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    Üchtelhausen

    Birgit Göbhardt: Wehmütiger Abschied aus dem Rathaus

    Birgit Göbhardt freut sich auf mehr Zeit für Familie und Freunde. Was sie aus ihren zwölf Jahren als Bürgermeisterin an Erfahrungen mitnimmt.
    Birgit Göbhardt war zwölf Jahre Bürgermeisterin von Üchtelhausen. Bei den Wahlen im März war sie nicht mehr angetreten. 
    Birgit Göbhardt war zwölf Jahre Bürgermeisterin von Üchtelhausen. Bei den Wahlen im März war sie nicht mehr angetreten.  Foto: Martina Müller

    Zwölf Jahre war Birgit Göbhardt Bürgermeisterin von Üchtelhausen.  Ihr erster Sieg damals, vor zwölf Jahren, hat sie und ihre Familie selbst überrascht, sagt sie im Rückblick. Der Anfang als Bürgermeisterin war nicht einfach, "es waren harte Zeiten dabei." Reingschmeckt, Frau, neu: Das war keine einfache Situation. Birgit Göbhardt erzählt das ohne Bitterkeit. Sie ist niemand, der sich unterkriegen lässt. Und ihr ist und war immer klar, dass der Bürgermeisterjob viel von einem verlangt. 

    Für diese  schwierigen Momente ist sie dankbar. "Das Amt hat mich geformt und zwar zum Guten." Sie erinnert sich noch genau daran, wie nach ihrem Wahlsieg bei der Feier im Pfarrsaal der Jubel aufgebrandet ist, als sie mit ihrem Mann in den Saal gekommen ist. "Da ist mir klar geworden, welche Last ich trage."

    Der Abschied aus dem Rathaus, der Abschied von ihrem Schreibtisch, der Abschied von der Verantwortung und auch der Abschied von den Bürgern fällt ihr schwer. "Ich gehe mit Wehmut", sagt sie. Und: "Ich schaue gern zurück." Ihre zwölf Jahre im Amt beschreibt sie als intensiv, interessant. "Viel Arbeit, aber bereichernd."

    Schuldenstand verringert

    Was ist ihr im Rückblick am Wichtigsten? Da braucht sie nicht lange zu überlegen. "Dass wir mit den Schulden runter sind." Sie hat die Gemeinde mit 5,5 Millionen Euro Schulden übernommen, sie übergibt sie an ihren Nachfolger Johannes Grebner mit 2,7 Millionen Euro Schulden. Trotz des Schuldenabbaus wurde investiert, das ist Göbhardt wichtig. Trotzdem habe man sich das eine oder andere Projekt leisten können. Zum Beispiel die Gestaltung der Dorfmitte Ebertshausen. "Das wird wunderschön."

    Eine klare Linie haben, sie auch vorleben, offen vorgehen: Für Birgit Göbhardt war das extrem wichtig als Bürgermeisterin.  Außerdem war ihr noch eines wichtig: "Auf die Leute zugehen." Deswegen tut ihr es sehr leid, dass sie wegen der Corona-Beschränkungen keine Bürgerversammlungen mehr halten konnte, bei denen sie sich persönlich von der Bürgerschaft verabschieden konnte. Das macht sie jetzt mit einem Text im Amtsblatt. Schluss-Satz: "Liebe Bürgerschaft, ich weiß heute schon, dass Sie mir sehr fehlen werden." Die Begegnungen mit Senioren, zum Beispiel bei speziellen Bürgerversammlungen haben ihr viel bedeutet. Erfolgreich sei auch die Einführung von Bürgerversammlung nur für Bürgerinnen gewesen. Ganz andere Themen seien da zur Sprache gekommen, auch die Atmosphäre sei anders gewesen. 

    Der Beruf ist der interessanteste, den ich mir vorstellen kann.
    Birgit Göbhardt, scheidende Bürgermeisterin 

    Fragt man Birgit Göbhardt, was der Bürgermeister-Job für sie bedeutet, kommt sie regelrecht ins Schwärmen. "Der Beruf ist der interessanteste, den ich mir vorstellen kann." Warum? Wegen der Bandbreite der Aufgaben. "Von der Wiege bis zur Bahre, das ganze Leben." Dazu gehören die Bereiche Verwaltung, auch Technik, zum Beispiel beim Bauhof. "Das deckt kein anderer Beruf ab." Dazu kommen noch die Hochzeiten: "Ein erhebendes Gefühl." Genauso wie die Gratulationsbesuche bei Jubilaren und die Besuche bei Familien, die Nachwuchs bekommen haben.   

    Zeit für Familie und Freunde

    Trotz der Wehmut freut sich Birgit Göbhardt auf den neuen Lebensabschnitt, der am 1. Mai für sie begann. Familie und Freunde kamen in der Bürgermeisterinnen-Zeit etwas kurz. Reisen wollte sie mit ihrem Mann – das muss jetzt coronabedingt erst mal warten. "Ich freue mich auf das Familienleben." Bald kommt das zweite Enkelkind, da freuen sich die Göbhardts auch sehr darauf. Im Haus, im Garten, gibt's auch viel zu tun. "Langweilig wird mir nicht." Sie freut sich auch darauf, wieder frei zu sein, ihr eigenes Leben zu gestalten, ohne in den Kalender oder auf die Uhr schauen zu müssen.  

    Göbhardt liegt es am Herzen, ihrem Nachfolger Johannes Grebner einen guten Start zu ermöglichen. Sie sind in Kontakt, Grebner war schon mehrmals im Rathaus. Sie wünscht ihm eine stets glückliche Hand bei den nicht immer leichten und verantwortungsvollen Entscheidungen. Sie bittet die Bürger, ihm wohlwollend und unbefangen gegenüber zu treten. "Das Schiff ist auf dem richtigen Kurs ", sagt sie. "Wenn alle an einem Strang ziehen, steht die Gemeinde vor guten Zeiten." 

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