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    Kreis Schweinfurt

    Wie sich Dörfer für die Zukunft fit machen können

    Es ist ein gelungenes Beispiel der Dorferneuerung und vielleicht wird es auch ein preisgekröntes: Das 2017 fertiggestellte Rückert-Poetikumin Oberlauringen wird als beispielhafte Maßnahme für den "Staatspreis Ländliche Entwicklung 2019" ins Rennen geschickt. Der Wettbewerb findet jährlich alternierend zwischen "Dorf- und Landentwicklung" und "Dorferneuerung und Baukultur" statt. Für Letzteres schlägt das Amt für Ländliche Entwicklung (ALE) Unterfranken das Rückert-Poetikum dem Ministerium vor.

    "Die Chancen stehen nicht schlecht", wagt Johannes Krüger, Sachgebietsleiter für Land- und Dorfentwicklung am ALE in Würzburg, eine vorsichtige Prognose. Denn mit dem Rückert-Poetikum wurde im Zuge der Dorferneuerung nicht nur ein Kleinod geschaffen, das für die Vermittlung von Literatur, Poesie und der Gedankenwelt eines Dichters wegweisend ist, sondern Oberlauringen hat damit auch ein Alleinstellungsmerkmal bekommen. Das ist preisverdächtig. Eine Kommission wird im Laufe des Jahres darüber entscheiden. Die Verleihung erfolgt dann im November.  

    Schonungen investiert Millionen und profitiert von hohen Zuschüssen

    Über 300 Projekte zur Gemeindeentwicklung laufen aktuell in Unterfranken. Vielerorts geht die Dorferneuerung mit notwendigen Infrastruktur- und Kanalbaumaßnahmen einher. So wie in dem SchonungerOrtsteil Hausen. Die Gemeinde investiert hier Millionen und kann dabei beachtliche Zuschusstöpfe ausschöpfen. Der Fokus liegt in Hausen auf die Neugestaltung der Hauptstraße und des Kirchplatzes. Das Kirchenportal soll einen Vorplatz erhalten, der mit Treppenstufen eingefasst ist. Außerdem ist ein barrierefreier Zugang geplant.

    Die Pkw-Stellplätze werden verlegt und die Bushaltestelle überdacht. In der Hauptstraße wechseln sich gepflasterte Parkplatzflächen mit Grünbereichen ab. Fußgänger können auf einem Gehweg parallel zur Hauptstraße am Bach entlang flanieren. Und am Ortseingang soll ein farbiger Fahrbahnbelag die beiden schräg gegenüberliegenden Bushaltestellen verbinden und Autofahrer vor Fußgänger warnen.

    Die Teilnehmergemeinschaft hat den Plan einstimmig abgesegnet, genauso der Gemeinderat. Auch die Hausener zeigten sich in einer Bürgerversammlung angetan von der Planung. "Jeder Quadratmeter soll sinnvoll genutzt und gestaltet sein!“, erklärt Bürgermeister Stefan Rottmann, der mit der Dorferneuerung die positive Entwicklung des Ortsteils in den letzten Jahren fortsetzen will. So wurden bereits die alte Schule saniert und das Feuerwehrhaus partiell umgebaut. Neue Bauplätze entstehen gerade am Kellerweg. Auch der Breitbandausbau ist abgeschlossen. Fehlt nur noch die Freischaltung des Mobilfunkmasten.

    Dorferneuerung will den ländlichen Raum stärken

    "Der ländliche Raum steht vor großen Herausforderungen", unterstreicht Johannes Krüger die Bedeutung der Dorferneuerungen für die Zukunftssicherung der Gemeinden. Dabei geht es einerseits um die bauliche Innenentwicklung, also den Erhalt der Ortskerne, andererseits um die soziale Dorferneuerung, den Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen und der Kulturlandschaft. "Jeder Euro, den wir in die Dörfer investieren, bringt sieben Euro an Nachfolge-Investitionen", verweist Johannes Krüger auf das hohe Quantum an Wertschöpfung, das durch die Dorferneuerung in der Region bleibt. 

