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    SCHWEINFURT

    Zürch: Schnüdel denken da eher ans Schwein

    Stadtteil Zürch: Geht es nach der von Peter Vollert geschaffenen Skulptur eines Schweinehirten, dann sind die Borstenviecher der Namensgeber dieses so schön sanierten Altstadt-Viertels. Foto: Waltraud Fuchs-Mauder

    Eine Urkunde von 1538 nennt erstmals den Namen „Zürch“, für den es zwei Deutungen gibt: Zürch geht entweder auf das altfränkische Wort für „Vieh-Dung“ zurück. Oder Zürch stammt vom mittelhochdeutschen Wort „zirc“ ab, das dem heutigen Begriff „Bezirk“ entspricht. Ab sofort können sich Schweinfurter und Touristen vor Ort mit der Geschichte des so schön sanierten Stadtteils und gleichnamigen Bürgervereins beschäftigen. Eine vom Bürgerverein bezahlte Informationstafel wurde am Samstag an ihrem Standort in der Burggasse enthüllt.

    Die Stadtführer und auch der Volksmund präferieren die Vieh-Dung-Variante, was natürlich auch mit dem Namen der Stadt nahe am Main zu tun hat. Welche Deutung nun auch immer gilt: In beiden Fällen ist das Areal um die zwischen 1409 und 1427 abgebrochene Reichsburg gemeint. Etwa 100 Jahre lang hatte die Burg in dieser Ecke des Stadtmauerrings gestanden. Um sie und die heutige Salvatorkirche herum entwickelte sich der kleinteilig bebaute Stadtteil. Der Zürch steht heute unter Ensembleschutz.

    Und er steht auch unter dem Schutz des Bürgervereins Zürch, der am 1. Januar 1900 das Licht der Schweinfurter Welt erblickte und auch im heuer gefeierten 115. Jahr überaus lebendig ist. In den Gassen findet eine der beliebtesten Kirchweihen statt und das Weinfest ist ein alljährlicher Besuchermagnet.

    Veranstalter ist, logisch, der Bürgerverein, dessen Vorstand erstmals 2013 die Idee hatte, dem Stadtteil und seinen Bürgern mit einer solchen Informationstafel „etwas zurückzugeben“, sagte die Vorsitzende Katja Schöll am Samstag vor einer Vielzahl der 132 Mitglieder, darunter auch Ehrenvorsitzender Gerd Tilch.

    Die erst kürzlich ins Amt gekommene Vorsitzende erinnerte an die Hilfen der Anwohner und Mitglieder bei „einer der schönsten Kirchweihen und dem beliebten Weinfest in diesen wunderschönen Gassen“. Mit Blick auch auf den anstehenden runden Geburtstag nahm man Kontakt zum Kulturamt auf und stieß dort auf offene Ohren.

    Die Sanierungsstelle – bei der Enthüllung vertreten durch Leiter Richard Riegler und Architektin Karin Fuchs – informierten über die Möglichkeiten. Entweder eine Tafel unter der Regie der Stadt, solche sind bereits an anderen Orten im Rahmen eines mit dem Frankonzept Würzburg erarbeiteten Gesamtkonzepts aufgestellt (etwa am Jungfernkuss, im Wallgraben oder am Ebracher Hof). Oder aber der Bürgerverein kümmert sich selbst. Dazu entschied man sich.

    „Bürgermeisterin“ Schöll dankte dem Würzburger Kulturbüro und der Stadt, namentlich Riegler, Fuchs und Stadtarchivar Uwe Müller für ihre Unterstützung. „Ich bin der Meinung, wir können stolz sein“, sagte die junge Vorsitzende und schritt mit dem Oberbürgermeister zur viel beklatschten Enthüllung.

    Sebastian Remelé sah mit der Infotafel einem von ihm festgestellten steigenden Interesse an der Stadtgeschichte und am Erhalt alter Bausubstanz Rechnung getragen. Speziell zum Stadtteil drückte der Rathauschef seine Freude aus, dass es ein so „lebendiges Quartier geworden ist“.

    Die Tafel liefert Informationen zur Entstehungsgeschichte des dereinst von „zwölf geselligen Männern“ gegründeten Vereins. Sie gibt auch einen Einblick in das Vereinsleben und die beiden möglichen Interpretationsmöglichkeiten, schildert einiges zur Baugeschichte – und das alles auch in einer englischen Kurzfassung.

    Wem das nicht genügt, der landet dank eines aufgebrachten „QR-Codes“ und unter Einsatz seines Smartphones auf der Homepage des Bürgervereins. Dort findet der wissbegierige Interessent auch ein herunterladbares Aufnahmeformular für den Bürgerverein, merkte Schöll augenzwinkernd an.

    Den Abschluss bildete – wie könnte es bei einem Bürgerverein auch anders sein – ein Umtrunk mitten in der Burggasse. Insofern brachte die neue Tafel gleich das, was sie neben Information laut Schöll auch leisten soll: „Für Leben in die Gassen der Schweinfurter Altstadt sorgen“.

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