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    Schweinfurt

    Wie Schüler des Celtis-Gymnasiums eine Sonnenuhr konzipierten

    Zwölftklässler des Celtis-Gymnasiums Schweinfurt haben eine Wandsonnenuhr für die Schulfassade konzipiert. Was es damit auf sich hat und welche Schwierigkeiten es gab.
    Die Schülerinnen und Schüler des P-Seminars Physik am Celtis-Gymnasium haben eine Wandsonnenuhr entworfen. Betreut hat sie dabei Physiklehrer Sebastian Müller (ganz rechts). Foto: Lisa Marie Waschbusch

    Sebastian Müller sagt, er habe schlaflose Nächte gehabt, habe sich gefragt, ob am Ende gelingt, was seine Schüler seit anderthalb Jahren geplant und entworfen haben. Heute weiß er, die Sonnenuhr, die an der Fassade des Celtis-Gymnasiums in Schweinfurt hängt, funktioniert. Einige Tage zuvor, als es sonnig war, zeigte sie das erste Mal die Uhrzeit an: Es war kurz nach 15 Uhr.

    Die Konzeption der Sonnenuhr war Teil des P-Seminars Physik der 15 Schüler, die nun kurz vor dem Abitur stehen. Betreut wurden sie bei dem Projekt von Physiklehrer Sebastian Müller; finanzielle Unterstützung kam von der Celtis-Stiftung. Die Fertigung der Uhr übernahm die Firma ZF. Am 13. Februar montierte die Baufirma Pfister die Uhr an der Fassade auf dem Pausenhof.

    Entscheidung für vertikale Sonnenuhr

    Doch bis dahin war es für die Schüler ein langer Weg. "Wir haben überlegt, welche Art von Sonnenuhr wir bauen wollen", erläutert Schüler Philipp Müller die ersten Schritte. Es gebe drei verschiedene Arten. Man habe eine lebhafte Diskussion geführt und sich letztlich für die vertikale Variante entschieden – aus Platzgründen. 

    Weil sie sich an einer Seite ein wenig neigt, mussten die Schüler die Abweichung der Wand, an der die Sonnenuhr montiert wurde, genau nachmessen. Foto: Sebastian Müller

    Die Schüler teilten sich in zwei Teams auf. Eine Designgruppe überlegte, wie die Uhr aussehen soll, wie sie optisch zur Schule passt. "Wir wollten es nicht zu altbacken aussehen lassen", sagt Schüler Maximilian Spall. Eine wichtige Frage war auch, welche Materialien verwendet werden. "Es war uns wichtig, dass sie möglichst lange funktioniert. Wir haben auf Wetterbeständigkeit gesetzt." Sie entschieden sich für eine Art Plexiglas; die Ziffern sind aus Edelstahl.

    Abweichende Ausrichtung der Wand

    Das andere Team kümmert sich um die Rechenarbeit. "Wir haben die Mathematik nicht neu erfunden", sagt Tom Schneider, der Teil der Rechengruppe war. Letztlich sei es auf eine Formel hinausgelaufen, "die auf den ersten Blick relativ kompliziert schien", sagt er. Hinzu kam: "Wir mussten uns die Wand der Schule angucken, die in Südrichtung ein wenig geneigt ist." 

    Maßstabsgetreu haben die Schülerinnen und Schüler die Zahlen und Buchstaben aufgeklebt. Für die Umsetzung auf die Platte musste jeder Strich abgemessen werden. Foto: Sebastian Müller

    Dann stand eine weitere Entscheidung an: Soll die mitteleuropäische Zeit angezeigt werden oder die – vom Sonnenstand abgeleitete Zeit – in Schweinfurt? Sebastian Müller weiß: "Man muss für jeden Ort seine eigene Sonnenuhr konstruieren." Die Projektgruppe habe sich letztlich dazu entschieden, die mitteleuropäische Zeit anzuzeigen. Den Schülern sei das Risiko zu groß gewesen, dass am Ende jemand sage, sie ginge falsch.

    Zentimetergenaue Abmessung notwendig

    Die Schüler klebten alles maßstabsgetreu auf ein Plakat. Doch ein Foto davon an den Partner ZF zu schicken, das reichte nicht aus. "Sie wollten konkrete Angaben, Koordinaten, genaue Längenangaben", erinnert sich Maximilian Spall. Der Ausbildungsleiter von ZF, der mit den Ausbildungsstätten die Wanduhr umsetzte, habe genau wissen wollen, wo welcher Buchstabe, welche Zahl auf der Platte eingefräst werden sollte. 

    Die Wandsonnenuhr hängt und einer der Schüler justiert den Schattenwerfer. Mit Breitengradmesser, Kompass und Wasserwaage wird die Achse des Schattenstabs exakt zum Himmelsnordpol ausgerichtet. Foto: Sebastian Müller

    Die Idee für die Sonnenuhr stamme von einer pensionierten Kollegin, erzählt der Lehrer. Außerdem wollte man "etwas mit Außenwirkung". Es solle auf die humanistische Ausrichtung des Celtis-Gymnasiums andeuten. 

    Seine Meinung hielt er als Betreuer weitestgehend zurück. "Es braucht Mut, etwas laufen zu lassen. Auch wenn man vielleicht schon ahnt, dass es in die falsche Richtung geht", sagt der Lehrer. Am Ende ist er mit seinen Schülern zufrieden.

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