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    Kreis Schweinfurt

    Fränkischer Jakobusweg: Ein Bett und ein Gespräch

    Auf dem Jakobusweg im Oberen Werntal hält Elfriede Klement in ihrem Privathaus Zimmer für Pilger bereit. Ihr erstes Pilgerbuch ist mittlerweile voll.
    Neue Tafeln des Jakobuswegs mit örtlichen Hinweisen wurden am Marktplatz in Geldersheim (Foto) sowie am Kronunger Weg in Euerbach aufgestellt.
    Neue Tafeln des Jakobuswegs mit örtlichen Hinweisen wurden am Marktplatz in Geldersheim (Foto) sowie am Kronunger Weg in Euerbach aufgestellt. Foto: Silvia Eidel

    Die meisten kommen unangemeldet. Am späten Nachmittag stehen sie vor ihrem Haus, fragen nach einem Bett. Elfriede Klement nimmt es gelassen, zeigt ihnen die ehemaligen Kinderzimmer, die sie jetzt für Jakobus-Pilger bereithält. Sie führt einen der zwölf pilgerfreundlichen Gastbetriebe im Oberen Werntal und ist seit 2013 ausgezeichnet. Ihr erstes Pilgerbuch ist mittlerweile voll, ihr Erfahrungsschatz auch.

    Fotos ihrer Gäste und deren handschriftlichen Einträge, oft ausführlich, manchmal kunstvoll verziert, füllen das Pilgerbuch, ein Gästebuch, das sie von der Fränkischen St. Jakobus-Gesellschaft erhalten hat. "Der Weg ist das Ziel", ist hier zu lesen oder "Ich benutze die Straßen der Welt, um meinen eigenen Pfad nach innen zu finden". Alle äußern ihre Dankbarkeit über die "herzliche und unkomplizierte Aufnahme" im Privathaus der Geldersheimerin. "Heute waren Sie mein Retter", ist dort gar zu lesen.

    Oft sind es Frauen, Alleinreisende, manchmal Paare, selten Kleingruppen, die Elfriede Klement für eine Nacht beherbergt. "Sie kommen meist aus Richtung Bad Kissingen", sind also auf dem Jakobsweg von Fulda nach Würzburg unterwegs, weiß die agile, aufgeschlossene Gastgeberin.

    Menschen, Begegnungen, Gespräche

    Sie habe schon immer viel Besuch empfangen, erzählt Elfriede Klement. "Ich liebe die Menschen", die Begegnungen, die Gespräche, sagt die ehemalige Hauswirtschafts- und Handarbeitslehrerin, die seit zehn Jahren im (Un-)Ruhestand ist. Auch wenn die Pilger als wildfremde Menschen zu ihr ins Haus kommen, Angst habe sie dabei nie, sagt sie. "Ich habe Gottvertrauen".

    Fränkischer Jakobusweg: Ein Bett und ein Gespräch

    Mit ihrem Mann begab sie sich im Jahr 2000 selbst auf die erste Etappe des Jakobuswegs – per Fahrrad. "Das war mehr eine sportliche Geschichte", denkt die Geldersheimerin an die täglichen 100 Kilometer zurück. Nach dem Tod ihres Mannes absolvierte sie gemeinsam mit dem Schweinfurter Kurt Vogel, BLSV-Kreisvorsitzender und ehemaliger Stadtrat, sowie dessen Frau die restlichen drei Etappen nach Santiago de Compostela.

    Als 2013 in der Interkommunalen Allianz Oberes Werntal pilgerfreundliche Betriebe gesucht wurden und gleichzeitig die Fränkische Jakobus-Gesellschaft ihre Qualitätsoffensive startete, meldete sie sich. "Ich habe drei leere Kinderzimmer mit eigenem Bad im Haus, da kann ich Gäste aufnehmen".

