• aktualisiert:

    Gerolzhofen

    Wie Inklusion gelingen kann

    Dr. Loew Soziale Dienstleistungen feierte 20-jähriges Bestehen seiner Pflegeeinrichtung in Gerolzhofen. Im Bild: Gastgeberin Sandra Loew, Einrichtungsleiter Sebastian Greim und sein Stellevertreter Christian Keutel und die Pflegedienstleitung, Landrat Florian Töpper, Bürgermeister Thorsten Wozniak, ehemaliger Bürgermeister Hartmut Bräuer, Stadträtin Ingrid Feil, frühere Kreistagsabgeordnete und Heimfürsprecherin Lieselotte Feller und andere Mitarbeiter des Teams der Dr. Loewschen Einrichtung. Foto: Andrea Lindenberger

    Bewohner, Freunde und Familie, Verantwortliche des Unternehmens und der Politik sind der Einladung der Pflegeeinrichtung von Dr. Loew Soziale Dienstleistungen zum 20-jährigen Bestehen in Gerolzhofen gefolgt. Unter ihnen Sandra Loew, Leiterin des Unternehmens, Einrichtungsleiter Sebastian Greim und Bereichsleiter Klaus Meierhöfer, Landrat Florian Töpper, Stadtoberhaupt Thorsten Wozniak, ehemaliger Bürgermeister und Ehrenbürger Hartmut Bräuer, Heimfürsprecherin Lieselotte Feller, in Vertretung beider Kirchen in Gerolzhofen die Pfarrer Reiner Apel und Stefan Mai.

    Sommer, Sonne, Inklusion

    An diesem Nachmittag standen den Gästen zahlreiche Aktivitäten und Köstlichkeiten zur Auswahl. Es wurden Lose für die Tombola gezogen, Wimpel in der Kreativwerkstatt gestaltet, Wettrennen im Rollstuhl gefahren, Holzarbeiten live dargeboten und das Glücksrad lud den Spiellustigen ein, sein Bestes zu geben. Der SV Rügshofen sorgte für das leibliche Wohl und zur Abkühlung gab es noch ein Eis.

    Wer hat zum Gelingen beigetragen?

    Landrat Florian Töpper betonte in seiner Rede die Bedeutung einer solchen Einrichtung, die in den Blickpunkt öffentlicher Wahrnehmung gerückt werden müsse. Als Kommunalpolitiker und Verantwortlicher vor Ort brachte er seine Anerkennung zum Ausdruck für die Arbeit der vergangenen 20 Jahre. Besonderer Dank gilt hier auch dem damaligen Bürgermeister Hartmut Bräuer und der früheren Kreistagskollegin Lieselotte Feller, die durch ihr Engagement und die konstruktive Zusammenarbeit mit dem sozialen Dienstleister ein Vorzeigeprojekt ermöglicht haben. Ebenso würdigt er die aufnehmende Stadtgesellschaft Gerolzhofens, die den Inklusionsgedanken mittrage und dadurch erst ermögliche.

    Gelingen setze voraus, dass viele Stellen miteinander gut vernetzt arbeiten. Vor allem würdigte Töpper die Kontinuität des Fachpersonals. Mit dem Begriff "familienersetzendes Arbeiten" verbindet er die enorme Verantwortung, die jeder einzelne Mitarbeiter damit übernehme.  "Der Mensch steht hier im Mittelpunkt und wird wertschätzend behandelt", ergänzte Thorsten Wozniak.

    Die Anfänge von Dr. Loew

    Die Anfänge des familiengeführten Unternehmens liegen in den Siebzigern. Früher wurden geistig Behinderte aufgrund mangelnder heilpädagogischer Hilfen und angemessener Betreuungsformen oft in psychiatrischen Kliniken dauerhospitalisiert. Ein Umdenkprozess begann, Konzepte wie "Enthospitalisierung" und "Normalisierung" sorgten dafür, diese Menschen aus dem für sie ungeeigneten Umfeld herauszuholen. Der Landarzt Dr. Fritz Loew machte sich zum Ziel, diesen Menschen die Gelegenheit zu geben, in einem geschützten Rahmen so selbstbestimmt wie möglich zu leben. Das bedeutete auch, die Gesellschaft darauf aufmerksam zu machen und aufzuklären.

