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    Schweinfurt

    Wie gut kommen Migranten in Arbeit?

    Drei junge Migranten machen ihre Ausbildung im Schweinfurter Friseursalon "Extra-Locke". Von links: Tala Yousef, Yasen Housen und Athraa Mansha. Foto: Anand Anders

    Tala Yousef (18) will Friseurin werden. Athraa Mansha (18) will das auch, und Yasen Housen (30) ebenso. Die drei haben einiges gemeinsam: sie sind als Flüchtlinge nach Deutschland gekommen, aus Palästina, Syrien oder dem Irak. Sie haben ein Bleiberecht, dürfen und wollen unbedingt arbeiten beziehungsweise eine solide Ausbildung machen – und haben eine Stelle gefunden: im Schweinfurter Friseursalon "Extra-Locke" in der Hadergasse.

    Ihre Chefin und Salon-Inhaberin ist Margit Rosentritt, im Ehrenamt Kreishandwerksmeisterin. Sie engagiert sich sehr für die Integration junger Geflüchteter in Arbeit und Ausbildung, ihre drei Azubis sehr dankbar, fleißig, enorm engagiert.

    Dass Flüchtlinge in Arbeit oder Ausbildung finden, wie hier im Salon "Extra-Locke", ist auch "Willkommenslotsin" Erna Kleinhenz zu verdanken, die im Rahmen des gleichnamigen Projektes des Bundeswirtschaftsministeriums Geflüchtete an Betriebe vermittelt und betreut. Unterfrankenweit habe sie mit ihren Kollegen im ersten Halbjahr 2019 bereits für 160 Migranten mit Arbeitserlaubnis Beschäftigungsverhältnisse in Einstiegsqualifizierung, Praktika, Ausbildung und Arbeit angebahnt, so Kleinhenz. Das Programm leiste damit einen Beitrag zur Fachkräftesicherung.  

    Arbeitslosigkeit tendenziell konstant

    Wie schnell kommen Geflüchtete, die arbeiten dürfen, aus den Jobcentern heraus in Beschäftigung? Die Arbeitslosigkeit Geflüchteter ist laut Bundesagentur für Arbeit deutschlandweit tendenziell konstant. Das liege daran, dass sich der Zuzug Schutzsuchender abgeschwächt habe, dass sich viele Geflüchtete nach wie vor in Integrationskursen befänden und diese auch zunehmend in Ausbildung und Beschäftigung gelangten. Die arbeitslosen Migranten sind demnach überwiegend jung und männlich und kommen häufig für Jobs in Frage, in denen Sprachkenntnisse nicht die wichtigste Rolle spielen, etwa in der Reinigungsbranche, der Logistik oder als Küchenhelfer in der Gastronomie.

    Spaß und gute Laune gehören auch beim Lernen dazu: Die Azubis Athraa, Tala und Yasen mit "Extra-Locke"-Chefin Margit Rosentritt. Foto: Anand Anders

    Die Quote der Flüchtlinge an der Gesamtzahl der Arbeitslosen entspricht im Zuständigkeitsbereich der Arbeitsagentur Schweinfurt in etwa der bundesweiten. Im Arbeitsagenturbezirk Schweinfurt – das sind Stadt und Landkreis Schweinfurt sowie die Landkreis Haßberge, Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld – waren aktuell im Juli 650 Geflüchtete arbeitslos gemeldet – 8,8 Prozent aller Arbeitslosen. Die meisten stammen aus Syrien (395 Personen), gefolgt von afghanischen Staatsbürgern (89). Rund zwei Drittel waren Männer und knapp die Hälfte jünger als 35 Jahre. Ende 2018 hieß es, dass immer mehr Flüchtlinge aus den Jobcentern heraus Arbeit finden. 

