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    Schweinfurt

    Wie man junge Menschen von ihrer Heimat begeistern kann

    Der bayerische Stadtmarketingtag in Schweinfurt war ein Erfolg. Was die Stadtmanager aus der Wälzlagerstadt lernen konnten und warum auch der Handel Hausaufgaben hat.
    City-Flohmarkt der Einzelhändler und Straßenmusikfestival "Schweinfurt bunt erleben" an einem Tag – einer der Wege, wie das Schweinfurter Stadtmarketing Menschen nach Schweinfurt bringt. Mit dabei auch als einer der Höhepunkte die DDC-Breakdancer. Foto: Silvia Gralla

    "Stadtgeschichten neu schreiben, Stadt modern weiterdenken und präsentieren" – das war das Motto des bayerischen Stadtmarketingtages, zu dem sich kürzlich gut 100 Stadtmanager aus Bayern in der Kunsthalle in Schweinfurt trafen. Sie alle haben in ihren Städten die gleichen Sorgen: Leerstand in 1a-Lagen, sinkende Frequenz in den Innenstädten, starke Konkurrenz durch Internet-Giganten wie Amazon und Co. für den lokalen Handel. Was kann man dem entgegen setzen? Welche Ideen gibt es, die man auch woanders ausprobieren kann?

    "Die Städte- und Ortszentren sind ein Spiegelbild gesellschaftlicher Veränderungen", so Roland Weigert. Der Staatssekretär aus dem bayerischen Wirtschaftsministerium, das mit der Beratungsgesellschaft CIMA, dem Handelsverband und der Rid-Stiftung den 14. Stadtmarketingtag veranstaltete, betonte, die Herausforderung sei, die Trends rechtzeitig zu sehen und vor Ort umzusetzen.

    Umbau des Ernst-Sachs-Bades zur Kunsthalle als Erfolgsmodell

    Der Schweinfurter Citymanager Thomas Herrmann, der den Tag vor Ort gemeinsam mit Kunsthallen-Chefin Andrea Brandl organisierte, war jedenfalls angetan von Austausch und Input. Die Themen, die Schweinfurt beschäftigen, seien auch in anderen Orten relevant. Und die positiven Beispiele aus der Wälzlagerstadt hilfreich. So die Kunsthalle, die ein Paradebeispiel für sinnvollen Umbau eines Leerstandes ist. Als das Ernst-Sachs-Bad geschlossen wurde, kam später die Idee, es zu einer Kunsthalle umzubauen. Das war 2009, jetzt nach zehn Jahren hat sich ein deutschlandweit anerkanntes Museum für zeitgenössische deutsche Kunst nach 1945 etabliert, in das mehrere zehntausend Besucher pro Jahr kommen.

    Die Schweinfurter Wirtschaftsförderin Pia Jost stellte die Ideen zur Weiterentwicklung Schweinfurts von einer klassischen Industriestadt zur "Innovationsstadt" vor, sprich die Planungen, die es im Rahmen der Neugestaltung der Konversions-Liegenschaften in den ehemaligen Ledward-Kasernen zum Ausbau der Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt mit internationalem Campus und deutschlandweit einmaligem Robotik-Studiengang gibt.

    Eine Erkenntnis für Thomas Herrmann aus den Vorträgen: "Es gibt ständige Veränderung", was bedeutet, dass es kein klassisches Stadtmarketing gibt, sondern immer die Bandbreite vom Veranstaltungs- bis zum Leerstandsmanagement, von analoger Werbung bis zu allen gängigen Online-Formaten. "Unsere Aufgabe ist es, die Stadt mit Besuchern voll zu bekommen", so Herrmann, "dem Handel seine Aufgabe ist es, die Menschen in die Läden zu bekommen und Umsätze zu generieren."

    Stadtmarketing als Imagebildung auch bei jungen Menschen

    Wie kann man das Einkaufsverhalten der Menschen ändern? Wie kann man sie vom Sofa holen und in die Stadt bringen? Wichtige Fragen für gutes Stadtmarketing, auf die es in Teilen auch Antworten gab. "Man darf keine Angst vor Fehlern haben", so Herrmann. Also lieber neue Werbeformen wagen, als auf Althergebrachtes setzen, das aber kaum Wirkung entfaltet. Die Stadt Schweinfurt hat zum Beispiel bereits sehr gute Erfahrungen mit zwei bezahlten Instagram-Kampagnen mit regionalen Influencern zum Thema Shoppen in der Stadt und zum Landesturnfest gemacht.

    Interessant war auch der Vortrag von André Braun, dem Geschäftsführer der Fivee Media Service Group aus Würzburg. Er erläuterte am Beispiel von Teenagern, wie wichtig zielgruppengerechte Ansprache ist und wie weit entfernt davon manche Städte sind. Für Braun ist klar, dass es sich lohnt, junge Menschen für ihre Heimat zu begeistern. Denn entweder bleiben sie gleich vor Ort oder kommen nach dem Studium wegen der positiven Erfahrungen zurück.

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