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    Waigolshausen

    Bürgermeister Christian Zeißner: 100 Tage im Amt

    Das Ehrenamt an der Gemeindespitze fordert den 42-jährigen Fachoberlehrer. Dennoch ist er mit Feuereifer bei der Sache.
    Waigolshausens neuer Bürgermeister Christian Zeißner vor seinem Amtssitz.
    Waigolshausens neuer Bürgermeister Christian Zeißner vor seinem Amtssitz. Foto: Gerald Gerstner

    Als ehrenamtlicher Bürgermeister die Geschicke einer Gemeinde leiten, außerdem als Fachoberlehrer an der Wilhelm-Sattler-Realschule Schüler unterrichten und das als verheirateter Familienvater mit zwei Kindern im Grundschulalter. Es ginge sicher einfacher. Doch das ist für Christian Zeißner keine Option: "Was mich interessiert, mache ich. Ich werde gerne gefordert", sagt der 42-Jährige. Wenngleich es manchmal wenig Schlaf bedeute und einen brutalen Terminkalender, der viel Absprache und Organisation verlange.

    "Gut" geht es ihm nach 100 Tagen im Amt, kommt Zeißners Antwort ebenso knapp wie nachdrücklich. "Sehr spannend" und "unheimlich abwechslungsreich" aber auch herausfordernd und zeitintensiv erlebe er die Arbeit als Bürgermeister bisher. In das Amt einleben in der kurzen Zeit, "das geht nicht", findet er. Dafür sei das Aufgabenspektrum viel zu groß. Aber er fühle sich mittlerweile "voll drinnen" im Job und "insofern angekommen".

    Für den Einstieg ins Bürgermeisteramt war der Corona-Lockdown im Frühjahr "nicht das Schlechteste", räumt Zeißner ein. So war er schon Wochen vor dem Amtsantritt immer wieder für Gespräche mit den Mitarbeitern im Rathaus. Dabei ging es nicht nur um die laufenden Geschäfte und Corona, sondern auch darum, was gefällt und wo es Probleme gibt. Geplant ist jetzt, die Verwaltung neu zu strukturieren, Aufgaben und Belastungen der Abteilungen besser zu verteilen.

    Überraschender Wahlsieg

    Dass er keine Erfahrungen als Gemeinderat hat, sozusagen bei Null anfängt, stellte Zeißner schon im Wahlkampf als großen Vorteil heraus. Sein überraschend deutlicher Wahlsieg gegen SPD-Mitbewerber Bernd Pfeuffer spricht dafür, dass die Bürger dies zumindest nicht als Nachteil werteten. Mittlerweile habe er sich viel eingelesen und zwei Bürgermeisterseminare besucht. Und im Rathaus werde er von einem guten und motivierten Team unterstützt.

    Die Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat, in dem viele Neue sitzen, "funktioniert gut", der Umgang sei respektvoll. Dass Diskussionsverläufe und Abstimmungen "manchmal überraschend" ausfallen, räumt Zeißner ein. Wenn er mit Argumenten nicht überzeugen könne, sei das "schade", bedeute aber "kein Nein gegen mich". Es gehe immer um die Sache.

    Auch die Kläranlagenertüchtigung steht auf dem Plan

    Momentan habe die Gemeinde weder die finanziellen noch die personellen Kapazitäten, um weitere größere Vorhaben zu beginnen, macht der Bürgermeister deutlich. Auf seiner Agenda stehen deshalb vor allem begonnene Projekte: das Neubaugebiet in Waigolshausen, der Ausbau der Straße am Nordring und in Hergolshausen Dorferneuerung, Flurbereinigung und natürlich die Kläranlagenertüchtigung. Letzteres ein jahrelanges Streitthema, vor dem er "viel Respekt" hat.

    Bereits im April ließ er sich im Wasserwirtschaftsamt die Sachlage erklären, sichtete Unterlagen und nahm sich an zwei Abenden über sechs Stunden Zeit, um mit ein paar Hergolshäuser Bürgern das Thema durchzusprechen, erzählt Zeißner. Unverdrossen spricht er auch mit einem Kritiker, den er fast täglich am Telefon hat. "Ich bin jetzt der Ansprechpartner", macht er seine Einstellung deutlich. "Äußerst gespannt" zeigt er sich mit Blick auf eine kurzfristig angesetzte Bürgerversammlung am 13. August, zum Thema Kläranlage, für die er viel fachlichen Beistand zur Beantwortung der zu erwartenden Fragen organisierte.

    Vorgenommen hat sich Zeißner, die Gemeinde in Sachen glasfasergestütztem Breitbandausbau voran zu bringen. Zur Erleichterung der Gemeinderatsarbeit will er ein Ratsinformationssystem einführen. Außerdem denkt er an eine neue Gemeinde-Homepage und "eventuell" Auftritte in den sozialen Medien für Kurzinformationen. Ein offenes Ohr für den Bürger signalisieren soll auch die von ihm eingeführte Bürgersprechstunde in den Gemeindeteilen.

    Lehrertätigkeit wird auf 70 Prozent reduziert

    Im neuen Schuljahr reduziert Zeißner seine Lehrertätigkeit auf 70 Prozent und hofft auf drei kompakte Unterrichtstage. Die übrigen Tage sowie die Nachmittage gehören dann der Bürgermeisterarbeit. Dass es in Sachen Abend- und Wochenendterminen nicht so ruhig bleibt, weiß Zeißner, der auch TSV-Vorsitzender ist und in verschiedenen CSU-Gremien mitarbeitet. Nutzen will er die Möglichkeit, seine beiden Stellvertreter einzubinden und einen Terminplan machen.

    Nach einer Bürgermeister-Woche mit erstmals vier Abendterminen folgte ein Familienwochenende mit dem Camper im Legoland, erzählt Zeißner. Wichtig ist ihm, dass seine Kinder nicht darunter leiden, "dass der Papa Bürgermeister ist". Auch zwei Wochen Familienurlaub stehen auf dem Plan. "Danach kommt wieder genug."

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