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    Holzhausen

    Dittelbrunn: Energiewende möchte Boden (wieder) gutmachen

    Pläne für eine Freiflächen-Photovoltaikanlage wurden im Gemeinderat vorgestellt. Südwerk will mehr als 8 Millionen Euro investieren.
    Standort der geplanten Photovoltaikanlage im Südwesten von Holzhausen.
    Standort der geplanten Photovoltaikanlage im Südwesten von Holzhausen. Foto: Gemeinde Dittelbrunn

    Zu einer Grundsatzdebatte, mit teilweise bekannten Argumenten, kam es im Gemeinderat, bezüglich Plänen des Investors "Südwerk", 2022 eine Freiflächen-Photovoltaikanlage im Südwesten von Holzhausen zu bauen. Unabhängig von einem (offenbar stagnierenden)Projekt im Norden von Holzhausen soll es in diesem Fall um 16 Hektar gehen, inklusive Ausgleichsflächen: an einem Waldrand zwischen Dorf, Verbindungsstraße nach Maibach, der A71 und Hain.

    Projektentwickler Thomas Jungkunz stellte für die Burgkunstadter Projektgesellschaft die Pläne vor. Es geht um etwa 8 bis 9 Millionen Euro, Südwerk übernimmt das unternehmerische Risiko und die Kosten. Zunächst soll ein städtebaulicher Vertrag mit der Gemeinde abgeschlossen werden. Der Planer betonte, dass man, in Abstimmung mit der Naturschutzbehörde, Blühflächen und Eingrünungen schaffen und, unter freistehenden Solaranlagen, keine Ackerflächen versiegeln werde: "Die Natur wird sich ein Stück gepflegte Wildnis zurückholen." Die Böden könnten sich bis zu 30 Jahre lang erholen.

    Strom für 4300 Privathaushalte

    Die 13 100 kWp-Anlage werde 4300 Privathaushalte versorgen und jährlich 8300 Tonnen CO2 einsparen. Die Gemeinde erhalte Nutzungsentgelte und  nach der Amortisierung 70 Prozent der Gewerbesteuer, was nach 15 Jahren mehr als 300 000 Euro bringen würde. Zudem gebe es Beteiligungsmöglichkeiten, etwa für die Energiegenossenschaft.

    Harald Häpp fragte nach dem Rückbau. Eine Bürgschaft sei Teil des Vertrags, so Jungkunz. Auch gegen die (theoretische) Brandgefahr sei man versichert: "Wir hatten noch keinen Brand." Die Standortauswahl sei computergestützt anhand des Bayern-Atlas getroffen worden. Es gehe um ein "benachteiligtes Gebiet" (nahe der Autobahn). Benachteiligt sei man nur "von München aus gesehen", stellte Kritiker Lukas Hartung süffisant fest. Die Kohlekraftwerke seien noch bis 2038 am Laufen: "Was jetzt gebaut wird, ist zusätzlich am Markt." Deutschland exportiere derzeit einen Strom-Überschuss, mit dem man ein Land wie Portugal versorgen könne. Warum die Anlagen nicht erst dann gebaut würden, wenn sie wirklich für den Lückenschluss gebraucht würden?  Nur ein Bruchteil der Dächer im Kreis werde für Anlagen genutzt, stattdessen auf gutem Boden gebaut.  

    Bürgermeister Warmuth: Stromverbrauch steigt weiter

    "Wir müssen irgendwann mal anfangen", widersprach Matthias Windsauer, der auf wachsenden Strombedarf, etwa durch eMobilität, verwies. Dafür brauche es auch Freiflächen-Anlagen. Gleichzeitig werde man neue Speichertechniken, wie Power to Gas, haben. "Der Stromverbrauch steigt die nächsten zwanzig Jahre um mehr als das Doppelte", meinte Bürgermeister Willi Warmuth. Er habe den Eindruck, dass die Pläne auf einer Infoversammlung positiv aufgenommen worden seien, mit 35 Besuchern.

    "Deutschland hat jetzt die Möglichkeit, wieder mal technologischer Vorreiter zu werden", fand Lars Neubauer: "Wir müssen jetzt die ersten Schritte in die Zukunft gehen. "Wir brauchen einen Mix", sagte Thomas Jungkunz. Mit Solarparks sei die Strom-Lücke schneller zu schließen als nur mit Dachanlagen. Bio-Bäuerin Manuela Markert erinnerte an die Bedürfnisse der Landwirtschaft, bezüglich Flächen und laufenden Förderprogrammen für Pächter. Ebenso wollte die Gemeinderätin wissen, ob der Solarstrom regional genutzt werde. Infolge der Liberalisierung des Strommarktes würde der Strom anonym gehandelt und fließe dorthin, wo er gebraucht werde, meinte der Referent.

    Willi Warmuth verwies auf den neuen regionalen "Strommarkt Marienbachtal": Die Dittelbrunner Bürger können jetzt (bilanziell) 100 Prozent Ökostrom aus "eigener Erzeugung" beziehen. Man sei die einzige Gemeinde im Landkreis, so Warmuth, bei der das möglich ist. Die Kommune wird Teil eines lokalen, dezentralen Strommarkts, in Zusammenarbeit mit dem Versorger "Bayernwerk Regio Energie".  Stromerzeugung, -Versorgung und -Abnahme sollen vor Ort stattfinden, auch um die Akzeptanz der Bürger für die Erzeugungsanlagen zu erhöhen.

    Jürgen Sittler wollte die Entscheidung für den Aufstellungsbeschluss des Bebauungsplans vertagen. Die Auswirkungen auf Jagdpächter und andere Betroffene müssten geprüft werden. Viele Bürger hätten nicht an der Infoveranstaltung teilnehmen können.  Rainer Patzke war für eine Entscheidung im August. Mit einem Aufstellungsbeschluss würden die Beteiligten definitiv gehört, so Warmuth. Mit 14 zu sechs Stimmen wurde dieses Vorgehen genehmigt.

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