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    Schweinfurt

    Wie Grundschüler das Lesen lieben lernen

    Passt der Topf auf den Deckel, pardon auf den Kopf, oder nicht. Beim Lese-Memory haben Eduard, Vanessa und Mara viel Spaß. P-Seminaristin Susen (Zweite von links), die sich ganz bewusst auf Augenhöhe mit ihren Schülern begibt, spielt dieses Leseförderspiel mit den Kindern. Foto: Helmut Glauch

    "Con-Cen-tration" klatscht Susen diesen Dreisilber in den Raum. Vor ihr eine Handvoll Jungen und Mädchen der Grundschule Gartenstadt, die begeistert mitmachen, die dabei auch ein wenig runterkommen, sich vorbereiten, eben konzentrieren auf das, was da gleich eine Stunde lang kommen wird.  "Lesen lieben lernen" heißt dieses Projekt eines P-Seminars des Olympia-Morata-Gymnasium, bei dem der Name Programm ist.  

    Von der Q-11 bis zur zwölften Klasse machen elf Schülerinnen mit, erklärt Birgit von Hirschhausen, die das Seminar pädagogisch betreut und bewertet.  Die Mädchen haben das Material und die Lesespiel-Angebote selbst vorbereitet und erstellt und machen praktische Erfahrungen, indem sie vor jüngeren Schülern stehen und mit ihnen arbeiten. Die Gymnasiastinnen, allesamt selbst begeisterte Leserinnen, haben sich Gedanken gemacht, wie es gelingen kann, bei Grundschülern Leselust statt Lesefrust zu erzeugen.

    Warum Mädchen mehr und anders lesen

    Zuvor allerdings wurde im Rahmen des P-Seminars sozusagen Grundlagenforschung in Sachen Lesen an der eigenen Schule gemacht. Ein wenig überraschendes Ergebnis: Mädchen lesen anders und mehr als Jungen. Während Jungen auch im Buch eher das Abenteuer suchen oder sich Sachbüchern zuwenden, lesen die Mädchen einfach mehr und  – Achtung Klischee  – es darf nach wie vor auch mal ein Ponyhof oder eine Prinzessin im Buch vorkommen. 

    Über die Lust an der Interaktion zum Lesen motivieren,so lässt sich das Ziel des P-Seminars umschreiben. Und wenn das Ganze dann auch noch Spaß macht, umso besser. Zum Beispiel das Memory, wo der Kopf zum Topf, die Maus zum Haus und der Teller zum Keller passen. Keine identischen Begriffe, aber Worte, die Dank ihrer Ähnlichkeit ein Gefühl für die Sprache vermitteln, müssen gefunden werden.

    Teig kneten auf dem Rücken der Vordermannes, dann Käse und Salami drauf. Beim Spiel Pizzabacken wird nicht nur eine Begriff-Reihenfolge vermittelt – es macht auch noch richtig Spaß. Die Seminaristinnen Sophia und Amelie spielen mit den Kindern. Foto: Helmut Glauch

    Kurze Märchenabschnitte, die sich die kleinen Kinder gegenseitig vorlesen, enthalten kleine Fehler, die die Kinder begeistert aufdecken, wenn sich zum Beispiel das Schneewittchen im falschen Märchen, hier bei Dornröschen, verirrt hat. "Alles was an die Mediennutzung, bevorzugt an das Lesen, heranführt und am besten auch noch Spaß macht, ist geeignet", lässt sich die Bandbreite der Spiele zusammenfassen.  Ein Buch braucht es dabei (noch) nicht, es genügt die Lust daran zu wecken, Bilder in seiner Fantasie entstehen zu lassen. Ein erster Schritt hin zu diesem Kopfkino, das immer dann startet, wenn ein geübter Leser sich in ein Buch vertieft. 

    Rückreise aus der Welt der Wörter

    Die Schulstunde, bei der viel gelacht, geraten und gelesen wird, vergeht wie im Flug. "Pizzabacken" nennt sich das Bewegungsspiel, mit dem Kinder wieder langsam aus der Welt der Wörter und Buchstaben zurückkommen. Vorher werden noch gemeinsam Begriffe geraten. Bis auf "kleine Kirche und eine Gruppe von Menschen, die gemeinsam Musik macht" raten die aufgeweckten Kinder alle Begriffe. Ach ja – Kapelle wäre die richtige Antwort gewesen. 

    Es ist alles gut gelaufen, aber es ist nicht immer einfach, die Konzentration der Grundschüler hoch zu halten, so die Einschätzung der P-Seminaristinnen nach der Schulstunde. Heiß war es sowieso, und wichtig ist auch, dass das Programm nicht zu viel oder zu wenig ist für die vorgegebenen 45 Minuten.  Auch an den kommenden beiden Dienstagen werden sie einen Teil ihrer Nachmittage in der Grundschule Gartenstadt verbringen. Und die Kleinen? "Wir freuen uns schon", meinen sie übereinstimmend. Geschichten und das Spiel mit Sprache machen eben Spaß. Vielleicht lässt sich das ein oder andere Kind infizieren von der Lust am Lesen, die nachgewiesenermaßen auch das Lernen erleichtert.   

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