• aktualisiert:

    Gerolzhofen

    Wie Ursel White aus Gerolzhofen an Neil Armstrongs Auto kam

    Ursel White am Steuer des Oldsmobile Delta 88. Das Auto hatte zuvor Neil Armstrong gefahren. Foto: White, Repro: Norbert Vollmann

    Am 21. Juli 1969 (MEZ) erreichte die Mondlandefähre von Apollo 11 mit den ersten Menschen an Bord den Erdtrabanten – Neil Armstrong und Edwin "Buzz" Aldrin. Die amerikanische Raumfahrtbehörde NASA hatte damit das Wettrennen im All um den ersten Mann auf dem Mond gegen die Sowjets gewonnen. Nachdem Apollo 11 dann drei Tage später sicher im Pazifik gelandet war, begann nach einer knapp dreiwöchigen Quarantänezeit für die drei Astronauten – zum Team gehörte auch Michael Collins, der an Bord der Apollo geblieben war – ein Triumphzug durch die USA. 50 Jahre später ist diese Mondlandung wieder in aller Munde.

    Am 21. Juli um 3.56 Uhr mitteleuropäischer Zeit betrat Neil Armstrong als erster Mensch den Mond.  Foto: HO/Nasa/afp

    Neil Armstrong, der als erster Mensch den Mond betrat, kam dabei auch zurück in seine kleine Heimatstadt Wapakoneta/Ohio. In einer großen Parade am 7. September 1969 wurde der Astronaut in einem offenen roten Straßenkreuzer vorbei an Tausenden durch die Straßen gefahren. Armstrong wurde aber nicht nur bejubelt, sondern auch reichlich beschenkt. Vom Autohersteller Oldsmobile Corporation, einer Marke von General Motors, erhielt er einen Oldsmobile Delta 88 für den privaten Gebrauch.

    Mondlandung am Fernseher verfolgt

    Zu dieser Zeit lebten die Gerolzhöferin Ursel White, geb. Hock, und ihr Mann William in Anna/Ohio, gut 30 Kilometer von Wapakoneta entfernt. Die beiden waren unter den rund 600 Millionen Menschen in aller Welt, die die Mondlandung am Fernseher verfolgt hatten. "Ich erlebte dieses Ereignis eher als Amerikanerin und war stolz, in dem Land zu leben, aus dem der erste Mensch auf dem Mond kommt", erinnert sich Ursula White.

    Ursel und William White fuhren drei Jahre lang das Auto von Neil Armstrong. Das Bild zeigt sie auf ihrer Dachterrasse mit Blick auf das Echter-Amtsgebäude in Gerolzhofen. Foto: Norbert Finster

    Sie hatte mit ihrem Mann natürlich auch die Parade in Wapakoneta besuchen wollen, doch Ursel war mit Tochter Karin schwanger und fühlte sich an diesem Tag nicht wohl. So blieb die Familie zuhause. 

    Drei Jahre später erhielten die Whites einen Tipp von einem Nachbarn in Anna. Dessen Vater betrieb einen Autohandel und dorthin hatte Neil Armstrong das Oldsmobile verkauft. "Da habe ich nicht lange gezögert und das Auto gekauft", erinnert sich William White. 1800 Dollar blätterte er für das Cabrio auf den Tisch. Neu hatte dieser ab 1969 gebaute Typ 3000 Dollar gekostet. Das war in der damaligen Zeit ungeheuer viel Geld. Ein neues Haus bekam man zu der Zeit in den USA für 20 000 bis 25 000 Dollar.

    Auto mit allen Schikanen

    Doch für ihre Investition hatten die Whites jetzt ein Auto mit allen Schikanen: Automatik-Schaltung, elektrische Fensterheber, ein sich automatisch öffnendes und schließendes Dach. "Als bei uns im kleinen Anna bekannt wurde, welches prominente Auto wir uns angeschafft hatten, wollte jeder damit fahren", sagt Ursel White.

    Drei Jahre lang hielten die Whites das Auto. Mit seinem berühmten Vorbesitzer, der 2012 in Cincinnati/Ohio starb, waren sie jedoch nie direkt in Kontakt gekommen. 1975 verkaufte die Familie Haus und Auto und zog wieder nach Gerolzhofen zurück. "Ich sollte in meiner Heimatstadt das Samengeschäft meiner Eltern weiterführen", sagt die Gerolzhöferin. Kurios dabei: Ursel wäre lieber in Ohio geblieben, denn dort gefiel es ihr gut. William dagegen folgte gerne dem Ruf der Schwiegereltern, denn der US-Amerikaner hielt Gerolzhofen und Deutschland vor allem wegen der guten sozialen Absicherung für die bessere Alternative. So lebt die Familie seit Februar 1975 wieder in der unterfränkischen Kleinstadt. Beide sind heute 75 Jahre alt.

    Der Astronaut Neil Armstrong auf einem undatierten Foto der US-Weltraumfahrtsbehörde Nasa. Der erste Mann auf dem Mond starb 2012. Foto: HO, Nasa, afp

    Dass sie das begehrte Auto verkauft haben, ärgert Ursel White nicht – auch wenn das Cabrio durch seinen berühmten Vorbesitzer heute wohl einen hohen Wert hätte. "Nein", sagt Ursel White. "Wir haben typisch amerikanisch gehandelt. Wenn der Amerikaner umzieht, verkauft er alles und fängt an seinem neuen Wohnort ganz neu an." Außerdem hätte das breite Oldsmobile nicht auf die engen Gerolzhöfer Straßen gepasst, sagt White mit einem Schmunzeln. Und für das Auto habe William White immerhin noch 1500 Dollar erhalten, nach drei Jahren also kaum einen Wertverlust verzeichnet.

    Kennengelernt hatten sich Ursel und William White 1964 in Kitzingen. William war dort als GI stationiert. 1966 heiratete das Paar und zog nach Schweinfurt, weil William dorthin versetzt wurde. Im November 1967 gingen die beiden nach Arizona, wo William aufgewachsen war. Dort war es seiner deutschen Frau allerdings zu heiß, so dass die Whites ihren Wohnsitz etwa zur Zeit der Mondlandung vom Südwesten der USA nach Ohio im Nordosten verlegten.

    Weitere Artikel
    Fotos

      Kommentare (0)

        Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!