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    Schweinfurt

    Gericht: 26-Jähriger bleibt in der Psychiatrie

    In kurzer Zeit hatte der Mann im November 2019 in der Schweinfurter Innenstadt sechs Menschen attackiert und verletzt. Er war schuldunfähig, aber die Taten haben Folgen. 
    Der psychisch kranke 26-Jährige, der im November 2019 in der Schweinfurter City wahllos Menschen attackiert und verletzt hatte, bleibt bis auf Weiteres in der Psychiatrie, urteilte das Landgericht.
    Der psychisch kranke 26-Jährige, der im November 2019 in der Schweinfurter City wahllos Menschen attackiert und verletzt hatte, bleibt bis auf Weiteres in der Psychiatrie, urteilte das Landgericht. Foto: Horst Breunig

    Das Urteil fiel am zweiten Verhandlungstag erwartungsgemäß aus: "Der Beschuldigte kann für seine Taten nicht bestraft werden", sagt die Vorsitzende der Großen Strafkammer am Landgericht Schweinfurt, "aber die Voraussetzungen für seine Unterbringung nach Paragraf 63 Strafgesetzbuch liegen vor." Das heißt konkret: Der Mann bleibt weiter in der Psychiatrie untergebracht, wo er sich seit seiner Festnahme befindet. Denn draußen wären von ihm weitere erhebliche Straftaten zu erwarten, er wäre in seinem derzeitigen Zustand eine "Gefahr für die Allgemeinheit".

    Ein Schnitt im Halsbereich

    Wie berichtet, hatte der 26-jährige - gelernter Maler und Lackierer - am Vormittag des 4. November 2019 in der Schweinfurter Fußgängerzone in kurzer Folge wahl- und anlasslos mehrere Menschen geschlagen, getreten und mit einer Glasflache im Gesicht verletzt. Sechs Taten liegen dem Urteil zugrunde. Am schwersten verletzte er sein erstes Opfer bei dieser "Art Amoklauf", wie die Staatsanwältin das Wüten des Mannes bezeichnet hatte.

    Einem 62-Jährigen rammt der 26-Jährige nach der wirren Anmache "Hast du Kraft, hast du Kraft?" zunächst seinen Kopf in den Bauch, bevor er ihm mit einer Glasflasche einen sieben Zentimeter langen Schnitt zwischen Kinn und Kehlkopf beibringt. Zum Glück bleibt diese Verletzung oberflächlich. Grundsätzlich sind laut einem sachverständigen Gerichtsmediziner Schnitte im Halsbereich lebensbedrohlich.

    Wahllos Tritte und Schläge

    Das zweite Opfer in einem Eiscafé trägt eine leicht blutende Wunde an der Augenbraue davon. Dieser Mann verfolgt den 26-Jährigen und macht ein Foto von ihm. Der nächsten Arglose auf dem Weg des Beschuldigten wird zu Boden gestoßen, einen weiteren Passanten verfehlt ein Schlag, weil er ausweichen kann, doch eine Frau bekommt die Faust des Beschuldigten ins Gesicht. Einen Mann attackiert der 26-Jährige mit einer Plastikflasche und packt ihn mit beiden Händen am Hals. Sein nächstes Opfer stürzt nach einem Tritt in die Kniekehlen zu Boden und erleidet dadurch Schmerzen.

    Sechs gefährliche und vier vorsätzliche Körperverletzungen hält die Kammervorsitzende in ihrer Urteilsbegründung dem gelernten Maler vor. Nur bestraft werden könne er dafür nicht, weil er zur Tatzeit in einer akuten Phase paranoider Schizophrenie gewesen sei – und alkoholisiert war er zudem. Seine Einsichtsfähigkeit in das Unrecht seines Tuns sei aufgehoben gewesen.

    Keinerlei Krankheitseinsicht

    Allerdings lägen die Voraussetzungen für seine zeitlich zunächst nicht befristete Unterbringung in einer psychiatrischen Anstalt vor. Denn laut dem Gutachten des Sachverständigen mangle es dem Mann derzeit an jeglicher Krankheitseinsicht, weshalb er selbstständig – wie vor diesen Taten – seine Medikamente absetzen werde. Damit drohten von diesem weitere erhebliche rechtswidrige Taten, wie sie in diesem Verfahren verhandelt wurden.    

    Mit der Unterbringung folgt das Gericht nicht nur dem Sachverständigen, sondern auch den Anträgen von Staatsanwaltschaft und Verteidigung. Der 26-Jährige selbst wollte diese unbedingt vermeiden. "Sie müssen einfach in Zukunft Ihre Medikamente zuverlässig einnehmen, dann müssen Sie auch nicht ewig dort bleiben", sagt ihm die Kammervorsitzende. Gegen das Urteil ist das Rechtsmittel der Revision möglich.  

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