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    Schweinfurt

    Wird der neue Busfahrplan wieder geändert?

    Warum wurden im neuen Stadtbusfahrplan Fahrten gestrichen? Darüber müssen die Verantwortlichen der Stadtwerke nun dem Aufsichtsrat Rechnung ablegen, nachdem es Proteste und Beschwerde von Fahrgästen hagelt. Foto: Gerd Landgraf

    "Wir sind von der Vehemenz der Kritik überrascht." Dieses "Rückschlagpotenzial" auf den neuen Busfahrplan der Stadtwerke hatte Geschäftsführer Thomas Kästner nicht erwartet. Die Streichung einzelner Fahrten in den Abendstunden und an Wochenenden hat einen Sturm der Empörung und eine Flut an Beschwerden ausgelöst.Vor allem in den sozialen Netzwerken wurde die Keule ausgepackt. "Das ist unglaublich frustrierend. Man hat den Eindruck, wir würden den Betrieb einstellen." Tatsächlich aber seien es nur 3,5 Prozent Fahrten weniger als 2018. "Und davon sind unter ein Prozent der Kunden betroffen", hat Kästner ausgerechnet. 

    Überrascht ist Stadtwerke-Geschäftsführer Thomas Kästner von den Protesten gegen neuen Fahrplan. Foto: Anand Anders

    Warum dann dieser Aufschrei? "Ja, es gibt einige Betroffene, aber mit Blick auf die Nutzung der gestrichenen Fahrten ist die Quote gering", sagt Kästner. Beispiel Schichtarbeiter: "Die 22-Uhr-Linie wurde jahrelang nicht angenommen." Es seien keinesfalls hunderte von Arbeitern betroffen, wie der Aufschrei der Betriebsräte von Schaeffler und Bosch Rexroth vermuten lassen könnte. Oder die Linie 51 ins Hochfeld: "Die beiden letzten Fahrten waren mit eins bis zwei Nutzern so gut wie Leerfahrten." Oder der Sonntagsbus hoch zum Sonnenteller: "Der wurde noch nicht mal homöopathisch angenommen." Mit dem Kursbuch 2019 werden täglich 713 Fahrten angeboten. "Das ist enorm. Wir haben keine Fahrt angefasst, die gut frequentiert war."

    Thomas Kästner: "Die Stadt Schweinfurt ist mit ihren Fahrpreisen die günstigte in Bayern."

    Der Öffentliche Nahverkehr in Schweinfurt habe nach wie vor ein hohes Servicelevel und hohes Qualitätsniveau, verweist der Stadtwerke-Geschäftsführer auf die moderne Busflotte, die gute Pünktlichkeitsrate, das kostenfreie WLAN in den Stadtbussen, die Flexi-Jahreskarte oder das neue E-Ticket. Und: "Die Stadt Schweinfurt ist mit ihren Fahrpreisen die günstigte in Bayern." Und das bei steigenden Kraftstoffpreisen und Personalkosten. Angesichts des mehrstelligen Millionenbetrags, mit dem der Öffentliche Nahverkehr jährlich aus den anderen Stadtwerke-Geschäftsfeldern quersubventioniert werden müsse, sei es Aufgabe der Geschäftsleitung, die Wirtschaftlichkeit einzelner Linien immer wieder auf den Prüfstand zu stellen.  "Das ist eine tägliche Übung", erklärt Kästner die Tatsache, dass bei der Erstellung des neuen Fahrplans der Aufsichtsrat nicht eingeschaltet wurde. Die "Anpassungen" müssten lediglich der Regierung von Unterfranken zur Prüfung vorgelegt werden. Das sei geschehen,"und sie wurden vom Nahverkehrsbeauftragten genehmigt". 

    Beschwerden werden ausgewertet

    Nichtsdestotrotz nimmt Kästner die Kritik der Fahrgäste ernst. "Es gibt fundierte Beschwerden, und die werden wir nun auswerten." Vereinbart sind bereits Gespräche mit den Betriebsräten der Großindustrie, um die Bedürfnisse der Schichtarbeiter auszuloten. Darüber hinaus ist geplant, mit den betroffenen Gemeinden und dem Landkreis die Änderungen zu besprechen und soweit erforderlich Korrekturen vorzunehmen, heißt es in einer Mitteilung der Stadt Schweinfurt. Oberbürgermeister Sebastian Remelé beruft zudem eine Sonderaufsichtsratssitzung der Stadtwerke Schweinfurt ein. Gegenstand sind die Änderungen im Fahrplan der Stadtbusse ab 1. Januar 2019.  Die Verantwortlichen der Stadtwerke sollen in der Sitzung die Änderungen des Fahrplans vorstellen und gestrichene Fahrten begründen, da die Aufsichtsräte bislang nicht über die Fahrplanänderungen informiert waren, so Pressesprecherin Anna Barbara Keck. Die Sondersitzung soll in der kommenden Woche stattfinden.

    "Wir werden schauen, ob man kurzfristig etwas ändern kann", verspricht Kästner, räumt aber gleich ein: "Das ist nichts, was man übers Knie brechen kann." Denn für die Einsatzplanung des Personals brauche man einen gewissen Vorlauf.

    Apropos Personal: Die Streichung einzelner Fahrten hatte laut Kästner keine negativen Auswirkungen auf die Belegschaft. Im Gegenteil: "Wir konnten unsere Fremddienstleistungen etwas reduzieren und können nun wieder mehr Strecken selbst bedienen."

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