    Dabei unterscheidet man verschiedene Arten von ländlicher Entwicklung: die reinen, umfassenden Dorferneuerungen (aktuell zwölf Verfahren im Landkreis Schweinfurt), die kombinierten, mit einer Flurneuordnung verbundenen Dorferneuerungen (sechs Verfahren) und die einfache Dorferneuerung (elf Verfahren). Letztere beziehen sich immer nur auf ein Objekt, zum Beispiel die Sanierung eines Dorfgemeinschaftshauses. "Hier haben wir in den letzten Jahren dutzende Projekte durchgeführt", sagt Johannes Krüger. Dann gibt es noch die Integrierte Ländliche Entwicklung (ILE) und den Wettbewerb Öko-Modellregion in Bayern, eine davon ist das Obere Werntal.

    Je nach Aufgabenstellung wählen die Kommunen aus den vom ALE angebotenen Verfahren aus. Bei der Integrierten Ländlichen Entwicklung schließen sich benachbarte Gemeinden freiwillig zu Kommunalen Allianzen zusammen, um ihre Region attraktiver zu gestalten. Beispiele sind der Schweinfurter Mainbogen (Gochsheim, Grafenrheinfeld, Grettstadt, Röthlein, Schwebheim, Sennfeld), das Obere Werntal (Bergrheinfeld, Dittelbrunn, Euerbach, Geldersheim, Niederwerrn, Oerlenbach, Poppenhausen, Waigolshausen, Wasserlosen, Werneck), das Schweinfurter Oberland (Maßbach, Rannungen, Schonungen, Stadtlauringen, Thundorf, Üchtelhausen) und die Region Main-Steigerwald (Dingolshausen, Donnersdorf, Eisenheim, Frankenwinheim, Gerolzhofen, Kolitzheim, Lülsfeld, Michelau, Oberschwarzach, Schwanfeld, Sulzheim, Wipfeld). 27 solcher Allianzen bestehen bereits in Unterfranken, vier weitere sind in Planung.

    Vier Gemeinden entwickeln Zukunftsperspektiven

    Bei einer Gemeindeentwicklung geht es erst einmal um Recherche. Das ALE ermittelt gemeinsam mit den Bürgern den Handlungsbedarf für alle Ortsteile einer Gemeinde und erstellt ein Gemeinde-Entwicklungskonzept, aus dem Zukunftsstrategien und wichtige Maßnahmen für das gesamte Gemeindegebiet abgeleitet werden. In dieser Phase befinden sich im Landkreis Schweinfurt die Gemeinden Poppenhausen, Werneck, Oberschwarzach und Üchtelhausen. 

    Ein weiteres Instrument ist die Flurneuordnung. Sie erleichtert Landwirten die Feldarbeit durch Zusammenlegung von Grundstücken und den Bau neuer Wirtschaftswege. Parallel dazu erfolgen Maßnahmen für Naturschutz, Freizeit und Erholung. Flurneuordnungsverfahren laufen aktuell in Bergrheinfeld, Egenhausen, Ettleben, Euerbach, Falkenstein, Gochsheim, Kronungen, Maibach, Oberspiesheim, Pfersdorf, Poppenhausen, Üchtelhausen, Unterspiesheim, Waigolshausen, Zeilitzheim und Zeuzleben. In der Vorbereitungsphase befindet sich die Flurneuordnung für die Gemeinden Ballingshausen, Kolitzheim, Mönchstockheim und Stettbach.

    Stärkung der Dorfgemeinschaft

    Bei der klassischen Dorferneuerung sollen die Dörfer fit für die Zukunft gemacht werden. Gemeinsam mit den politisch Verantwortlichen machen sich hier die Bürger Gedanken, wie man sich zu einem attraktiven und vitalen Lebensraum entwickeln kann. Dabei geht es nicht nur um Straßenraum- und Platzgestaltung, sondern vor allem auch um die Belebung der Dorfkultur. Ein Leitziel ist beispielsweise die Stärkung der Dorfgemeinschaft. Aktuell läuft das Verfahren für die Orte Fuchsstadt, Hain, Kolitzheim, Michelau, Obbach, Pfersdorf, Schwanfeld, Seestern, Sömmersdorf, Sulzheim und Wettringen sowie am Haßbergtrauf, das sind die vier Gemeinden Birnfeld, Mailes, Oberlauringen und Wetzhausen. 

