• aktualisiert:

    Gerolzhofen

    Ein "Escape Room" für die Stadtbibliothek

    Zum 40-jährigen Bestehen der Stadtbibliothek im Bürgerspital wird die Einrichtung inhaltlich und baulich aufgefrischt. Die Stadt investiert dafür rund 100 000 Euro.
    An der Südseite der Stadtbibliothek wurde in den vergangenen Tagen die stählerne Treppe installiert, die im Notfall als zweiter Fluchtweg aus dem ersten und zweiten Stock dienen kann.
    An der Südseite der Stadtbibliothek wurde in den vergangenen Tagen die stählerne Treppe installiert, die im Notfall als zweiter Fluchtweg aus dem ersten und zweiten Stock dienen kann. Foto: Klaus Vogt

    Die Stadtbibliothek im Bürgerspital wird umgebaut und modernisiert. Der Stadtrat stimmte in seiner jüngsten Sitzung dem innovativen Konzept von Bibliotheksleiterin Julia Rehder zu - allerdings unter der Voraussetzung, dass die bislang nur teilweise bestätigten Fördermittel tatsächlich auch fließen und der Eigenanteil der Stadt insgesamt nicht 45 000 Euro übersteigt. Das Projekt wird insgesamt rund 100 000 Euro kosten, knapp 60 Prozent davon sollen durch Fördergelder finanziert werden.

    Wie es in einem Beitrag der Main-Post im Februar 2020 und auch in der Sitzung des Finanzausschusses vor dem Aufstellen des Haushaltsplans bereits ausführlich dargelegt wurde, will Bibliotheksleiterin Julia Rehder mit dem Konzept neue Benutzergruppen gewinnen. Dazu will sie das bisherige Angebot mit neuen Medien erweitern und modernisieren. Oberstes Ziel bleibt es jedoch, so betonte sie in der Stadtratssitzung, die Menschen hin zum Buch und hin zum Lesen zu führen.

    Im ersten Stock des Spitalgebäudes soll der bisherige "Young World"-Raum umgebaut werden zu einem innovativen Kombinationsraum, der sowohl als "Escape Room" als auch als ein "Maker Space" genutzt werden kann. Bürgermeister Thorsten Wozniak und Julia Rehder erklärten dem Stadtrat nochmals gemeinsam, was sich hinter den beiden Fachbegriffen verbirgt. 

    Rätseln um das Schloss zu öffnen

    Wird das bisherige Turmzimmer von "Young World" als ein "Escape Room" genutzt, dass wird der Raum im wahrsten Sinne des Wortes abgeschlossen. Ein Team von fünf bis sechs Personen hat dann drinnen gemeinsam als Teamwork in einer vorgegebenen Zeit, zumeist 60 Minuten, bestimmte Aufgaben oder Rätsel zu lösen, um den Code zu finden, mit dem sich die Tür wieder öffnen lässt. Bei den Rätseln wird es sich nicht nur um digitale Aufgaben drehen, sagt Julia Rehder, sondern die Teilnehmer des Spiels müssten gemeinsam auch Texte lesen, analysieren und verstehen. Ziel sei es, Sozial- und Lesekompetenz zu erwerben.

    Der Raum soll sich aber auch in einen "Maker Space" verwandeln können. Diese Fabrikationslabore erfreuen sich auch in Deutschland einer steigenden Beliebtheit. Interessierten wird hier eine Plattform geboten, sich beispielsweise mit neuen Medien und den digitalen Geräten auseinanderzusetzen. Interessierte jeder Altersklasse bekommen so die Möglichkeit, sich digitale Kompetenzen anzueignen. Themen könnten beispielsweise der 3D-Druck, Virtual Reality, Lego Education, App-Programmierungen oder Ozobot-Roboter sein.

    Bibliothek als "dritter Ort"

    "Escape Room" und "Maker Space" sind aber längst nicht alles, was sich in der Stadtbibliothek ändern soll, die im kommenden Jahr 2021 dann genau 40 Jahre im Spital untergebracht sein wird. Es sollen auch sowohl kommunikative Aufenthaltsorte als stille Bereiche entstehen, an denen man sich mit einem Buch zurückziehen kann. Das Ziel aller Bemühungen: Die Stadtbibliothek soll zu einem "Dritten Ort" werden. Damit umschreibt man in der Soziologie eine Einrichtung, die einen Ausgleich zu Schule, Arbeit und Familie bietet, einen Ort, an dem man sich aufhalten kann, ohne konsumieren zu müssen oder wo der Aufenthalt zweckgebunden ist. 

