliche Konsens in der Stadt funktioniere. Er appellierte an alle politischen Richtungen im Stadtrat, den gesellschaftlichen Frieden zu achten und auch die eigenen Worte abzuwägen – gerade bei den Themen Asyl, Flüchtlinge und Ankerzentrum.

    Viele Projekte zur Integration

    Matthias Kreß von „Gerne daheim in Schweinfurt" hatte in den bisherigen Ausschuss-Sitzungen immer betont, es gebe „keinen Grund, sich anhand der Zahlen zu fürchten“. Er stellte zahlreiche Projekte vor, mit denen in der Stadt auf sechs Handlungsebenen die soziale Integration von Zugewanderten unterstützt und gefördert wird. Auch in den Schulen, in denen der Anteil von Schülern mit Migrationshintergrund in einzelnen Klassen bei über 80 Prozent liegt, werde gute Arbeit geleistet. Wenn man den Begriff der Migration weit fasst, also sowohl Ausländer als auch Doppelstaatler und Eingebürgerte einbezieht, liegt der Anteil an Menschen mit einem Migrationshintergrund in der Stadt im übrigen bei rund 45 Prozent.

    Die Schweinfurter Bevölkerungsstatistik

    Zum 31. Dezember 2017 lebten in Schweinfurt 54 566 Menschen. Im vergangenen Jahr gab es 541 Geburten und 681 Sterbefälle. Die Zahl der Deutschen betrug 44 185, die der Ausländer 9981, das sind 18,3 Prozent der Gesamtbevölkerung. 2014 lag der Anteil noch bei 13,2 Prozent.

    Die größten Gruppen von Menschen mit ausländischen Wurzeln (Stichtag 31. Dezember 2017):

    Türkei: 1990

    Syrien: 1586

    Griechenland: 564

    Rumänien: 421

    Polen: 407

    Russland: 382

    Italien: 259

    Kosovo: 245

    Afghanistan: 222

    Ukraine: 203

    Mazedonien: 194

    USA: 184

    Elfenbeinküste: 183

    Kasachstan: 176

    Somalia: 157

    Weitere Staaten: 2808.

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