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    Schweinfurt

    Zieht das Friederike-Schäfer-Heim an den Martin-Luther-Platz?

    Blick auf den Schweinfurt Martin-Luther-Platz. Nach Plänen der Stadt soll der Rückert-Bau (links) einem Neubau des Friederike-Schäfer-Heim weichen.   Foto: Hajo Dietz Nürnberg

    Überraschung im Haupt- und Finanzausschuss des Stadtrates am Dienstag: Das Friederike-Schäfer-Heim soll nun doch nicht am Verkehrsübungsplatz in der Friedrich-Stein-Straße gebaut werden. Der neue Standort ist nicht wirklich neu. Schon einmal wurde der Martin-Luther-Platz für einen Neubau ins Visier genommen, das war 2017. Und damals erklärte Baureferent Ralf Brettin, es gäbe eigentlich nur eine Option: den Verkehrsübungsplatz. Doch nun scheint er ausgeschieden: Der Grund, Altlasten stecken im Untergrund. Bleiben sie dort, ist das kein Problem, hieß es. Doch wer an dieser Stelle baut, muss sie beseitigen. Kosten: bis zu 750 000 Euro, plus 500 000 bis eine Million Euro für einen neuen Verkehrsübungsplatz in der Heisenbergstraße, wo außerdem Investoren Wohnungen bauen wollten. Rolle rückwärts? Ja, es sei denn, der Stadtrat entscheidet sich am 22. Oktober noch einmal anders.

    So könnte das neue Friederike-Schäfer-Haus am Martin-Luther-Platz nach einem ersten Entwurf aussehen. Foto: Entwurf: Architekturbüro BBO

    Im Ausschuss am Dienstag zeigten sich die Räte überrascht, konnten der Argumentation der Verwaltung in der Mehrheit zwar folgen. Doch es gab einige Bedenken und Kritik: Vor allem, was die Finanzierung betrifft. Kann die Hospitalstiftung, mit deren Geldern das Heim betrieben wird, den Neubau überhaupt schultern, wie steht es finanziell um die älteste Stiftung der Stadt? Eine Antwort darauf versprach Finanzreferentin Anna Barbara Keck zu den Haushaltsberatungen im November. Doch eben jene Zahlen, jene Einschätzung brauche man zwingend jetzt, um über Ja oder Nein zum neuen Standort zu entscheiden, meinte Sinan Ötztürk (Die Linke). Sein Antrag, die Entscheidung zu vertagen, wurde abgelehnt. Ebenso wie der Antrag von Joachim Schmidl im Namen der SPD im Vorfeld der Diskussion, den gesamten Punkt von der Tagesordnung zu nehmen. Schließlich basierte dieser zum einen auf einer Anfrage von proschweinfurt, in der es um die Nachnutzung des alten Heims für studentisches Wohnen ging; und zum anderen auf einem Antrag der SPD. Die hatte  nicht nur eine Prüfung der Nutzung für Kurzzeitpflege und betreutes Wohnen, sondern auch Zahlen gefordert, was den Bedarf an Pflegeplätzen in Schweinfurt betrifft. Für letzteres gab es keine Antwort.

    Einzelzimmer für Senioren, Hausgemeinschaften und Kurzzeitpflege

    Stattdessen wartete die Verwaltung unter Sozialreferent Jürgen Montag mit einem überraschenden Konzept am neuen und alten Standort auf. Einer Machbarkeitsstudie, wie man betonte. Die groben Pläne, die an manchen Stellen sehr detailliert wirken, stellte Architekt Thomas Otte vom Achitekturbüro BBO aus Bielefeld vor. Der drei- bis vierstöckige Neubau würde eine Fläche von rund 7500 Quadratmetern haben, etwa zwölf Meter weiter in den Platz reichen als der Friedrich-Rückert-Bau. Die Kosten für seinen Abbruch wären, dem stimmte Finanzreferentin Keck zu, nicht in den geplanten Investitionen für das neue Haus enthalten. Die Kosten für den Neubau könnten bei 19 Millionen liegen, falls man für 94 Bewohner, inklusive Kurzzeitpflege, und 18 Tagespflegeplätze baut. Stand 2019. Dass die Baukosten eher steigen als sinken, ist klar. Gebaut werden könnte auch erst, wenn das Kulturforum fertig sei, also etwa ab 2026 bis 2029.

    Der Friedrich-Rückert-Bau: Nach aktuellen Plänen soll er für einen Neubau des Friederike-Schäfer-Heims weichen. Foto: Oliver Schikora

    In dem Neubau würden die Senioren in Einzelzimmern mit eigenem Bad leben, jeweils 13 Senioren eine Hausgemeinschaft bilden. Außerdem würde man Kurzzeitpflegeplätze und Tagespflege anbieten, was auch in Schweinfurt immer mehr gebraucht und staatlicherseits besser gefördert würde, so Dieter Kreuz von der Arbeitsgruppe für Sozialplanung und Altersforschung, der das Konzept präsentierte. Der Bedarf an stationären Plätzen sinke bundesweit. Immer mehr Senioren bleiben immer länger zuhause, gehen erst ins Heim, wenn es zuhause nicht mehr geht. Entsprechend sank die durchschnittliche Aufenthaltsquote auf 25 Monate. Deshalb die Reduzierung von aktuell um die 120 auf dann rund 94 Plätze. Ideal sei der Standort, da mitten in der Stadt, mitten im Leben. Das alte Gebäude in der Judengasse könnte laut Architekt und Berater später für betreutes Wohnen, gemischte Wohnformen für Alt und Jung oder auch studentisches Wohnen genutzt werden. 14 Millionen Euro würde dieser Umbau kosten, schätzungsweise. Frühester Sanierungsstart: ab 2030.

    Das alte Gebäude des Friederike-Schäfer-Heims, hier die Ansicht vom Paul-Rummert-Ring, könnte für betreutes Wohnen, für Studentenwohnungen oder einen Mix aus allem genutzt werden, so die ersten Überlegungen. Foto: Anand Anders

    Zwischen Zustimmung und "massiven Bedenken"

    Während Stefan Funk und Bernd Weiß den Standort für optimal hielten und – ebenso wie die überwältigende Mehrheit – für das Projekt am Martin-Luther-Platz plädierten, sahen andere den Standort kritisch: Darunter nicht nur Grünen-Stadtrat Thomas Schmitt. Auch Joachim Schmidl (SPD) betonte, er habe nicht nur massive Bedenken, was den Standort gegenüber Kirche und Kulturforum betreffe. Das Kulturforum sei noch nicht endgültig beschlossen, ein Mehrbedarf an Raum wäre denkbar. Zum Hintergrund: Die SPD hatte den Friedrich-Rückert-Bau als möglichen Standort für einen großen Veranstaltungssaal ins Gespräch gebracht, der bei dem geplanten Kulturforum keinen Platz finden wird. "Traumtänzerei" nannte das Bernd Weiß. Und: Man müsse jetzt Lösungen für das Seniorenheim finden.

    Das hatte auch Oberbürgermeisterr Sebastian Remelé betont. Hintergrund: die Fristen für eine Verbesserung der von Gesundheitsamt und Heimaufsicht beanstandeten Punkte wie veraltete Technik, mangelnde Barrierefreiheit und so weiter sind an sich schon abgelaufen. Eine Verlängerung gibt es nur, wenn klar ist, dass sich etwas ändern wird, also ein Neubau auf den Weg gebracht wird. Der Sozialausschuss, der am gleichen Tag einige Stunden später tagte, stimmte ebenfalls mehrheitlich für die neue Standortwahl.

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