    Soziales Erfolgskonzept

    Mittlerweile betreut das Unternehmen in rund 110 Häusern über 1800 Personen. Damit ist Dr. Loew einer der größten privaten Anbieter sozialer Dienstleistungen in Bayern und beschäftigt über 1900 Mitarbeiter. Das Betreuungsangebot reicht von ambulanten Angeboten bis hin zu Intensivgruppen mit Vollversorgung wie in Gerolzhofen, wo rund 50 Bewohner zwischen 18 und 86 Jahren mit vielschichtigen Krankheitsbildern in fünf übersichtlichen Wohngruppen leben. "Betreut werden sie von einem multiprofessionellen Team, das sich in ihren Professionen rund um die Themen Körper, Pflege und Seele ergänzt", wie es Klaus Meierhöfer, Bereichsleiter bei Dr. Loew auf den Punkt brachte.

    Für Sandra Loew ist das Haus in Gerolzhofen eine der schönsten Einrichtungen. Fachliche Konzepte seien das eine, diese aber "auf die Straße zu bringen" das andere. Dafür brauche es Fachpersonal mit einem Höchstmaß an Interpretationswillen, Übersetzungsgeschick, Kreativität und Ausdauer, sagte die Großnichte von Fritz Loew.

    Kritik äußerte sie in Richtung Politik und dem neuen Bundesteilhabegesetz, das ihrer Meinung nach nicht den Ansprüchen dieser Klientel gerecht würde und so wie die Zunahme von Bürokratie schlichtweg blockierten. "Wenn die immer mehr zunehmenden gesetzlichen Anforderungen und die Dokumentationspflicht dem internen Prozess dienen würden, wäre das kein Thema", sagte Meierhöfer. Allerdings dienten sie überwiegend externen Stellen und hemmten einfach den Ablauf im eigentlichen Kerngeschäft.

    Kreativwerkstatt: Ergotherapeutin Lisa Herplich lud die Gäste dazu ein, persönliche Wimpel zu gestalten. Foto: Andrea Lindenberger

    An diesem Tag sollte jedoch nicht die Kritik im Vordergrund stehen, so Loew, sondern das Erreichte in den letzten 20 Jahren. "Die Bewohner können auch teilhaben am kulturellen, sozialen und am gesellschaftlichen Leben", sagte Thorsten Wozniak. "So haben wir vor drei Jahren bei der Geo-Live-Night einen Inklusions-Empfang ausgerichtet", erinnerte er und fügte hinzu, dass dieser am 12. Oktober wieder stattfinde. "So können musikbegeisterte Bewohner in Begleitung auch an der Geo-Live-Night teilnehmen", freute sich Ingrid Feil. Sie betonte ebenfalls die Wertschätzung und die Menschlichkeit in der Zusammenarbeit der Gemeinde mit der Dr. Loewschen Einrichtung.

    Ein Zuhause gefunden

    Dem Menschen näherkommen, der so anders ist, Berührungsängste wahrnehmen und überwinden, sich begegnen. Wie zum Beispiel Pamela. Sie ist 34 Jahre alt und fand bei Dr. Loew in Gerolzhofen nach einer langen beschwerlichen Reise vor fünf Wochen ein Zuhause. Sie liebt es, mit anderen zu reden und hört leidenschaftlich gerne Musik, vor allem Heavy Metal und Santiano. "Ich spüre es, wenn andere Menschen traurig sind", sagt die empathische junge Frau. "Ich wünschte mir, mehr Menschen könnten so mit anderen fühlen und wahrnehmen, wenn sie Trost brauchen."

    Diese Empathie und Geborgenheit findet sie bei ihren Mitbewohnern und Betreuern. Sie alle nehmen ihre Bewohner in ihrer individuellen Bedürftigkeit an und geben Tag für Tag ihr Bestes, ganz im Sinne des Gründers Dr. Fritz Loew.

    Weitere Artikel
    Fotos

      Kommentare (0)

        Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!