    90 Prozent in Helferjobs

    16 Prozent der Menschen dieser Personengruppe würden eine Tätigkeit im Fachkräftebereich beziehungsweise als Spezialist oder Experte anstreben, hieß es im Juli-Bericht der Arbeitsagentur Schweinfurt. Doch wie realistisch sind die Wünsche Geflüchteter, ohne größere Aus- oder Weiterbildung als spezialisierte Fachkräfte Arbeit zu finden? Offenbar nicht sehr groß. 90 Prozent der Migranten, die sich aus der Arbeitslosigkeit abmelden, nähmen Helfertätigkeiten in der Logistik, als Lagerarbeiter, in Reinigungsbetrieben oder der Gastronomie auf, sagt im Pressegespräch Klaus Seebach, stellvertretender Leiter der Arbeitsagentur Schweinfurt. Viele Syrer, die den Großteil der Migranten mit Arbeitserlaubnis stellen, drängten in handwerkliche Berufe.

    Qualifizierte Fachkräfte mit Ausbildung nach hiesigem Standard sind unter diesen 90 Prozent, die meist von den Jobcentern aus in Arbeit finden, demnach kaum dabei. Das haben die Experten der Arbeitsagentur aber auch nicht erwartet. Mit qualifizierten Fachkräften sei nach dem Erwerb der erforderlichen Sprachkenntnisse und einer Ausbildung frühestens nach fünf Jahren zu rechnen, hieß es schon auf dem Höhepunkt des Flüchtlingszustroms. Der Start in den Arbeitsmarkt mit Helfertätigkeit sei aber auch ein Ansatz für Betriebe nach dem Motto, wenn Einsatz und Zuverlässigkeit stimmten, könnten Weiterbildung und zusätzliche Qualifikation folgen, so Seebach.  

    Ziel: Die Jungen gut ausbilden

    Erwachsene über 40 dürften eher selten noch einen Berufsabschluss erwerben, so Seebach. Doch ein Großteil der Flüchtlinge ist jung. Im Dezember letzten Jahres waren in der Region Main-Rhön 385 der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten aus den acht Asylherkunftsländern zwischen 15 und unter 25 Jahre alt, 400 waren im Alter zwischen 25 und unter 35. Bei den Jugendlichen, die Berufsintegrationsklassen besuchen, sei die Chance, dass sie mit guter Berufsausbildung zu echten Fachkräften werden, deutlich höher. Das ist jedenfalls das Anliegen der Arbeitsagentur, sagt Berufsberaterin Christin Pfenningsdorf.

    Nicht wenige benötigten allerdings zusätzlich ausbildungsbegleitende Hilfen, weil sie sonst die Berufsschule nicht schafften. "Wenn es um Förderung geht, sind finanzielle Ressourcen kein Thema", sagt Seebach, "die Mittel sind vorhanden." Unter jungen Flüchtlingen seien auch sehr begabte, so Christin Pfennigsdorf. "In der Mittelschule Sennfeld hat ein syrischer Schüler, der seit drei, vier Jahren hier ist, den besten Quali geschrieben."  

    Fachkräftestellen sind sicherer

    Etwa 80 Prozent der Flüchtlinge verfügen laut den Zahlen der Arbeitsagentur Schweinfurt über keine abgeschlossene Berufsausbildung, 6,3 Prozent hätten eine solche und 8,7 Prozent einen akademischen Abschluss. Zu den offiziell als arbeitslos zählenden Flüchtlingen kommen weitere 560, die an Integrationskursen oder Qualifizierungsmaßnahmen teilnehmen und nur deshalb definitorisch nicht als arbeitslos gelten.

    Wenn der Markt in den nächsten Jahren bleibt wie zurzeit und nur wenige Flüchtlinge dazu kommen, müsste die Arbeitslosigkeit bei diesen weiter sinken, meint Seebach. Die Jungen gut zu qualifizieren, scheint dafür ein besonders wichtiger Beitrag zu sein. "Nur 20 Prozent unserer gemeldeten Stellen sind Helferstellen", sagt Seebach, "80 Prozent nicht." Hier sind Fachkräfte gefragt. Ihre Jobs sind nach den Erfahrungen der Arbeitsagentur deutlich sicherer als Helferstellen.

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