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    Obbach

    Eine Chance für das Rundblättrige Hasenohr in Obbach

    Der Naturland-Betrieb Schlossgut Obbach beteiligt sich an einem Projekt für gefährdete Ackerwildkräuter.
    Feine bunte Blüten im Getreidefeld des Schlossguts Obbach bringen diese beiden Ackerwildkräuter, (links) die Knollen-Platterbse und (rechts) der Ackerrittersporn hervor.
    Feine bunte Blüten im Getreidefeld des Schlossguts Obbach bringen diese beiden Ackerwildkräuter, (links) die Knollen-Platterbse und (rechts) der Ackerrittersporn hervor. Foto: Silvia Eidel

    Für manche sind sie schlichtweg unerwünschtes Unkraut, für andere sind sie Beikraut, das wichtig ist für das Agrar-Ökosystem: Die Ackerwildkräuter, die die Kulturpflanze auf dem Feld begleiten. Besser: begleitet haben, denn fast ein Drittel der etwa 350 Arten in Bayern sind vom Aussterben bedroht oder bereits verschwunden. Solche Arten zu fördern, hat sich der Naturland-Betrieb Schlossgut Obbach vorgenommen, der besonders gefährdete Wildkräuter sogar aussät – mit Erfolg.

    Vom Boden eines extra licht gesäten Roggenackers leuchtet die gelbe Blüte des Rundblättrigen Hasenohrs hervor. Von Hand hat das Verwalterehepaar des Bio-Hofs, Bernhard Schreyer und Petra Sandjohann, dessen Samen im Getreidefeld ausgebracht. "Deutschlandweit wird das Rundblättrige Hasenohr auf der Roten Liste als extrem gefährdet geführt, in Bayern als stark gefährdet", klärt die Agrar-Ingenieurin auf. Um die bedrohte Pflanze wieder anzusiedeln, beteiligt sich der Obbacher Öko-Betrieb am Ackerwildkraut-Projekt der Bayerischen Kulturlandstiftung.

    Trockene, kalkhaltige und leicht erwärmbare Böden liebt das Hasenohr, das als Begleiter im Wintergetreide vorkommt. Einen entsprechenden Standort in der Obbacher Flur hat der Gutsverwalter ausgewählt. "Wir haben die Saatstärke reduziert, frühzeitig gesät und wir verzichten hier aufs Striegeln". "Produktionsintegrierte Förderung", nennt sich das, denn für den Schutz der Wildkräuter soll keine Fläche aus der landwirtschaftlichen Produktion herausgenommen werden.

    Im Innern dieses Dinkelackers des Naturland-Betriebs Schlossgut Obbach fand der Agrarökologe Stefan Meyer (links) noch etliche Ackerwildkräuter wie Acker-Rittersporn, Kamille oder Klatschmohn. Das Verwalterehepaar Petra Sandjohann (Mitte) und Bernhard Schreyer (rechts) fördert durch entsprechende Bewirtschaftung diese Artenvielfalt.
    Im Innern dieses Dinkelackers des Naturland-Betriebs Schlossgut Obbach fand der Agrarökologe Stefan Meyer (links) noch etliche Ackerwildkräuter wie Acker-Rittersporn, Kamille oder Klatschmohn. Das Verwalterehepaar Petra Sandjohann (Mitte) und Bernhard Schreyer (rechts) fördert durch entsprechende Bewirtschaftung diese Artenvielfalt. Foto: Silvia Eidel

    Nach und nach sollen gefährdete Arten wie das Rundblättrige Hasenohr wieder Fuß fassen. "Gezielt, kontrolliert und dokumentiert", erläutert Bernhard Schreyer. Denn natürlich müsse man Wildkräuter von Unkräutern unterscheiden. Diese nämlich schwächen die Hauptfrucht deutlich, würden Ertrag und Qualität mindern. "Heuer ist es bei uns der Flughafer, der extrem explodiert ist." Über Anbaustrategie, Fruchtfolge und Aussaatdichte könne man die Begleitflora lenken.

