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    Schweinfurt

    Wie wird Nahverkehr in Schweinfurt attraktiver und grüner?

    Was bringt Menschen dazu, auf den Stadtbus umzusteigen? Eine Frage, die sich nicht nur SPD, Grüne und Linke im Stadtrat stellen, sondern auch die CSU. Die Ansätze: verschieden.
    Wie kann man mehr Menschen überzeugen, dass sie vom Auto auf den Bus umsteigen? Eine Frage, an der sich im Schweinfurter Stadtrat die Geister scheiden. Foto: Irene Spiegel

    Dass der Öffentliche Personennahverkehr in Schweinfurt noch besser genutzt werden sollte, darin sind sich wohl alle Stadträte einig. Die große Frage ist nur: Wie kann man die Menschen dazu bringen, vom Auto auf den Stadtbus umzusteigen? Und: wie sieht die Zukunft der Flotte umwelttechnisch aus? Was muss  und will man sich leisten, um den Schweinfurtern ein gutes ÖPNV-Angebot zu machen? Die Fraktionen hatten in den Haushaltsberatungen für 2020 einige Vorschläge. 

    Das betrifft zum einen die Preise. Die wurden in der Vergangenheit immer wieder angehoben, zuletzt im Juli dieses Jahres – wegen gestiegener Personal- und Betriebskosten. Die Fahrgastzahlen der Busse der Stadtwerke seien leicht rückläufig, so die Grünen. Doch genau das sei der falsche Trend. Nach dem Klimaschutzkonzept der Stadt sollen die Fahrgastzahlen steigen, um den CO2-Ausstoß zu drücken. Was also tun? Gegensteuern, sagen die Grünen. Die Stadt müsse Geld in die Hand nehmen und subventionieren. Einen Anfang sollte man im kommenden Jahr machen und die steigenden Preise für einen Teil der Fahrgäste auffangen: Rentner, Studenten, Auszubildende, Schüler und Inhaber des Sozialpasses. 400 000 Euro wollten die Grünen dafür in den Haushalt 2020 eingestellt haben.

    Auch, weil ihrer Ansicht nach zwei Dinge drohen: Auf der einen Seite würden die Buspreise bei der Einrichtung eines Verkehrsverbunds Mainfranken in der Stadt steigen, zum anderen wackele der bisherige Ausgleich des Defizits aus dem ÖPNV innerhalb der Stadtwerke. Aktuell, so Finanzreferentin Anna Barbara Keck auf Nachfrage, liegt das Defizit im einstelligen Millionen-Bereich. Sei es aktuell noch möglich, mit Gewinnen Defizite aus den Bereichen aufzufangen, die zwar bezuschusst werden, aber ein Defizit bringen, könnte das nach Ansicht der Grünen bald anders aussehen. Nach EU-Recht wäre eine solche Quersubvention von ÖPNV und Silvana über die Erträge aus Strom und Gas innerhalb des Konzerns Stadtwerke kaum noch möglich. Die Entscheidung liege aktuell bei den Gerichten.

    Was bringt der Verkehrsverbund? Noch ist alles offen

    Was laut Thomas Kästner, Geschäftsführer der Stadtwerke, zwar richtig ist. Er sieht die Quersubvention aber aktuell nicht gefährdet. Bei den genannten Gruppen gebe es, trotz gestiegener Preise, unterm Strich eine Erhöhung der Fahrgastzahlen. Und im übrigen gelten für sie eh Sondertarife. Sowohl er als auch Finanzreferentin Keck quittierten die Bemerkung von Reginhard von Hirschhausen, der Verkehrsverbund werde steigende Preise bringen, mit einem leichten Kopfschütteln. Werden die Preise steigen, was nicht nur Thomas Schmitt (Bündnis 90/Die Grünen), sondern auch Ulrike Schneider (Schweinfurter Liste) in der Sitzung des Aufsichtsrates der Stadtwerke so verstanden hatten? Was der Verkehrsverbund, der im übrigen vom Bund stark gefördert werde, genau für die Stadt bringe, stehe noch in den Sternen, erklärte Keck. Aktuell würden Daten zusammengetragen, laufen Untersuchungen.

