• aktualisiert:

    Oberlauringen

    Zeitreise in Oberlauringen: Frische Blumen vom kleinen Friedrich

    Großer Andrang bei den "Lebendigen Bildern" aus Rückerts Kinderzeit: Wie der Rückert-Arbeitskreis die Geschichte lebendig werden lässt. 
    Rückerts Schweinfurter Tanten, die Muhmen werden von den "Rückert Kindern" empfangen Foto: Martina Müller

    Diese verrückten Krauts. Gärender Weißkohl gilt seit dem Mittelalter als deutsches Nationalgericht, besser bekannt als "Sauerkraut": früher die Vitaminpille für die kalte Jahreszeit. Der Friedrich Rückert-Arbeitskreis Oberlauringen (FRAKO) hat dem Dorfkrautschneider Graumann eine eigene Station gewidmet, bei den "Lebenden Bildern" aus den Kindertagen des Dichterfürsten (1788 - 1866).

    Vergangenheit und Gegenwart treffen sich: Rückerts Oma trifft ihre Enkel und deren Freund.  Foto: Martina Müller

    Der wuchs als Amtmannssohn in Oberlauringen auf, in den Jahren zwischen 1793 und 1802. Zu den poetischen Erinnerungen zählt ein Gedicht über den Krauthobler, der unweit vom Schlosspark gewohnt hat. Zur Erntezeit hieß es im ganzen Dorf Weißkohl schnippeln, für die Wintervorräte. Der arme Graumann hat sich dabei öfters mal in die Finger geschnitten, wenn er "nach den Weibern geglotzt hat". Die Graumäninn hält ihm eine Standpauke: "Tropf, schneid doch einmal dein Fleisch, in deinem eigenen Hause". Ein Fall für den Barbier, den Wundarzt.

    Den Krauthoblern hat Friedrich Rückert auch ein Gedicht gewidmet.  Foto: Martina Müller

    Das Wetter war den "Frakos" (wie Bürgermeister Friedel Heckenlauer seine rührigen Rückertianer nennt) am Sonntag gewogen, ebenso das Publikum: eigentlich waren nur zwei Touren geplant, beim kleinen Historienspiel am Rückertrundweg, mit kostümierten Darstellern. Ob der großen Nachfrage wurde noch eine Führung eingeschoben. "Schon beim ersten Durchgang waren es 50 bis 60 Leute", freut sich Klaus Derleder, der in die Rolle (und die Gewandung) von Amtmann Johann Adam Rückert geschlüpft ist, dem Vater. Hans Mager führt das Volk durchs Dorf, nach einem Hornsignal.

    Die Muhmen aus der  Stadt 

    Erste Station ist die Alte Post, heute ein Biker-Gasthaus, wo statt Kutschen schwere Motorräder parken. Die beiden Muhmen aus der Stadt sind da, und werden von den kleinen Rückerts in Empfang genommen: Friedrich, Heinrich und Sophie. "Wenn der Friedrich weiter so wächst, wird er noch zwei Meter groß", freuen sich die Schweinfurter Tanten. So kam es dann auch. Der kleine Friedrich war nicht nur ein Sonnenschein: Laut Gedicht hat er die Strohblumen auf den Hüten der beiden Damen verbrannt, und durch frische Blumen ersetzt.

    Baron Karl August Truchsess zu Wetzhausen: Auch er spielte eine Rolle im Leben der Rückerts.    Foto: Martina Müller

    Weiter gehts zum Schloss, wo Carl August Truchsess von Wetzhausen zu Oberlauringen huldvoll seine Untertanen erwartet. Der reichsunmittelbare, nur dem Kaiser unterstellte Freiherr hat's schwer: Er kann nicht mehr so prachtvoll Hof halten, wie es einem "kleinen Sonnenkönig" in Franken zusteht. In Frankreich war gerade Revolution, Napoleons Truppen ziehen plündernd durchs Land, die Bevölkerung leidet (auch) unter der Kriegssteuer. Ein Bauernkind bittet auf Knien um Schonung.

    Warum Rückerts Vater Probleme mit seinem Chef hatte  

    Amtmann Rückert steht auf der Treppe am weißen Haus und muss sich einen regelrechten "Trumptweet" anhören, weil er die Abgaben nicht rigoros genug eintreibt. Am Ende wird er gefeuert. Um an Geld zu kommen, hat der Baron "Schutzjuden" ins Dorf geholt, die er ebenfalls zur Kasse bittet und malträtiert, bei Kartenspiel und Schweinebraten, laut Friedrichs Erinnerungen.

    Johann Adam Rückert mit seinen Kindern vor den Gräbern seiner Familie Foto: Martina Müller

    Vom einstigen Amtmannshaus, im "Rückertgarten" zwischen Schloss und Kirchenburg, sind nur noch Eingangspforte und Keller geblieben. Hier haben die Rückertsprösslinge manche Streiche ausgeheckt. "Wo kommen eigentlich die Kinder her?" Diese Frage beantwortet Frau Walze, die Hebamme: In Oberlauringen bringt die Kinder nicht etwa der Storch. Sie hat Friedrichs Schwesterchen und die anderen Babys aus dem Weihersbach geschöpft. Als der künftige Dichter das auch mal probieren wollte, hat er dabei nur "ein Kaulquäppchen" gefangen.

    Geschwister früh verstorben 

    Ganz unbeschwert war seine Kindheit nicht: Vier Geschwister sind früh gestorben, auch die Großmutter, in der "verdammten Kriegszeit". Sie werden auf dem Kirchhof betrauert. Oben im Pfarrhaus sitzt Pfarrer Stepf, mit Pelzmütze und Pfeife, und lehrt Griechisch und Latein: Grundstock für die künftige Karriere des Orientalisten, der 48 Sprachen  beherrscht und schon in der Winterschule selbstbewusst über Fehler diskutiert hat.

    Friedrich Rückerts Schwester Sophie mit der Oma Foto: Martina Müller

    Vor dem Rückert-Poetikum gibt es Dankesworte von Bürgermeister Heckenlauer, für einen lebendigen Beitrag zu den "Unterfränkischen Kulturtagen". Der diene ("Oberlauringen? Hoppla!") auch der Außenwirkung.  Christa Kebschull und Brigitte Stich haben das "Drehbuch" verfasst, Klaus Derleder hat Kostüme und Requisiten beschafft, Jutta Meierott Regie geführt.

    Die Spenden im Schweinchen sind die Gage für die mutigen Nachwuchsschauspieler: Simon Derleder war Rückert junior,  Luca Saalfrank spielte Bruder Heinrich, Mia Zirkelbach Schwester Sophie. Als Jung-Oberlauringer traten Alexander Schuler, Amelie Derleder und Maren Dittmann auf. Zum Abschluss erklingt das wehmütige "Schwalbenlied", über Rückerts Jugendzeit.

    Fotos

      Kommentare (0)

        Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!