• aktualisiert:

    Schweinfurt

    Der gute Morgen: Steff Bauer und all die kleinen Michelangelos

    Die Corona-Krise als Herausforderung. In unserer Serie geben Menschen aus der Region positive Impulse für den Tag. Heute: Die Bildhauerin Steff Bauer.
    Die Schweinfurter Bildhauerin Steff Bauer in ihrem Atelier.
    Die Schweinfurter Bildhauerin Steff Bauer in ihrem Atelier. Foto: Anand Anders

    Stellen Sie sich einmal vor, Sie wären ein Bildhauer. Das heißt, sie erschaffen aus einer Materie, die bereits existiert – Stein oder Holz – etwas Neues. Sie verändern die Form und damit auch den Inhalt. Am Liebsten arbeiten Sie frei, ohne Einschränkungen. Sie können sich austoben und werden für diese egoistisch-hedonistischen Anwandlungen auch noch entlohnt. Was für ein Fest! 

    Eines Tages bekommen Sie einen Auftrag, den Sie eigentlich lieber ablehnen würden, weil Sie ahnen, dass die Arbeit kein Spaziergang wird. Aber der Auftraggeber ist Ihnen wichtig und der Blick aufs Konto liefert das letzte Argument, denn die Ressourcen sind nahezu erschöpft. Also werten Sie diese vermaledeite Arbeit am besten als Tritt in den Allerwertesten!

    Sie fügen sich ihrem Schicksal, welches in diesem Fall eine leidlich verhunzte, bereits bestehende Skulptur ist, die Sie nun retten sollen! Schöner machen! Herzlichen Glückwunsch! Wie soll aus diesem verkorksten Ding jemals etwas Schönes werden?

    "Gestalten Sie das Werk aus dem Herzen heraus"

    Sie betrachten die Skulptur von allen Seiten, und Ihnen kommt das Grausen! Sie hadern zutiefst. Aber es nutzt nichts. Schließlich fördert der Perspektivenwechsel einiges zu Tage. Gut durchdachte, harmonische Ausformungen, die Ihnen zuvor verborgen waren – aber auch viele Störfaktoren.

    Nun sind Sie als Bildhauer, als Gestalter, als Schöpfer gefragt! Sie müssen entscheiden: Was an dieser Skulptur ist gut? Was versuche ich zu erhalten, weil es richtig und stimmig ist? Was kann weg? Was ist überflüssiger Tand? Das ist nicht einfach und Sie werden diesen schrecklichen Moment erleben, in dem Sie das Gefühl haben, Sie hätten den klaren Blick für die Gesamtheit verloren. Schlafen Sie darüber! Am nächsten Morgen sieht die Welt anders aus und Sie wissen genau, was Sie tun müssen!

    Plötzlich wissen Sie, was nötig ist, um aus dieser verhunzten Sache etwas Besseres zu erschaffen. Gestalten Sie dieses Werk nach Ihrem besten Wissen und Gewissen und aus dem Herzen heraus – aber ohne Angst! Das ist wichtig, denn Angst erzeugt Unsicherheit. Angst ist nie förderlich – nicht im Leben und auch nicht am Stein!

    Wäre es nicht toll, wenn wir in diesen Zeiten alle zu Bildhauern würden? Kleine Michelangelos, die aus einer verhunzten Skulptur etwas Wunderbares erschaffen könnten!?

    Steff Bauer (49) ist Bildhauerin mit eigenem Atelier in Schweinfurt. Dieser Beitrag gehört zur Main-Post-Serie "Der gute Morgen", in der in Zeiten der Corona-Krise Menschen aus Franken ihre positiven Gedanken aufschreiben und mit unseren Leserinnen und Lesern teilen.

    Zwei Mal wöchentlich bequem per E-Mail:
    Abonnieren Sie jetzt den kompakten Schweinfurt-Newsletter!

    Steff Bauer

    Kommentare (0)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!