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    Gerolzhofen

    Akuthilfe in Afrika vonnöten

    Man war auf einem so guten Weg, doch dann kam Corona. Aber jetzt erst mal alles der Reihe nach.

    Seit Jahren setzt sich das Kolpingwerk in Kenia mit verschiedenen Projekten für Hilfe zur Selbsthilfe ein, heißt es in einer Pressemitteilung. Mit teilweise sehr großem Erfolg. Die Kolpingfamilie Gerolzhofen hat sich für diverse Projekte sehr stark gemacht.

    Robert Stöcker von der örtlichen Kolpingfamilie hat sich vor fast 15 Jahren in seinem Heimatort für das Konzept „Kleinvieh macht auch Mist“ eingesetzt. Er motivierte die Verantwortlichen der hiesigen Vorstandschaft, des späteren Leitungsteams, sich ganz gezielt für diese Unternehmung einzusetzen. Es wurden direkt Spenden gesammelt, Aktionen durchgeführt, um finanzielle Unterstützung zu erreichen. Viele Leute ließen sich zum Beispiel statt Geburtstagsgeschenke Geld für die Kampagne geben. Der Erlös vom Kinderfest kam oft ebenfalls der Sache zu Gute.

    Kurzum: Es kamen alleine aus Gerolzhofen circa 100 Ziegen nach Kenia. Die blieben dort natürlich nicht alleine. Sie vermehrten sich und mussten unter den Vorgaben der speziellen Projektschulung an andere Bauern in Kenia weitergegeben werden. So kam es dort zu einem relativ sicheren Lebensstandard der Kleinbauern und deren Kinder, die oft hierdurch den Schulbesuch ermöglicht bekommen. Das Projekt läuft so gut, dass man nun die Verantwortung immer mehr in die kenianischen Hände abgibt, und das funktioniert auch.

    Der Mist des Kleinviehes

    Immer wieder besucht der Afrikakreis von Kolping Würzburg vor Ort in Ostafrika die kenianischen Bauern, die mit dem „Mist des Kleinviehes“ ihren Lebensunterhalt verdienen. 2017 und 2019 waren auch Delegationen aus Gerolzhofen dabei. Man hat sich überzeugt, dass das Spendengeld wirklich dort ankommt, und zwar mit Erfolg.

    Im Jahr 2019 steckte der Afrikakreis sein neues Ziel sehr hoch. Innerhalb von einem Jahr sollten 60 000 Euro für ein Zisternenprojekt gesammelt werden. Initiator war hierfür Armin Rodenfels vom AK Kenia. Mit seinem unermüdlichen Einsatz schaffte er es, die fränkischen Kolpingfamilien zu motivieren, hier sehr stark finanzielle Unterstützung zu erwirtschaften. Auch vereinsfremde Leute unterstützen das Projekt mit ihren Spenden.

    Vor kurzem haben Schüler der Ludwig-Derleth-Realschule, zum Beispiel mit dem Pausenverkauf von Kuchen, eine ansehnliche Summe erreicht und diese an die Kolpingfamilie übergeben.

    Wie auch beim Ziegenprojekt setzen sich die Gerolzhöfer Spendensummen aus den unterschiedlichsten Einnahmequellen zusammen. Tatsache ist, dass Gerolzhofen wohl den größten Anteil am Erreichen des Spendenzieles hat. Insgesamt wurden auf Verbandsebene über 80 000 Euro gespendet und von Kolping Würzburg in Zisternen investiert.

    „Gespendet aus Gerolzhofen“

    2019 schaute sich dies eine Delegation aus Gerolzhofen zusammen mit dem Kenia-Arbeitskreis vor Ort an. Tatsächlich haben die Teilnehmer auch Zisternen mit der Aufschrift „Gespendet aus Gerolzhofen“ in Afrika gesehen. Die Freunde in Kenia seien dankbar und glücklich über das jetzt abgeschlossene Zisternen-Projekt, das für die Wasserbeschaffung vor Ort und zur Verbesserung der Lebensqualität auch langfristig sehr weiterhelfe. Jeder Euro habe geholfen, das Projekt zu solch einem Erfolg zu führen.

    Alles ist also so gut gelaufen, doch dann kam Corona. Es greifen keine staatlichen Unterstützungssysteme. Durch den Shutdown fehlen Einkommen. Als weitere Katastrophe kommt hinzu, dass ein Großteil der Ernte von Heuschrecken vernichtet wurde. Und weil das wohl noch nicht genug gewesen wäre, führten heftigste Regenfälle zu Überschwemmungen und zu großen Verlusten.

    In Absprache mit dem Internationalen Kolpingwerk versuchen die örtlichen Aktiven Akuthilfe zu leisten. Sie möchten mit der Anschaffung von Saatgut und Jungpflanzen zur Seite stehen. Als spontanes großes Spendenprojekt geht es diesmal um die Beschaffung von Pflanzsäcken für den optimalen Anbau von Gemüse und Jungpflanzen.

    Jetzt geht es darum, schnellst möglich dieses in die Tat umzusetzen. Die Menschen in Kenia brauchen Hilfe. Saatgut und Pflanzsäcke sichern das Überleben auf dem Land. Spenden retten somit Leben.

    Bauern werden geschult

    Mit dem Spendengeld wird natürlich das Material finanziert. Aber ganz wichtig ist, wie bei allen Kolpingprojekten, auch wieder die Schulung der Bauern. Auch Unterrichtsmaterial oder Reisekosten zu den Schulungen werden finanziell unterstützt. Ein Pflanzsack kostet zum Beispiel sieben Euro, die Schulung 200 Euro. Auch dies zahlt sich nachhaltig aus.

    Das Zisternenprojekt hat vielen Familien ganzjährig Wasser am Haus gebracht. Damit man mit sehr wenig kostbarem Nass möglichst viel Gemüse erntet, hat man den Pflanzsack als Projekt entdeckt. Ein schwarzer Kunststoffsack, der an den Seiten viele Löcher hat, bietet Platz für circa 100 Pflanzen. Mit weniger als zehn Liter Wasser sind alle Pflanzen bewässert. Bereits nach sechs Wochen kann frisches Gemüse geerntet werden. So kann sich die Familie gesund ernähren und vielleicht sogar etwas davon verkaufen. Eventuell bekommen auch die neuen Haustiere etwas ab. Der Dung von den „Gerolzhöfer Ziegen“ und natürlich auch von den anderen ist der ideale Dünger für die Pflanzsäcke.

    Kolping Kenia verteilt die Säcke und schult die Beraterinnen und Berater vor Ort über die richtige Handhabung. Denn zurzeit werden Saatgut und Jungpflanzen dringend benötigt, um die Menschen in Kenia vor dem Verhungern zu retten. Aktuell soll die Not des Hungers gelindert werden, und ebenso stehen die Pflanzsäcke als Starthilfe für die langfristige Sicherung des Lebensunterhaltes.

    Die Kolpingfamilie Gerolzhofen möchte gezielt auch das Projekt Pflanzsäcke mit dem Konto bei der Raiffeisenbank, IBAN: DE70 7936 2081 0001 2738 33, BIC: GENODEF1GZH, unterstützen.

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    Bearbeitet von Wolfgang Hüßner

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