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    Schweinfurt

    Fokus auf Schweinfurts Innenstadt oder neue Baugebiete?

    Ulrike Schneider beantragte das Förderprogramm "Innen statt Außen" für Schweinfurt. Warum sich die schwarz-grüne Koalition wehrte und es auch sonst keine Unterstützung gab.
    Wie soll sich Schweinfurt in Sachen Wohnraum entwickeln? Stadträtin Ulrike Schneider fordert, sich auf die Innenstadt zu konzentrieren und keine neuen Baugebiete zu entwickeln. Das fand im Bauausschuss keine Mehrheit.
    Wie soll sich Schweinfurt in Sachen Wohnraum entwickeln? Stadträtin Ulrike Schneider fordert, sich auf die Innenstadt zu konzentrieren und keine neuen Baugebiete zu entwickeln. Das fand im Bauausschuss keine Mehrheit. Foto: Oliver Schikora

    Es ist ein alter Richtungsstreit über die Entwicklung Schweinfurts, der mehrmals im Stadtrat und seinen Ausschüssen in den vergangenen Jahren ausdiskutiert wurde. Soll man sich ausschließlich auf die Sanierung der Innenstadt und die Verdichtung von Wohnraum im Stadtgebiet konzentrieren, oder darüber hinaus auch neue Baugebiete entwickeln, damit vor allem junge Familien eine Möglichkeit zum Hausbau in der Stadt und nicht nur in den Umlandgemeinden haben?

    Auch nach der von Ulrike Schneider (Zukunft./ödp) angestoßenen Diskussion kürzlich im Bauausschuss ändert sich nichts an der allgemeinen Richtung. Ihr Antrag, die Stadt solle sich für das Förderprogramm "Innen statt außen" bewerben, wurde mit 13:1 Stimmen abgelehnt. Die Stadt bleibt dem vor drei Jahren mehrheitlich im Stadtrat getroffenen Beschluss treu, neben der schrittweisen Sanierung der Innenstadt den Neubau von Wohnungen auf den Konversionsflächen in Bellevue, Yorktown und Kessler Field voran zu treiben und darüber hinaus Arrondierungen bestehender Wohngebiete in der Gartenstadt zum Beispiel an den Pfannäckern zu planen. Im schwarz-grünen Koalitionsvertrag für die Wahlperiode bis 2026 wurde eine Planung als Wohngebiet für die Mönchskutte ausgeschlossen.

    Schneider warb für das Programm "Innen statt außen". Dieses legte die Staatsregierung für Städte und Kommunen auf, um die Ortskerne zu stärken und Flächenfraß zu mindern. Unter bestimmten Umständen bekommen Bauherren bei der Sanierung einer Immobilie im Ortskern bis zu 80 Prozent der förderfähigen Kosten. Voraussetzung ist, dass eine Kommune ein entsprechendes städtebauliches Entwicklungskonzept hat und keine neue Baugebiete außerhalb des Ortskerns ausweist.

    Die Pfannäcker nahe der Gartenstadt wären ein Bereich, in dem die Stadt ein kleines Neubaugebiet realisieren könnte, sobald die Erschließung der Konversionsgebiete abgeschlossen ist.
    Die Pfannäcker nahe der Gartenstadt wären ein Bereich, in dem die Stadt ein kleines Neubaugebiet realisieren könnte, sobald die Erschließung der Konversionsgebiete abgeschlossen ist. Foto: Gerd Landgraf

    Schneider ist überzeugt, dass das der richtige Weg ist. Es gehe um einen "verantwortungsvollen Umgang mit unseren Flächen", betonte sie, vor allem wenn man sich vor Augen führe, dass deutschlandweit täglich 56 Hektar neu versiegelt würden. Aus ihrer Sicht habe die Stadt genügend Entwicklungsflächen, außerdem müsse man hinterfragen, ob es sinnvoll sei, im Wettbewerb mit den Umlandgemeinden immer wieder neue Baugebiete auszuweisen: "Schweinfurt ist groß genug, wir müssen nicht weiter wachsen." Mehr Nachhaltigkeit beim Flächensparen sei ebenso notwendig wie der Mut, bauwilligen Bürgern abzusagen, weil man andere Prioritäten setze.

    Stadt verweist auf fünf Sanierungsgebiete in der Innenstadt

    Die Bauverwaltung hält an ihrem Weg fest. "Aus unserer Sicht stehen Innenentwicklung, eine Arrondierung bestehender Wohngebiete und die maßvolle Erschließung neuer Wohngebiete nicht im Widerspruch", betonte Stadtbaumeister Markus Sauer. Er führte aus, dass man in der Innenstadt fünf Sanierungsgebiete ausgewiesen habe, was vor allem wegen der dadurch möglichen steuerlichen Absetzbarkeit bestimmter Baukosten für Investoren wichtig sei. Durch Fördermittel der Städtebauförderung könnten bis zu 80 Prozent gefördert werden. Außerdem zeigte Sauer zahlreiche Beispiele von Häusern, die in der Innenstadt in den nächsten Monaten saniert werden sollen.

    Laut Sauer gebe es immer wieder Nachfragen nach Baugrund: "Innen und außen, nicht innen statt außen", müsse die Devise sein. Oberbürgermeister Sebastian Remlé (CSU) zeigte Verständnis für das grundsätzliche Anliegen Schneiders, betonte aber, er halte die Politik der Stadt "für sensibel und flexibel". Im Vordergrund stehe die Entwicklung der Konversionsgebiete.

    "Innen und außen, nicht innen statt außen."
    Stadtbaumeister Markus Sauer plädiert dafür, sowohl die Innenstadt zu sanieren als auch neue Baugebiete zu entwickeln.

    CSU-Stadtrat Rüdiger Köhler ist dafür, in Schweinfurt ein "Angebot für jeden, vom Superreichen bis zum Sozialhilfeempfänger" zu haben, das "maßvolle Wachsen" der Stadt sei der richtige Weg. Davon ist auch Reginhard von Hirschhausen (Grüne) überzeugt, der erklärte, Schneiders Vorschlag sei vor allem für kleinere Kommunen richtig. Sein Parteikollege Holger Laschka lobte zwar Schneiders Einsatz für das Thema, warnte aber vor zu starkem Schwarz-Weiß-Denken.

    Adi Schön (Freie Wähler) findet es wichtig, "den Bedarf an Neubaugebieten in der Stadt zu bedienen". Biete die Stadt keine Baugebiete, täten das die Umlandgemeinden, die Menschen zögen in den Landkreis. Dann dürfe man sich aber nicht beschweren, wenn die Stadt schrumpfe und die Abhängigkeit von der Gewerbesteuer wachse. Für Sinan Öztürk (Linke) wäre "Innen statt außen" nur dann richtig, wenn man für die Innenstadt bisher nichts getan hätte. Das bisherige Vorgehen in Sachen Wohnraumentwicklung sollte beibehalten werden.

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