    Manchmal haben Gemeinden sowohl strukturelle Mängel als auch einen Neugestaltungsbedarf. In solchen Fällen können Flurneuordnung und Dorferneuerung gleichzeitig durchgeführt werden. Aktuell geschieht dies in Forst, Geldersheim, Hausen, Hergolshausen, Oberwerrn und Sulzdorf.

    ALE Unterfranken fördert und berät

    Wäre letztlich noch die einfache Dorferneuerung. Sie ist geeignet für projektbezogene Vorhaben, für die keine öffentlich-rechtlichen Regelungen erforderlich sind. In der Regel ist hier die Gemeinde Bauherr. In elf Gemeinden im Landkreis Schweinfurt laufen momentan solche einfachen Dorferneuerungen. In Euerbach zur Beseitigung von Leerständen, in Heidenfeld für die Neugestaltung zweier Dorfplätze, in Kronungen für die Sanierung des Backhauses, in Mailes für den Umbau des alten Brauhauses, in Mühlhausen und Vasbühl für die Neugestaltung eines Dorfplatzes, in Pfändhausen und in Theilheim für die Sanierung der alten Schule, in Wasserlosen für die Sanierung des Rathauses, in Wülfershausen für die Wiederinstandsetzung des Backhauses und in Zeilitzheim für die Umgestaltung des Marktplatzes.

    Ganz neu im Rahmen der Dorferneuerung ist die Förderung von Kleinstunternehmen der Grundversorgung wie Dorfladen, Bäcker oder Dorfwirtshaus. Acht Projekte wurden bereits genehmigt, aus dem Landkreis Schweinfurt ist ein Metzger aus Mönchstockheim dabei. Ebenfalls neu im Förderprogramm ist das Netzwerk "Heimatunternehmen", in dem sich kreative Menschen aus der Region zusammenschließen können.

    Betreut werden alle Projekte vom Amt für Ländliche Entwicklung in Würzburg, das planerische, finanzielle und organisatorische Hilfe leistet. Erfolgreich verläuft die Gemeindeentwicklung aber nur, wenn sich die Menschen vor Ort auch einbringen. "Die Bürgerbeteiligung ist das A und O", sagt Johannes Krüger, "denn die Bürger sind die Experten für ihren Heimatort."

    Dorferneuerung
    Voraussetzung für eine Dorferneuerung ist ein Antrag der Gemeinde und die Aufnahme in das Bayerische Dorfentwicklungsprogramm durch das Amt für Ländliche Entwicklung. Je nach Finanzkraft einer Gemeinde werden gemeinschaftliche Projekte bis zu 60 Prozent bezuschusst. Die Förderung kann erhöht werden bei besonders finanzschwachen Gemeinden, bei sehr negativer demografischer Entwicklung, bei interkommunaler Zusammenarbeit von Gemeinden oder bei besonderen Ausgaben für energiesparende Maßnahmen. Auch Privatleute bekommen Zuschüsse für Sanierungsmaßnahmen, und zwar bis zu 30 Prozent je Anwesen. Bei besonders wertvollen Gebäuden kann sich die Förderung sogar auf bis zu 60 Prozent erhöhen. Das Landratsamt Schweinfurt unterstützt private Sanierungsmaßnahmen mit kostenfreien Beratungsgutscheinen. Seit November 2017 wurden insgesamt 103 Beratungsgutscheine in 21 Landkreisgemeinden ausgegeben. Aktuell liegen 32 Anträge auf Abriss- und Entsorgungsförderung in insgesamt 19 Gemeinden vor; die voraussichtliche Förderung wird bei knapp 170 000 Euro liegen. Die Beratungsgutscheine laufen aktuell noch bis Ende Oktober 2019.

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