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    Unterspiesheim

    Gedenkstein für Dr. Anton Greß wird übergeben

    Das Team, das dafür sorgte, dass der Sohn der Gemeinde Unterspiesheim, Dr. Anton Greß, der in der Zeit der Aufklärung dafür eintrat, dass Theologie eine Wissenschaft und nicht blinder Glaube ist, angemessen gewürdigt wird: (im Bild von links) Pfarrer Thomas Amrehn, Peter Engelbrecht, Benedikt Schuster, Martin Mack, Matthäus Nöth, Herbert Brand.
    Das Team, das dafür sorgte, dass der Sohn der Gemeinde Unterspiesheim, Dr. Anton Greß, der in der Zeit der Aufklärung dafür eintrat, dass Theologie eine Wissenschaft und nicht blinder Glaube ist, angemessen gewürdigt wird: (im Bild von links) Pfarrer Thomas Amrehn, Peter Engelbrecht, Benedikt Schuster, Martin Mack, Matthäus Nöth, Herbert Brand. Foto: Thomas Amrehn

    Dr. Anton Greß wurde 1766 in Unterspiesheim geboren und starb im Jahr 1799 – also schon sehr jung. Er hat sich in der theologisch-philosophischen Auseinandersetzung in der Zeit der Aufklärung einen Namen gemacht, indem er die Theologie als Wissenschaft verteidigte. Ein Gedenkstein, der nun am Erlöserplatz aufgestellt wird, erinnert an diesen bisher weithin unbekannten Sohn der Gemeinde Unterspiesheim, "der in stürmischer Zeit die Geschicke unserer Kirche mitbestimmte", wie es im Pfarrbrief der Pfarrgemeinde St. Raphael heißt. Sein Elternhaus befand sich ganz in der Nähe des Erlöserplatzes.

    Am Sonntag, 7. Juni, wird Kreisheimatpfleger Stefan Menz im Rahmen des Streaminggottesdienstes der Pfarreiengemeinschaft St. Raphael (www.pg-st-raphael.de) Worte zur Übergabe des Gedenksteines sprechen und den bedeutsamen Sohn der Gemeinde Unterspiesheim würdigen.

    Dank gilt Frau Monika Greß, die den ehemaligen Grabstein einer Familie Greß als Gedenkstein für Dr. Anton Greß zur Verfügung stellte, sowie allen, die bei der Gestaltung des Grabsteins und des Umfeldes mithalfen. Die Inschrift auf dem Grabstein "fides moret" (der Glaube mögen bleiben) kann in unserer Zeit Wunsch und Verpflichtung zugleich sein – "ein geistliches Testament eines begabten Lehrers und theologischen Streiters"- wie es im Pfarrbrief heißt.

    Nach dem Philosophen Immanuel Kant ist Aufklärung (1720 bis 1800) der „Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit". Politischer Höhepunkt der Aufklärung war die Französische Revolution, die 1789 begann. Nur was empirisch nachweisbar war oder sich aus der Anstrengung des Denkens erschloss, galt als Wissenschaft. In diesem Kontext wurde die Auffassung vertreten, dass die Theologie keine Wissenschaft sei.

    Gegen diese starke Strömung wandte sich der junge Gelehrte Anton Greß. Er vertrat die Auffassung, dass auch die Theologie – wie die empirischen Wissenschaften – nach den Regeln der natürlich-menschlichen Erkenntnis betrieben werden könne und müsse. Damit verteidigte er die – durchaus moderne – wissenschaftstheoretische Position,  dass Theologie nicht  allein dem "blinden Glauben" an Dogmen oder Konzilsbeschlüsse verpflichtet sei, sondern in ihrer Forschung und Entwicklung sich der Prinzipien der Vernunft und der menschlichen Erkenntnismöglichkeiten bedienen müsse. Diese Auffassung wurde in der Zeit danach nicht von allen Theologen geteilt, aber 200 Jahre später im Zweiten Vatikanischen Konzil sehr klar formuliert.

    1794 zum Priester geweiht

    Anton Greß wurde als sechstes von neun Kindern der Eheleute Anna-Elisabeth und Balthasar Greß 1766 in Unterspiesheim geboren. Seine Begabung fiel wohl dem damaligen Abt von Ebrach, zu dessen Zuständigkeitsbereich Unterspiesheim damals gehörte, auf. So wurde ihm der Besuch der Lateinschule ermöglicht, im November 1790 trat er ins Priesterseminar Würzburg ein, 1794 wurde er zum Priester geweiht.

    Als Präfekt des Julianums in Würzburg, das von Fürstbischof Julius Echter im Jahr 1607 zur Ausbildung junger Adeliger gegründet worden war,  konnte er seine theologischen Studien fortsetzen. 1796 ist er schon  Professor der Philosophie, 1798 erlangt er die theologische Doktorwürde unter dem bekannten Professor Franz Oberthür. Seine Auffassung von der Theologie als Wissenschaft formulierte er in dem Aufsatz "Die Vernunft fordert die Säkularisation nicht", den Greß im Jahr 1799, kurz vor seinem Tod verfasste. 

    Da er als Professor eine herausragende gesellschaftliche Stellung innehatte, verwundert es umso mehr, dass sich kein Eintrag über den Ort seines Begräbnisses in den Registern der Würzburger Friedhöfe des Jahres 1799 findet. Daher  gewinnt die Annahme eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass er im Friedhof seiner Heimatgemeinde Unterspiesheim beigesetzt wurde, heißt es im aktuellen Pfarrbrief der Pfarreiengemeinschat St. Raphael, dem auch viele weitere Informationen entnommen wurden.

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