    Für Jakobuspilger hält die Geldersheimerin Elfriede Klement immer ein Bett bereit.
    Für Jakobuspilger hält die Geldersheimerin Elfriede Klement immer ein Bett bereit. Foto: Silvia Eidel

    Teils melden sich die Fußpilger einen Tag zuvor telefonisch an, teils fragen sie sich zu ihr durch und stehen am Nachmittag plötzlich da. "Bei mir gibt es immer Kaffee und Kuchen", lacht Elfriede Klement. Und wer möchte, dem zaubert sie später schnell ein Abendessen. Dafür sowie für Übernachtung und Frühstück sowie Lunchpaket gibt der Pilger eine freiwillige Spende. "Die meisten geben 20 Euro."

    Viele Pilger stehen an Lebensübergängen

    Sie drängt sich nicht für ein Gespräch auf, wartet ab, was der Pilger möchte. Viele sind auf Sinnsuche, wollen Entschleunigung oder stehen an Lebensübergängen. Über das persönliche Schicksal wird selten gesprochen, meint sie, aber sonst über alles, "über Gott und die Welt". Manchmal wird sie zum Rosenkranzgebet in die Kirche begleitet. Oder Elfriede Klement nimmt den Gast spontan zu den Sömmersdorfer Passionsspielen mit, wie es gleich beim ersten Besucher im August 2013 der Fall war.

    Mit manchen Pilgern gibt es ein Wiedersehen, etwa mit einem Sozialarbeiter aus Görlitz, der schon drei Mal mit Jugendlichen aus schwierigen Verhältnissen bei ihr Station machte. Viele schreiben auch Dankesbriefe oder Karten zu Weihnachten.

    Mit Fotos ihrer Gäste und deren Einträge ist das erste Pilgerbuch von Elfriede Klement gefüllt. Ein neues, leeres Gästebuch wartet schon auf Einträge.
    Mit Fotos ihrer Gäste und deren Einträge ist das erste Pilgerbuch von Elfriede Klement gefüllt. Ein neues, leeres Gästebuch wartet schon auf Einträge. Foto: Silvia Eidel

    Insgesamt 72 Pilger hat sie in sieben Jahren beherbergt, vornehmlich in den Sommermonaten. Ihre Unterkunft liegt günstig am Jakobusweg, außerdem zählt sie zu den "pilgerfreundlichen Betrieben" im Zeichen der Muschel. Diese wurden 2013 von der Fränkischen Jakobusgesellschaft Würzburg im Rahmen eines Leader-Projekts ausgezeichnet, erläutert die Allianzmanagerin des Oberen Werntals, Eva Fenn. Dabei verpflichten sich die Betriebe zur Einhaltung bestimmter Kriterien und Standards, um Pilgern den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen.

    An diesem Baum bei Euerbach weist die Muschel auf den Verlauf des Jakobuswegs im Oberen Werntal hin. Der Rhönklub kümmert sich hier um die Wegweisung.
    An diesem Baum bei Euerbach weist die Muschel auf den Verlauf des Jakobuswegs im Oberen Werntal hin. Der Rhönklub kümmert sich hier um die Wegweisung. Foto: Silvia Eidel

    Dazu zählt unter anderem, dass ein Bett kurzfristig und für eine Nacht möglich ist, der Pilger Möglichkeit zur Handwäsche hat, dass er mit Pflaster oder Zeckenzange versorgt werden oder seine Wasserflasche auffüllen kann, dass der Gastgeber ihm regionale Besonderheiten nennen und Informationsmaterial geben kann.

    Elfriede Klement erfüllt die Kriterien im Übermaß. Sie selbst sagt, dass sie mit den Pilgern nur positive Erfahrungen gemacht habe. "Die Begegnungen bereichern mich."

    An heißen Tagen wirft ein gut bepackter Jakobuspilger seinen Schatten auf den Weg.
    An heißen Tagen wirft ein gut bepackter Jakobuspilger seinen Schatten auf den Weg. Foto: Bernhard Wegscheid
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