    Nur selten nennenswerte Ertragseinbußen

    Insgesamt verursachen aber nur ganz wenige, etwa 20 Wildkräuter – von 350 Arten – tatsächlich nennenswerte Ertragseinbußen. Acker-Fuchsschwanz zählt dazu, oder die Acker-Kratzdistel. Die meisten der Ackerwildkräuter stellen aber keine Konkurrenz für die Kulturpflanze dar, es sind niederwüchsige, kaum produktive Arten, die sich oft nur auf nährstoffarmen Standorten durchsetzen können.

    Aber sie sind wichtig für die Funktionsfähigkeit der Agrarökosysteme: Sie stellen Pollen, Nektar und Samen für Insekten wie die Wildbienen und für Vögel wie die Feldlerche oder die Wachtel bereit. Weil viele Getreidefelder keine Nahrungsquelle oder keinen Lebensraum mehr für solche Tierarten bieten, ist die Artenvielfalt der Tierwelt der Äcker stark zurückgegangen.

    Das seltene und vom Aussterben bedrohte Rundblättrige Hasenohr, ein Acker-Wildkraut, wurde am Schlossgut Obbach erfolgreich ausgesät. 
    Das seltene und vom Aussterben bedrohte Rundblättrige Hasenohr, ein Acker-Wildkraut, wurde am Schlossgut Obbach erfolgreich ausgesät.  Foto: Petra Sandjohann

    Welches Potenzial an sogenannter Segetalflora – den Ackerbegleitpflanzen – Biobetriebe haben, untersucht derzeit Agrarökologe Stefan Meyer, promovierter Botaniker an der Universität Göttingen, im Auftrag der Biobauern-Naturschutzgesellschaft. Kartiert hat er dabei auch Flächen des Schlossguts Obbach. "Im Feldinnern gibt es viel mehr Arten an Ackerwildkräutern und eine größere Anzahl", fasst er zusammen. "Das Blütenangebot ist viel größer als in konventionellen Feldern." Ackerrittersporn hat er hier flächendeckend gefunden, aber auch Adonisröschen, Acker-Hahnenfuß, Klatschmohn, Acker-Vergissmeinnicht, Kamille, Knollen-Platterbse oder Acker-Steinsame.

    Die umfangreiche Fruchtfolge und das diverse System seien förderlich für die Wildkräuter. "Bei einfacher Fruchtfolge und immer denselben Früchten holt man sich die Problemunkrautarten herein", konstatiert der Agrarökologe. "Als Unternehmer muss man weiter denken und sich die Zusammenhänge in der Natur klar machen", ergänzt Gutsverwalter Schreyer. "Einseitigkeit bedeutet Sackgasse, Vielseitigkeit sichert uns das betriebswirtschaftliche Auskommen". Jedes Anbaujahr sei anders, das Klima ändere sich, man brauche viele Kulturen. Was auch für den Verbraucher gut sei, der aus der eigenen Region viele verschiedene Früchte kaufen könne.

    Artenvielfalt an Blühpflanzen wird gefördert

    Die Artenvielfalt an Blühpflanzen wird von vielen Landwirten – konventionellen wie ökologischen – seit einiger Zeit auch über extra gesäte Blühstreifen gefördert. Allerdings würden dabei häufig Flächen ausgesucht mit geringeren Bodenpunkten, erklärt Petra Sandjohann. Oft seien gerade dort, auf den ertragsschwachen Böden, aber noch Spontan-Ackerwildkrautarten vorhanden, ergänzt Stefan Meyer. Sinnvoller sei es, diese Blühstreifen auf ertragsstärkeren Böden zu säen, um strukturarme Landschaften zu beleben. "Dies war auch die ursprüngliche wissenschaftliche Idee: Strukturvielfalt in den Börde- und Gäulandschaften zu etablieren", erklärt der Agrarökologe.

    Um solche Zusammenhänge den Landwirten zu erläutern, um den Blick für das Ganze zu bekommen und nicht einen Gegensatz zwischen Naturschutz und Landwirtschaft zu erzeugen, bräuchte es eine naturschutzfachliche Beratung, bräuchte es mehr Naturschutz in der Ausbildung der Landwirte. "Eine Aufgabe der staatlichen Ausbildung", sind sich die drei Akteure einig.

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