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    SCHWEINFURT

    Zeug gibt's

    Wenn immer mehr Lebenszeit im Stau flöten geht: Die Zahl der Berufspendler in Schweinfurt hat einen Höchststand erreicht. Die Industriegewerkschaft Bau-Agrar-Umwelt beunruhigt uns mit eben diesen Worten, und sie kennt auch den Hauptgrund für die verlorene Lebenszeit der Einpendler beim Einpendeln nach Schweinfurt, deren Zahl seit der Jahrtausendwende von 34 000 auf jetzt 41 000 gestiegen sei. Es sind, schreibt der IG BAU-Sekretär des Bezirks Mainfranken, „die hohen Mieten und Immobilienpreise“, der „Mangel an bezahlbaren Wohnungen in den Städten“. Die Folge: „Immer längere Staus und überfüllte Züge.“ Aha! Endlich sagt 's mal einer, legt den Finger in die Wunde.

    Aber stimmt das so eigentlich? Müssen die seit 2000 hinzu gekommenen „Einpendler“ in Dörfern weitab von Schweinfurt hausen, weil sie sich die hiesigen Wuchermieten nicht leisten können? Laut der Südbayerischen Immobiliengesellschaft beträgt der durchschnittliche Kaltmietepreis in der Stadt zurzeit 6,30 Euro pro Quadratmeter. Der soll ein Miethindernis, Stauversursacher und Lebenszeitkiller sein? Oder hat die Stadt halt leider etwas weniger Fläche, damit auch weniger Wohnraum – und im Umland, das kein Speckgürtel ist, lässt sich's auch ganz passabel wohnen? Hat die IG Bau eine Standard–Presse-Info, die für Nürnberg zutreffen mag, vielleicht einfach auch auf Schweinfurt zurecht gebogen?

    Zurecht gebogen hat sich auch der eine oder andere Stadtrat (m/w/d) am Dienstag sein Sitzplatz-Mikrofon, wenn er oder sie in der Sozialausschuss-Sitzung etwas zu sagen hatte, schließlich sind sie nun mal da, die teuren Sprachverstärker, und dann auch einzusetzen. Dass das auch einen gewissen Sinn macht, war allerdings keineswegs sicher, zumal in diesem Ausschuss die Frau Bürgermeisterin Lippert die Sitzung leitet. Und, man kann's nicht anders sagen: sie schafft es einfach nicht, die Mikros der Stadträte, denen sie das Wort erteilt, einzuschalten und andere Mikros, die nicht gebraucht werden, wegzudrücken. Der Herr Lenhard (SPD) sagte schließlich, er könne sich auch ohne das Ding verständlich machen.

    Nun ging's am Dienstag gleich in zwei Ausschüssen um den neuen Standort des künftigen Friederike-Schäfer-Altenheims, das nun nicht mehr auf dem Verkehrsübungsplatz an der Friedrich-Stein-Straße gebaut werden soll, sondern da, wo jetzt noch der Rückert-Bau steht, auf dem Martin-Luther-Platz. Die Schwarzen haben's ruckzuck so beschlossen. Ob und wie die Hospitalstiftung sich das leisten kann, hat die Mehrheit scheinbar nicht interessiert. Linke Stadtrat Öztürk bekam zumindest keine Antwort. Dafür malte ein externer Berater das Gespenst ausländischer Investoren an die Wand, welche die Altenheim- und Pflegeplatzlücke füllen könnten, wenn die Stadt nicht ganz schnell selbst aktiv würde. Unverzüglich war zu handeln, keine Zeit zu verlieren – bis zu den Haushaltsberatungen in vier Wochen.

    Dann machen ja demnächst Postbank und gelbe Post am Bahnhofsplatz 1 dicht. Ist halt nicht wirtschaftlich, das Ganze, wenn jeder Onlinebanking macht. Und für Päckchen, Briefe, Briefmarken und so sucht sich die Post/DHL seit Jahren schon irgendwelche „Partner“, die das für sie erledigen. Die neue „Partnerfiliale“ soll „in unmittelbarer Nähe“ sein – Feldgasse 19. Nähe? Dann sucht mal schön!

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