    Der Umbau und die benötigte neue Ausstattung sollen knapp 100 000 Euro kosten. An Fördergelder sollen laut Rehder insgesamt 58 100 Euro eingehen. 25 000 Euro aus einem Corona-Soforthilfeprogramm des Bundes wurden, wie berichtet, bereits bewilligt. Für die Erhöhung des Aufenthaltsqualität hin zu einem "Dritten Ort" sind Fördermittel in Höhe von 24 100 Euro beim Freistaat beantragt. Weitere 9000 Euro sollen vom Land für die technische Ausstattung von "Escape Room" und "Maker Space" fließen. Mitte Juli fällt darüber in München die Entscheidung. "Wir haben sehr gute Chancen", sagte Julia Rehder.

    Pro und Contra

    Arnulf Koch (CSU) signalisierte für seine Fraktion Zustimmung. Zwar befinde sich die Stadt Gerolzhofen in einer schwierigen Haushaltssituation, es sei aber nötig, die Stadtbibliothek mit innovativen Ideen attraktiv zu halten. Kerstin Krammer-Kneißl (Geo-net) betonte, die geplanten Ideen seien der einzige Weg, um in Zukunft die junge Generation noch zu erreichen. Ihr Fraktionskollege Thomas Vizl ergänzte, man sei zwar bei den städtischen Finanzen wegen der Corona-Krise momentan quasi im Blindflug unterwegs, allerdings könne eine Einrichtung wie die Stadtbibliothek niemals statisch bleiben, sondern müsse sich verändern. "Deswegen sollten wir es machen." 

    Kritische Töne kamen von Norbert Finster (SPD). Er bemerke schon seit einigen Jahren, wie die Bücher als eigentliche Kernmedien einer Bibliothek immer weiter in den Hintergrund gedrängt würden. Dabei rege doch gerade das Lesen eines Buches die Imagination und die Fantasie an, kurz die "Kernkompetenzen des Menschen".

    Günter Iff (Freie Wähler) zielte bei seiner Kritik hingegen auf den finanziellen Aspekt ab: "Es handelt sich um ein gutes und richtiges Konzept, aber es kommt zum falschen Zeitpunkt." Die Stadt sei so massiv überschuldet, dass man sogar über staatliche Hilfe nachdenke. Da sei es finanziell einfach nicht darstellbar, eine freiwillige Leistung wie den Umbau der Bibliothek in Angriff zu nehmen. 

    Im Laufe der Diskussion bat Iff dann per Geschäftsordnungsantrag um eine kurze Sitzungsunterbrechung, um sich innerhalb der Fraktion der Freien Wähler nochmals abstimmen zu können. Schließlich fand sich am Ende der Diskussion bei der Abstimmung dann doch eine breite Mehrheit von 19:1 Stimmen für die Pläne von Julia Rehder. Lediglich Hubert Zink (Freie Wähler) hielt seine Ablehnung aufrecht. 

    Unterdessen ist die neue Fluchttreppe an der Südseite des Spitalgebäudes im Rohbau fertiggestellt. Dieser Fluchtweg ist eine Voraussetzung, damit die aus Brandschutzgründen geltende Vorschrift mit einer begrenzten Besucherzahl von maximal 29 Personen in den beiden oberen Stockwerken irgendwann wieder aufgehoben werden kann. Momentan allerdings toppt Corona noch den Brandschutz: Selbst wenn die neue Brandschutztreppe als zweiter Fluchtweg schon in Betrieb wäre, gelten derzeit immer noch die strengen Corona-Regeln mit maximal sieben Einzelpersonen oder Haushalte zeitgleich in der Bibliothek.

    Zwei Mal wöchentlich bequem per E-Mail:
    Abonnieren Sie jetzt den kompakten Schweinfurt-Newsletter!

    Kommentare (0)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!