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    Schwebheim

    Bei "Corona" kommen sich Mensch und Katze sehr nahe

    Auch das Tierheim hat die Pandemie zu spüren bekommen. Hunde könnten Überträger sein, Katzen können sich selbst anstecken. Und doch ist das Virus nur eines unter Vielen.
    Abstand halten ist nie verkehrt, auch bei Vierbeinern: Amy und Angelo, die tierheimeigenen Möpse, machen vor, wie´s geht.
    Abstand halten ist nie verkehrt, auch bei Vierbeinern: Amy und Angelo, die tierheimeigenen Möpse, machen vor, wie´s geht. Foto: Uwe Eichler

    Axolotl müsste man sein: Die beiden Schwanzlurche, die im Aquarium des Tierheims Schwebheim sitzen, gelten als medizinisches Wunder der Natur. Die aus Mexiko stammenden Amphibien, die ihr Leben im Dauerlarvenstadium verbringen, können nicht nur fehlende Gliedmaßen und Organe regenerieren, sondern auch schadhafte Teile von Herz und Hirn. Ins Schwebheimer Gewerbegebiet sind die etwas bizarren Tierchen 2017 als Fundtiere gekommen: Stichwort illegaler Handel mit Exoten.  

    Ebenfalls keine Grenzen mehr kennt Covid-19, besser bekannt als "Corona". Auch das Tierheim habe die Pandemie zu spüren bekommen, berichtet Johannes Saal als Vorsitzender des Tierschutzvereins. Am 18. März wurde das Tierasyl geschlossen. Die Vermittlung stand still, das Personal brauchte Arbeitsnachweise, um 12 Hunde, rund 70 Katzen und 25 Kleintiere (plus die Axolotl) versorgen zu können. Nun herrscht Mundschutzpflicht, außerdem gibt es Einzeltermine anstelle regulärer Öffnungszeiten: "Es hat ganz gut funktioniert", ist sich Saal mit Tierheimleiterin Christina Herrmann einig. Und ja, man sei "systemrelevant".

    Gassi gehen mit Gassigänger-Schein

    Mittlerweile ist Gassi gehen möglich, für Profis mit dem Gassigänger-Schein, wenn diese kurz vorher zum Telefonhörer greifen. Die Zeit im "Lockdown" wird fleißig für Instandsetzungsarbeiten an den Gehegen genutzt. Allerdings werde man ein Minus in der Kasse spüren, ist sich der Vorsitzende sicher: aufgrund fehlender Einnahmen bei den Pensionstieren und des Spendenschwunds in wirtschaftlich unsicheren Zeiten. Auch der Flohmarkt 2020 kann nicht stattfinden.

    Da draußen schwirrt sie schließlich noch umher, die Virenplage. Als in Schweinfurt eine angeleinte Hündin gefunden worden ist, kam der Verdacht auf, der Husky könnte aufgrund von Virusangst ausgesetzt worden sein. Auf Facebook schlug das Schicksal des Schützlings hohe Wellen. Der Hintergründe waren aber andere.

    Mops Angelo ist kein Freund von Mundschutz.
    Mops Angelo ist kein Freund von Mundschutz. Foto: Uwe Eichler

    Tiere und Corona: Das sei schon ein Thema, sagt Dr. Michael Göde, der als Tierarzt für die Gesundheit der Heimbewohner verantwortlich ist. Hunde zeigten keine Symptome, könnten das Virus aber durch Kontakt übertragen, frei Schnauze sozusagen. Nur sei das  unwahrscheinlich. "Katzen sind eine andere Hausnummer." Berühmtestes Beispiel ist Zootigerin Nadia in New York, die positiv getestet worden ist, nebst weiteren Artgenossen (wie auch immer man sich als Raubkatze hinter Gittern infiziert).

    Wenn die Papaya Corona hat war wahrscheinlich der Test schlecht

    Derzeit sei die Virenverbreitung in der Gesellschaft relativ gering, stellt Göde fest. Eine freilaufende Katze, die gerne mal in anderen Haushalten vorbeischaut, könne ältere Menschen oder Risikopatienten prinzipiell schon gefährden, als Zwischenwirt: "Bei 70 Prozent Durchseuchung müssten wir uns etwas überlegen." In einem solchen Fall wären Tests und eine vorübergehende Abgabe der Samtpfote ratsam. Apropos: Der PCR-Test, der auf der Untersuchung von Virenerbgut beruht, sei schon sehr spezifisch, meint Göde, zum Vorwurf von Kritiker Dr. Wolfgang Wodarg, positiv getestete Stubentiger würden die offiziellen Zahlen in Frage stellen, als Zufallsprodukt. Wenn in Tansania "Corona" in Ziegen oder Papayas nachgewiesen worden sei, läge das höchstwahrscheinlich an mangelnder Qualität der verwendeten Test-Kits, vermutet der Veterinär.

    Coronavirus - schon immer ein Problem für Mensch und Tier

    In jedem Fall sei das neue "SARS-CoV-2" nur ein Coronavirus von vielen, die seit jeher unter Tier und Mensch grassieren, und dabei schnell mutieren: "Die Araber haben schon an Impfstoffen für Kamele geforscht."  FIP, Feline Infektiöse Peritonitis, nennt sich eines dieser zahlreichen "Brüderchen und Schwesterchen": eine tödliche Bauchfellentzündung bei Katzen. Bislang galt die durch Stress und Viren-Mutation im Katzenkörper verursachte Krankheit als unheilbar. Das Medikament GS 441524, das der kalifornische Tiermediziner Dr. Niels Pedersen jüngst mit Erfolg bei seinen vierbeinigen Patienten eingesetzt hat.

    Remdesivir bei manchen Katzenbesitzern heiß begehrt.

    Es ist, als Zwischenprodukt, ein naher Verwandter von Remdesivir, das gerade im Kampf gegen Menschen-Corona getestet wird –  eine "Konkurrenz", die beim Tiermittel bereits für Verknappung und horrende Preise auf dem Weltmarkt sorgt. Oder auf dem Schwarzmarkt, denn die (noch nicht zugelassene) Wunderdroge wird regelrecht unter Katzenbesitzern "gedealt". Nachdem sich Mops und Mischlingshund beharrlich weigern, für ein Foto mit Mundschutz zu posieren, steht am Ende des Tierheimbesuchs eines fest: Abstand und Hygiene, auch beim Umgang mit den schmusigen Freunden des Menschen, schadet nie.

    Ungetrübter Babyblick: Dieser Axolotl im Büro des Tierheims Schwebheim ist definitiv vor "Corona" geschützt.
    Ungetrübter Babyblick: Dieser Axolotl im Büro des Tierheims Schwebheim ist definitiv vor "Corona" geschützt. Foto: Uwe Eichler
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