    Dass Preise entscheidend sind, wie attraktiv der ÖPNV für die Menschen ist, betonte Frank Firsching (Die Linke). Man müsse – auch durch Zuschüsse– versuchen, das jetzige Niveau zu halten. Ulrike Schneider verwies auf andere Städte, beispielsweise Pfaffenhofen, die ihre Stadtbusse kostenlos anbieten. Dass Schweinfurt die niedrigsten Preise in Bayern habe, wie Kästner betont hatte, sei vielleicht in Zukunft auf dem bisherigen Weg nicht mehr zu halten. Für den Antrag der Grünen, den ÖPNV für bestimmte Personengruppen schon ab 2020 zu fördern, gab es nur sechs Stimmen. Die CSU hatte dem Vorschlag eine Absage erteilt. Er sei nicht "finanzierbar", so Fraktionsvorsitzender Stefan Funk, und unnötig. Der ÖPNV in der Stadt sei gut ausgebaut und günstig.

    Grüne: Elektro-Bus im Leasing-Vertrag für die Stadtwerke

    Abgelehnt wurde auch ein anderer Vorstoß der Grünen: Die Stadt sollte ein Budget von 800 000 Euro einplanen, um einen Elektro-Bus anzuschaffen, der den Stadtwerken über einen Leasing-Vertrag zur Verfügung gestellt werden sollte. Eine Idee, die Geschäftsführer Kästner nicht begeisterte. Man habe schon einen Elektro-Bus ausgetestet – und sei nicht zufrieden gewesen. Sind dann Wasserstoffbusse die Lösung? Die Technik steht laut Kästner noch am Anfang. Ob sie für Schweinfurt eine Option sein könnte, auch in Sachen Stadtbus-Flotte, soll ein Workshop prüfen. Den hatte Finanzreferentin Keck während der Haushaltsberatungen angekündigt. Gemeinsam mit der Industrie wolle man prüfen, was diese Technik Schweinfurt bringen könnte.

    Eine Grundsatzdebatte entwickelte sich in den Haushaltsberatungen auch am Antrag der Linken, die Stadtbusse an allen Samstagen kostenlos anzubieten, sowie der SPD, dies an den Adventssamstagen zu tun. Die Kosten, die dadurch den Stadtwerken entstünden, sollte die Stadt tragen. Warum? Um den Menschen das Thema Busfahren schmackhaft zu machen, so Sinan Öztürk. Schon für den Haushalt 2019 hatte die Linke einen ähnlichen Antrag gestellt, damals nur für die Weihnachtssamstage. Diskutiert wurde im Ausschuss auch diesmal ähnlich: Führt ein kostenloses Angebot dazu, dass jemand von Auto auf Bus umschwenkt? Sind solche Angebote nicht besser unter der Woche, wie Oliver Schulte meinte? Und ist eine solche Subventionierung überhaupt, wie Bernd Weiß (CSU) bemerkte, rechtlich möglich?

    Das Ergebnis dasselbe wie 2018: kostenlose Busse werden in Schweinfurt erstmal weder an Adventssamstagen noch an normalen Samstagen fahren, aber es gab zumindest einen Kompromiss, den Oberbürgermeister Sebastian Remelé (CSU) nach mehrstündiger Debatte zum Thema vorschlug: Die Stadtwerke planen einen Tag der offenen Tür und Aktionstag ÖPNV im Rahmen der Mobilitätswoche, bei dem einen Tag lang kostenlos Bus gefahren werden darf.

    Ist es sinnvoll, dass alle Busse den Busbahnhof am Roßmarkt anfahren und von dort wieder wegfahren oder wären Ringlinien besser für Schweinfurt? Foto: Anand Anders

    Welche Linienführung durch Schweinfurt ist die bessere?

    Eine grundsätzliche Frage sprach CSU-Stadträtin Stefanie Stockinger-von Lackum mit ihrem Antrag an, dass Ringlinien zwischen den Stadtteilen besser seien, da man durch das auf den Busbahnhof am Roßmarkt ausgerichtete System oft viel Zeit für nur wenige Kilometer brauche.

    Damit stieß sie aber bei Stadtwerke-Chef Kästner auf wenig Gegenliebe. Das System Busbahnhof habe sich bewährt und sei für eine Stadt der Größe Schweinfurts richtig. Man prüfe genau, welche Linien wie genutzt werden und es zeige sich, dass die Menschen aus den Wohngegenden in die Stadt und zu ihren Arbeitsplätzen wollen, aber kaum zwischen den Wohngebieten fahren. Die neu eingeführte Campus-Linie zwischen Hauptbahnhof und FH zeige, dass Querlinien länger brauchen, um akzeptiert zu werden.

    Das Thema als Prüfantrag zu werten und Anfang 2020 zu berichten, stellte Stockinger-von Lackum nicht zufrieden. Wenn man zwischen Stadtteilen wie Eselshöhe und Deutschhof "immer länger im Bus sitzen muss, wird das absolut unattraktiv".

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