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    SCHWEINFURT

    Wie ist die Stimmung bei Mainfrankens Bauern?

    „Wir säen gemeinsam die Saat für eine erfolgreiche Zukunft“, ertönt es aus den Lautsprechern. Effizienz und Nachhaltigkeit seien die wichtigsten Erfolgsfaktoren der Landwirtschaft. Die Bauern unter den offiziell rund 50 000 Besuchern auf dem Fendt-Feldtag in Wadenbrunn (Lkr. Schweinfurt) hören sich an, wohin ihre Branche steuert. Glaubt man dem Veranstalter, einem der weltweit größten Hersteller von Traktoren und Erntemaschinen, wird die Arbeit auf dem Acker vor allem produktiver, präziser und digitaler.

    In den letzten Monaten geriet die Landwirtschaft immer wieder in die Schlagzeilen. Zu viel Nitrat in unserem Grundwasser, zu viel Spitzmittel in unserer Nahrung. Die Milchpreise sind im Keller und Schweineaufzucht lohnt sich nicht mehr. Nicht zuletzt fällt die Ernte aufgrund der Dürre in diesem Sommer geringer aus. Man könne meinen, die Landwirtschaft befände sich in einer großen Krise. Doch spricht man die Bauern auf der Messe auf diese Themen an, erntet man ein gleichgültiges Schulterzucken.

    Klöckners Hilfe wirkt nur kurzfristig

    „Es gibt gute Jahre und es gibt schlechte Jahre“, sagt Reinhard Hecker aus Eppingen. Im Nordwesten Baden-Württembergs bewirtschaftet er rund 200 Hektar Ackerfläche. Am Tag zuvor stellte Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) den Bauern finanzielle Unterstützung in Höhe von 340 Millionen Euro in Aussicht. Hecker hält wenig von dieser Subvention. „Das hilft nur kurzfristig und nächstes Jahr stehen wir vor dem gleichen Problem“, sagt er. Sein Sohn könne sich vorstellen, den Betrieb zu übernehmen – auch wenn es um die Landwirtschaft schon besser bestellt war.

    Vom vielzitierten „nationalen Notstand“ der Bauern ist hier in Wadenbrunn wenig zu spüren. Das mag auch dran liegen, dass die meisten der rund 50 000 Besucher der Messe aus Süddeutschland kommen. Brandenburg, Niedersachsen, Thüringen und Sachsen leiden laut Auskunft des Deutschen Bauernverbands besonders schwer unter der anhaltenden Trockenheit.

    Ein Bauer aus dem Landkreis Kitzingen macht sich Gedanken wegen des Klimawandels. „Wenn wir nur noch solche Jahre hätten, würde das unsere Existenz schon gefährden“, sagt der 54-Jährige, der namentlich nicht genannt werden möchte. Er wirft der Politik und den Medien vor, die aktuelle Dürre dramatischer darzustellen, als sie eigentlich ist. „Wetter ist eben Glückssache, das lässt sich nicht ändern“, sagt der Landwirt im Nebenerwerb. Grundsätzlich befürwortet er Klöckners Subventionen jedoch, weil seine Berufsgenossen davon profitieren würden.

    Große Maschinen auf staubigem Boden

    Die Bauern sind nicht wegen Dürre, Spritzmittel und Düngeverordnung auf der Messe. Sie wollen die neusten Maschinen bestaunen. In Latzhosen oder Lederhosen machen sie Selfies vor mannshohen Traktorreifen, während sich nebenan unter den neugierigen Blicken der Zuschauer riesige Mähdrescher durch staubtrockene Felder schieben. Fendt bietet Traktoren zwischen 60 000 und 400 000 Euro an. Erntemaschinen können über eine halbe Million Euro kosten.

    Es ist eine Leistungsschau. In Zukunft könnten Roboter im Schwarm die Saat ausbringen. Jeder einzelne ist so groß wie ein handelsüblicher Rasenmäher. Sollen die von künstlicher Intelligenz über Satelliten gesteuerten Roboter bald auch Felder in Unterfranken erobern? „Unterfranken?“, fragt ein Verkäufer hinter dem Messestand mit amerikanischem Akzent. Ja, auch in Unterfranken beteuert er nach einer kurzen Erklärung darüber, wo er sich gerade befindet.

    Landwirten wird oft nachgesagt, sich mit Pflanzen, Tieren und ihren Traktoren gleichermaßen auskennen zu müssen. Doch seit dem digitalen Wandel kommen Grundkenntnisse in der Informatik hinzu. Software wirkt wie ein Fremdkörper in der idyllischen Vorstellung von der Landwirtschaft. Grüne Wiesen, glückliche Kühe und Big Data.

    Digitalisierung verändert die Landwirtschaft

    Traktoren, die programmierten Routen folgen oder den Luftdruck selbstständig an die Bodenbeschaffenheit anpassen, sind dagegen schon Realität. Zwei ältere Besucher blicken sich argwöhnisch an, als in einem Werbefilm das Fahrerhaus eines Traktors gezeigt wird. Mit seinen Displays, Schaltern und Steuerknüppeln gleicht es eher dem Cockpit eines Flugzeugs. „Fährst du eigentlich noch selbst?“, fragt der eine den anderen. Beide grinsen.

    Dass sich ältere Landwirte schwer mit der Digitalisierung schwer tun, bestätigt Manuel Ruff. „Manche Anträge an Ämter kann man nur online stellen, da haben machen schon Probleme.“ Der Jungbauer vom Bodensee ist selbst schon einen Traktor gefahren, der vorgegebene Spuren automatisch einhält. Er begegnet der Digitalisierung aufgeschlossen, aber ohne übermäßige Begeisterung.

    „Wenn alles programmiert ist, funktioniert das schon ganz gut“, sagt der 26-Jährige. Aber ob das wirklich effizienter sei, stellt er in Frage. Seine Familie bewirtschaftet einen Biohof mit 35 Kühen. Die Dürre habe sich zwar negativ auf die Ernte des Futtermittels ausgewirkt, aber klagen möchte er nicht. „Die Ernte schwankt eben immer ein bisschen“, sagt Ruff. Daran ändert wohl auch die Digitalisierung nichts.

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